WÜRZBURG

Flucht: "Diese Frauen sind rechtlich nicht geschützt"

Necla Kelek kritisiert Duckmäusertum vor Islamisten       -  Der Islam ist ihr Thema: Die in Berlin lebende Autorin Necla Kelek.
Der Islam ist ihr Thema: Die in Berlin lebende Autorin Necla Kelek. Foto: Arno Burgi, dpa

Viele der meist männlichen, meist muslimischen Zuwanderer kommen aus einer Stammes- und Clankultur, in der der Clanchef über die Männer herrscht und Männer über Frauen. Diese Werteorientierung würden die neu zugewanderten Männer nicht von heute auf morgen an der deutschen Grenze ablegen, sagt die Berliner Soziologin Necla Kelek. Sie warnt die deutsche Gesellschaft vor falsch verstandener Toleranz.

Frage: Sie zweifeln daran, dass die Integration rund einer Million meist männlicher, muslimischer Flüchtlinge gelingen kann. Warum?

Necla Kelek: Ich zweifle daran, weil ich die Strukturen, aus denen die muslimischen Flüchtlinge kommen, gut kenne. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan oder Nigeria – mithin aus Diktaturen islamistischer Prägung und aus tribalen Strukturen, nämlich aus Stammes- und Clangesellschaften. Das Konzept der individuellen Freiheit und das Recht auf den Schutz des Individuums kennen diese Länder und die Menschen, die aus diesen Ländern kommen, nicht. Dort herrscht der Mann – von Religion und Tradition legitimiert – uneingeschränkt über die Frau. Und es herrscht die Clangemeinschaft über den Einzelnen. So sind diese Länder strukturiert.

Ihrer Meinung nach könnte also die Integration vieler muslimischer Männer daran scheitern, dass diese Männer sich im Zweifelsfall islamischen Gesetzen verpflichtet fühlen – und nicht dem deutschen Recht.

Kelek: Sicher werden viele Zuwanderer auch die neue Freiheit, die Deutschland dem Einzelnen bietet, annehmen – vor allem jene Zuwanderer, die gebildet sind. Aber die meisten Flüchtlinge werden es nicht tun – denn die meisten werden nicht in der Lage sein, die Werteorientierung, der ihre Völker seit Jahrhunderten verhaftet sind, an der Grenze abzustreifen. Die meisten Flüchtlinge werden versuchen, ihre traditionelle Werteordnung auch in Deutschland zu leben, indem sie sich auf ihr Recht zur freien Religionsausübung hier in Deutschland berufen. Das wäre nicht neu. So haben das viele muslimische Zuwanderer auch in den letzten Jahrzehnten gemacht. Und dieser Weg führt zwangsläufig in eine Parallelgesellschaft.

Eine Parallelgesellschaft, in der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau nicht existiert.

Kelek: Die Männer sind die Antragsteller auf Asyl. Vermutlich werden die Männer dann auch das Recht auf individuelle Freiheit, das der deutsche Staat ihnen bietet, durchaus in Anspruch nehmen. Ihren Frauen aber werden sie das nicht gestatten. Denn wenn die Männer ihre Frauen nachholen aus den Herkunftsländern, dann sind diese Frauen rechtlich nicht vom deutschen Staat geschützt. Da die nachgeholten Frauen keinen eigenen Asylantrag stellen, sind sie abhängig von dem Mann, der sie nachholt.

Das müssen Sie mir jetzt näher erklären. Wieso sollte der deutsche Staat die muslimischen Frauen nicht schützen?

Kelek: Wir reden jetzt über die Verhältnisse, die ich schon vor über zehn Jahren in meinem Buch „Die fremde Braut“ beschrieben habe. Das Problem ist, dass die Frauen, die von Männern mit Aufenthaltsrecht im Rahmen des Familiennachzugs ins Land geholt werden, nur eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Rechtlich ist also die Frau an den Mann gebunden, zu dem sie gezogen ist. Die Frau kann sich, zumindest in den ersten drei Jahren, nicht vom Mann trennen – sonst würde sie zurückgeschickt.

Sie ist per Gesetz von ihm abhängig. Der Mann entscheidet, ob sie Deutsch lernt, Integrationskurse macht, arbeiten darf.

Warum kommen denn überwiegend Männer nach Deutschland?

Kelek: Ja, man wundert sich schon, dass aus Ländern, in denen Krieg herrscht, nur überwiegend Männer kommen und sie ihre Familien zurücklassen. Aber Sie glauben doch nicht wirklich, dass die Clans oder Großfamilien den Frauen gestatten würden, nach Deutschland aufzubrechen und Asyl zu beantragen? Nein, da werden die Männer als Scouts vorgeschickt, damit sie dann, wenn sie erfolgreich einen Asylantrag gestellt haben, ihre Familie nachholen. Und da offenbar von deutschen Behörden selbst Imam-Ehen anerkannt werden, kann der Mann eine Frau auch per Telefon heiraten. Imame können Ehen schließen, bei denen keiner der Ehepartner anwesend sein muss.

Die Aufnahme so vieler Flüchtlinge aus islamischen Ländern in Deutschland wird also dazu führen, dass die islamische Parallelgesellschaft wächst.

