BAD GRÖNENBACH

Kommentar: Tierschutz muss effektiver kontrolliert werden

Eine Woche ist vergangen, seit die Aufnahmen aus einem Bad Grönenbacher Milchviehbetrieb öffentlich wurden. Aufnahmen, die Entsetzen ausgelöst haben. Dass dort allem Anschein nach Tiere getreten und gequält, Kühe mit dem Traktor kopfüber durch den Stall geschleift wurden, verletzte Tiere ohne Wasser und medizinische Versorgung ausharren mussten, ist unerträglich. Und kriminell. Dafür wird sich der Landwirt hoffentlich verantworten müssen.

Aber ebenso unerträglich ist es, wenn in diesen Tagen ein Berufsstand unter Generalverdacht gestellt wird. Genau das tut die Soko Tierschutz, wenn sie nun behauptet: „Milch ist untrennbar mit dem Leid von Tieren verbunden.“ Um es klar zu sagen: Tierquälerei wie in diesem Fall ist kein Branchenproblem. Der allergrößte Teil der Milchviehbetriebe legt Wert darauf, dass es den Kühen gut geht. Alles andere ist ja Irrsinn: Denn gesunde Tiere und die Milch, die sie geben, sind das Kapital der Milchviehhalter.

Die Überwachung von Tierschutz darf nicht am Geld kranken

Trotzdem bleiben Fragen: Warum musste der Fall durch Aktivisten ins Rollen gebracht werden? Warum stellten nicht die Behörden die Tierquälerei fest? Wie kann es sein, dass bei diesem Betrieb in den vergangenen fünf Jahren 34 Mal die Amtsveterinäre zu Kontrollen anrückten und keinen Hinweis auf Tierquälerei dieser Dimension gefunden haben? Wie kann es sein, dass der Betreuungstierarzt, der auf dem Hof ein- und ausgeht, solche Missstände nicht meldet?

Es führt kein Weg daran vorbei, dass in der Folge dieses Skandals die Arbeit der Amtsveterinäre reformiert wird. Seit Jahren ist klar, dass die Abteilungen in den Landratsämtern völlig unterbesetzt sind, dass es endlich mehr Personal braucht. In Bayern bekommen Tierhalter – statistisch gesehen – alle 48 Jahre Besuch vom Amtsveterinär, so selten wie nirgends sonst in Deutschland. In der Praxis heißt das, dass die Veterinäre in Sachen Tierschutz nur tätig werden, wenn es konkrete Hinweise gibt.

Die Überwachung des Tierschutzes aber darf nicht am Geld kranken. Zudem braucht es zielgerichtetere Kontrollen. Denn was bringt es, wenn Veterinäre prüfen, ob ein Traktor Öl verliert oder ob Kühe eine oder zwei Ohrmarken tragen – und kaum Zeit für die Überwachung des Tierschutzes bleibt? Letztlich wäre es sinnvoll, dass bei Höfen in einer Größenordnung wie in Bad Grönenbach schlagkräftige, übergeordnete Einheiten die Kontrollen übernehmen.

Die Förderpolitik der EU hat Großbetriebe begünstigt

Der Großbetrieb mit 1800 Kühen, mehreren Hofstellen, Lohnarbeitskräften – das ist jene Form der Massentierhaltung, die vielen Verbrauchern Angst macht. Diese Betriebe hat letztlich auch die Förderpolitik der EU begünstigt. Denn nach wie vor gilt: Je größer der Betrieb, desto mehr Subventionen. Und je mehr kleine Höfe aufhören, desto größer werden die Großen.

Nun sagt eine Zahl allein noch nichts darüber aus, wie gut es Tieren geht; auch nicht darüber, ob Tierschutz-Vorgaben eingehalten werden. Doch bei 1800 Kühen darf man bezweifeln, dass genug Zeit bleibt, sich um die Gesundheit aller Tiere zu kümmern und dass das einzelne Tier noch einen Stellenwert hat – als Lebewesen und nicht als Ware.

Wer im Supermarkt Milch kauft, weiß von alledem nichts. Eine verpflichtende Tierwohlkennzeichnung, wie sie Agrarministerin Julia Klöckner ablehnt, wäre eine Chance, höhere Tierwohlstandards in den Ställen durchzusetzen. Gegen Tierquäler und ihre kriminelle Energie aber hilft das alles nicht. Umso wichtiger ist es, dass Verstöße wie in Bad Grönenbach öffentlich gemacht werden.

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