Augsburg

Kommentar: Donald Trump bringt die Börsen zum Beben

Der Dauer-Unruhestifter Trump scheint es sogar fertigzubringen, eherne Gesetze der Aktienmärkte zu kippen. Beim US-Präsidenten stoßen selbst hyperflexible Wirtschaftsleute an ihre Grenzen.

Der Dauer-Unruhestifter Trump scheint es sogar fertigzubringen, eherne Gesetze der Aktienmärkte zu kippen. So heißt es, politische Börsen hätten kurze Beine. Nach der Theorie wirkt sich Politik nur kurzfristig kurssteigernd – oder senkend – aus. Auf Dauer verpuffen solche Effekte. Anleger sollten also nicht zu sehr auf den US-Mann schielen. Schließlich passen sich Unternehmer an für sie negative politische Beschlüsse an und bleiben auf Erfolgskurs.

Beim US-Präsidenten stoßen selbst hyperflexible Wirtschaftsleute an ihre Grenzen. Denn Trump betrachtet sich, wie es Lesern seiner Twitter-Nachrichten nicht verborgen bleibt, als obersten Manager Amerikas, wenn nicht als Boss der Welt. Seit März 2009 hat er es auf die irrsinnig hohe Zahl von rund 43 300 Tweets, also Kurznachrichten, gebracht. In den knappen Mitteilungen spielt er Gott: Nur der 73-Jährige befindet sich im Besitz der Wahrheit. In seiner Welt gibt es lediglich Schwarz oder Weiß, kein Grau. Dabei verfolgt er Ziele mit einer beängstigenden Hartnäckigkeit, ja er verbeißt sich in solch fixe Ideen – und dies so sehr, dass selbst die Aktienmärkte beben.

Die Dauer-Erregtheit des „Mister Unberechenbar“

„Mister Unberechenbar“ könnte also politisch motivierten Ausschlägen an den Börsen zunehmend längere Beine verleihen. Denn Trump betreibt eine Politik der zittrigen Finger, also einer fatalen aggressiven Dauer-Erregtheit. Dabei haben zittrige Finger an der Börse bekanntlich nichts zu suchen, wie es einst Aktien-Guru André Kostolany ausgedrückt hat. Trump sind solche Erkenntnisse herzlich egal. Sein ganzer Hass – anders lassen sich seine Twitter-Nachrichten nicht lesen – entlädt sich derzeit auf China.

Er führt einen Wirtschaftskrieg gegen das Land – und das mit einer Härte, die zuletzt selbst US-Anlegern massiven Schaden zugefügt hat. Denn aus dem mit immer neuen Zöllen geführten knüppelharten Wirtschaftskrieg droht auch ein Währungskrieg zu werden. Die Chinesen wehren sich nämlich gegen den zornigen Gott aus Amerika. So ließen sie es zuletzt zu, dass ihre Landeswährung – deutlicher als von den Mächtigen in Peking vorgesehen – gegenüber dem Dollar nachgegeben hat. Das verbilligt natürlich chinesische Exporte in die USA und erschwert amerikanische Ausfuhren in das Riesenreich.

Trump tobt seitdem, ist doch ein im Vergleich zu ausländischen Währungen mäßiger Dollarkurs Teil seiner magisch-populistischen Brachial-Wirtschaftstheorie. Doch das egoistisch-nationalistische Konstrukt funktioniert auf Dauer nicht in Zeiten einer vernetzten, also globalisierten Wirtschaftswelt.

Trump kann die Welt in eine Rezession stürzen

Trump wirft mit voller Wucht Bumerangs um sich und glaubt, es seien einfach nur große Keulen und keine gebogenen Holzstücke. Er lebt also im Irrglauben, seine in die Welt hinaus geschleuderten Übeltaten würden nur im Ausland Vernichtungskraft entfalten. Doch die Bumerangs kommen irgendwann zurück: So kann er die Welt in eine Rezession stürzen. Dann wird auch die noch gut laufende US-Wirtschaft einbrechen, was die Börsen richtig erschüttern sollte.

Schon jetzt hat der US-Mann Angst und Schrecken verbreitet. Auch hierzulande sind Unternehmer verunsichert. Ihre Geschäfte mit China laufen nicht mehr so gut. Trumps Bumerang hat Deutschland erreicht. Unsicherheit ist Gift für Unternehmer.

Wohlstand für möglichst viele gibt es dann, wenn die Wirtschaft ohne zu viele Polit-Attacken wie ein langer, ruhiger Fluss dahingleitet. Das erträgt Trump nicht. Er twittert und twittert. Und bald wird er den Kopf einziehen müssen: Seine ersten Bumerangs treten die Heimreise aus China an.

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