Kelek: Ja. Das sehe ich klar voraus. Wir haben jetzt vier Millionen Muslime in Deutschland, etwa zwei Millionen davon leben nach ihren eigenen Gesetzen und Traditionen mehr oder weniger in Parallelgesellschaften, also ohne wirklichen Kontakt zur deutschen Gesellschaft. Um zu verhindern, dass die Parallelgesellschaften mit den neuen Zuwanderern wachsen, bräuchten wir sehr viele Integrationsbeauftragte und sehr gute Lehrer, die die Strukturen in den Herkunftsländern kennen und auch geschlechterdifferenziert unterrichten könnten. Das haben wir nicht.

Angenommen, Deutschland leistete optimale Bildungs-, Integrations- und Aufklärungsarbeit – könnte dann die Bildung von Parallelgesellschaften verhindert werden?

Kelek: Vielleicht. Wenn tatsächlich jeder zum Integrationskurs verpflichtet würde, würde es vielleicht funktionieren. Wenn Mädchen darin bestärkt würden, Ausbildungen zu machen – auch in anderen Städten, wo der Druck der Familie nicht so stark ist. Wenn wir Patenschaften hätten, wo deutsche Familien muslimische Familien unterstützen und speziell die Mädchen fördern.

Wenn im Rahmen dieser Patenschaften drauf geschaut würde, dass Mädchen selbstständig leben, zur Schule gehen dürfen und nicht in Früh-Ehen gezwungen werden. Ein breites, bürgerschaftliches Engagement und die Bereitschaft auf muslimischer Seite, es anzunehmen, würde also gut helfen. Es wäre der einzige Weg. Aber ich bin skeptisch. Ich habe zu viele Frühehen gesehen, bei denen Mädchen von ihren Familien mit zwanzig Jahre älteren Männern verheiratet werden. Wir haben bei Terres des Femmes gerade eine Kampagne gegen Frühehen gestartet.

Aus Ihren Worten spricht ein wenig Hoffnung und ganz viel Skepsis, dass Integration, um das berühmte Kanzlerinnen-Wort zu zitieren, zu „schaffen“ ist. Glauben Sie, Deutschland kann diese Integrationsarbeit nicht leisten?

Kelek: Ich sehe nicht, dass wir darauf vorbereitet sind. Es gibt auch bei den Migrationsforschern kaum Konzepte, die differenziert auf die islamische Sozialisation und deren Folgen eingehen – und die Unterdrückung der Frau ist nur eine der Folgen. Es gibt keine Erhebungen darüber, wie Frauen in den Flüchtlingsheimen leben, wie sie hergekommen sind, wie ihre Männer ticken, wie Männer zur Freiheit der Frauen stehen.

Deutschland macht den großen Fehler, dass es den Unterwerfungsanspruch im Islam – Frau unterwirft sich Mann und Mann dem Clan – als zu akzeptierenden Teil einer anderen Kultur sieht, anstatt hier klare Grenzen zu setzen und einzufordern. Da ist die deutsche Gesellschaft zu weich. Man glaubt, sich in „Familienangelegenheiten“ nicht einmischen zu dürfen.

Ein Fall von falsch verstandener Toleranz? Wir umarmen eine fremde Kultur und übersehen bewusst, dass sie Frauen unterdrückt?

Kelek: Ja, genau.

Wie wird sich unsere deutsche Gesellschaft ändern durch die Flüchtlinge?

Kelek: Die Deutschen werden versuchen, ihrem eigenen hohen Anspruch gerecht zu werden und alle Zuwanderer zu integrieren. Wenn es dann trotzdem zu Parallelgesellschaften kommt, wird ein Schuldiger gesucht werden. Man wird sagen, es habe an Geld gefehlt oder die Behörden hätten versagt. Keiner wird fragen: „Wollten die Einwanderer sich nicht integrieren? Waren die Konzepte falsch?“ Das wird die Gesellschaft spalten. Ich sehe das so, dass sich Deutschland gerade selbst übernimmt. Frau Merkel und ihre Freunde versuchen, die Probleme der ganzen Welt zu lösen. Daran wird Deutschland scheitern.

Necla Kelek

Die bekannte Islamkritikerin, Jahrgang 1957, stammt aus Istanbul und zog mit ihrer Familie 1967 nach Berlin. Sie studierte Volkswirtschaft und Soziologie und promovierte über das Thema „Islam im Alltag“. Für ihr Buch „Die fremde Braut; Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland“ (2005) wurde Kelek mit dem Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Neben zahlreichen Artikeln und Aufsätzen hat Kelek mittlerweile sieben Bücher veröffentlicht, die sich alle kritisch mit dem Islam auseinandersetzen. Keleks Hauptthema ist die islamisch geprägte Parallelgesellschaft in Deutschland. Mitverantwortlich dafür sind nach Keleks Auffassung Moscheegemeinden in Deutschland, die einen Islam praktizierten, der nicht integrationsförderlich sei. Kelek ist nicht unumstritten; ihre Kritiker unterstellen ihr „Panikmache“. Text: GRR

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