Mainbernheim

Samstagsbrief: Nehmen Sie's lockig, Frau Henneberger

Nach Wochen der Corona-Zwangsschließung dürfen an diesem Montag die Friseursalons wieder öffnen. Gute Gelegenheit, der Obermeisterin Monika Henneberger Tipps zu geben.
Monika Henneberger führt einen Friseursalon in Mainbernheim (Lkr. Kitzingen) und ist seit 2000 Obermeisterin der Friseurinnung Kitzingen.
Monika Henneberger führt einen Friseursalon in Mainbernheim (Lkr. Kitzingen) und ist seit 2000 Obermeisterin der Friseurinnung Kitzingen. Foto: Jürgen Haug-Peichl

Liebe Monika Henneberger,

selbstverständlich werden Sie es kaum erwarten können, dass Sie an diesem Montag Ihren Friseursalon nach dem wochenlangen Corona-Aus wieder öffnen dürfen. Das geht den zigtausend anderen Saloninhabern in Bayern sicherlich ähnlich.

Das nahe Licht am Ende Ihres Tunnels ist der Grund, warum ich Ihnen diesen Brief schreibe. Denn Ihr Metier ist aus Sicht der Politiker zwar nicht systemrelevant, aber trotzdem etwas Besonderes. Auf Bundesliga-Fußball kann ich noch ein paar Tage ebenso verzichten wie auf die Halbe im Biergarten oder die Leibesertüchtigung im Sportcenter um die Ecke. Ganz schweren Herzens zwar, aber es geht schon. Doch was der Lockdown mit meinen Locken gemacht hat, dürfte stellvertretend stehen für viele Menschen im Freistaat: Er hat uns verunstaltet. Da der Mensch für gewöhnlich eitel ist, ist das nicht länger hinzunehmen.

Ich muss zugeben, dass ich schon mal wesentlich mehr Haupthaar hatte. Das ist eine Generation her. Der klägliche Rest zwischen Stirn und Nacken ist eigentlich kaum noch einen Friseurbesuch wert. Dennoch habe ich mich an das gehalten, was Sie neulich medienwirksam gefordert haben: Liebe Kunden, während Corona bloß nicht selbst die Haare schneiden oder färben! Der Friseursalon sei später schließlich keine Reparaturwerkstatt, sagten Sie. 

Sie haben Recht. Ich gebe zu: Früher, also vor einer Generation, schnitt ich mir die Haare immer selbst. Es ging zumindest nicht so schief, dass ich nicht hier und da bei den Mädels ankam mit meinen Vokuhila-Locken. Aber das ist ein anderes Thema.

Auf was ich hinaus will, ist dreierlei. Erstens: Die Terminkalender in all den Salons sind momentan zum Bersten voll. Das wird in den kommenden Wochen dazu führen, dass viele Friseure nun auch entgegen des Brauchs montags geöffnet haben, um die große Nachfrage abarbeiten zu können. Sie, Frau Henneberger, wollen das ja auch tun, wie Sie mir neulich erzählt haben. Prima. Denn warum Friseure ausgerechnet immer am Montag geschlossen haben, hat sich mir nie erschlossen. Also: Weg mit dem freien Montag. Danke, Corona.

Zweitens: Jetzt ist für Ihre Branche die Zeit der innovativen Haarschnitte gekommen. Schneiden Sie Corona ein Schnippchen. So zum Beispiel: vorne lang, hinten auch – fertig. Oder benutzen Sie statt Lockenwicklern Klopapierrollen. Gibt's ja jetzt wieder. Und sorgen für luftiges Haar. Für das Volumen empfehle ich Hefe. Macht Donald Trump angeblich schon seit längerem. Auch das Modell Home-Office – alternativ Skype- oder Zoom-Schnitt genannt – bietet sich an. 

Keine Getränke? Kein Problem!

Und dann wäre da noch drittens: Wie zu lesen war, dürfen in Frisiersalons ab sofort aus Hygienegründen keine Getränke an die Kunden ausgegeben werden. Auch ist die Haarwäsche vor dem Schneiden Pflicht für alle. Sie ahnen es, das lässt sich kombinieren. Waschen Sie Ihren Kunden die Haare einfach mit dem Mineralwasser oder Kaffee, den Sie aus der Zeit vor Corona noch übrig haben. Denn wer sich Gurkenscheiben auf die Haut legt, verträgt auch das.

Sie merken es, Frau Henneberger: Ich bin zum Scherzen aufgelegt. Aber vielleicht lassen Sie sich davon ja inspirieren. Ins Schwitzen kommen werden Sie und alle Ihre Kolleginnen - in Ihrer Branche sind ja in der Mehrheit Frauen tätig - ab diesem Montag ob all der vielen anstehenden Arbeit wohl sowieso.

Warum waren trotzdem gut frisierte Menschen zu sehen?

An dieser Stelle frage ich mich übrigens, warum ich in den vergangenen Wochen bei meinen Spaziergängen ab und zu Menschen begegnet bin, die auffallend gut und prägnant frisiert waren. Wie geht das denn? Aus eigener Hand kann diese Haarpracht nicht entstanden sein, da war ich mir jedesmal sicher.

Nun unterstelle ich niemandem in Ihrem Gewerbe, Frau Henneberger, auf Hausbesuch gewesen zu sein. Aber seltsam waren die Begegnungen auf der Straße schon. Sie werden mir das mit den gut frisierten Menschen in Zeiten geschlossener Salons bestimmt beim nächsten Termin erklären können. Unter Umständen interpretiere ich da was falsch.

Es könnte im Übrigen sein, dass ich mich am Montag auf meinem Balkon stehe und Ihnen sowie Ihren Gleichgesinnten applaudiere. So, wie es Menschen in diesem Land schon für das medizinische Personal getan haben. Freilich klatsche ich später auch für die Bundesliga-Fußballer, die Gastronomen, Biergartenbetreiber,Kleinkünstler und all die anderen, die mein Leben wieder einigermaßen normal werden lassen. Hoffentlich muss ich darauf nicht mehr allzu lange warten.

Mit lockigen Grüßen

Jürgen Haug-Peichl, Redakteur

Eine(r) bekommt Post: der Samstagsbrief
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