Leitartikel: Energiewelt eiskalt erwischt

Leitartikel: Obama kann jetzt frei handeln

Es waren goldene Zeiten für J. R. Ewing, dem Helden aus „Dallas“: Als in den 80er Jahren nach zwei Ölkrisen der Preis für Rohöl in neue Höhen schoss, da lohnte sich plötzlich die Förderung in den teuren USA wieder. Dann aber versiegten die Quellen der Ölbarone – und die Vereinigten Staaten wurden zum Importland.

Seit Kurzem aber sprudelt es wieder in den Weiten Amerikas: An Tausenden von Bohrstellen quetscht man mit einer Mischung aus Wasser und teils giftigen Chemiezusätzen Öl und Gas unter hohem Druck aus tiefliegenden Gesteinsschichten – Fracking nennt sich das.

Es ist ein beispielloser Boom. Schon jetzt hat die US-Wirtschaft einen massiven Vorteil bei den Energiepreisen – und die Amerikaner können wieder sorglos ihre schweren Pick-ups fahren und die Heizungen und Klimaanlagen in ihren schlecht isolierten Häusern laufen lassen. Fracking, so sagen manche Experten, könnte die Weltwirtschaft auf den Kopf stellen.

Die Zahlen, die bislang genannt wurden, sind in der Tat atemberaubend. Die USA könnten schon 2017 Saudi-Arabien als größtes Ölförderland ablösen und bereits in zwei Jahren Russland als größten Gasproduzenten der Welt hinter sich lassen. Und dank neuer Speichertechniken könnten sogar wir eines Tages Öl und Gas aus den USA in unseren Heizungen verfeuern.

Das war bis zu dieser Woche die vorherrschende Meinung. Eine einzige Studie aber hat die Energiewelt nun eiskalt erwischt. Denn fossile Brennstoffe gehen offenbar weitaus schneller zur Neige als bislang gedacht. Auch Fracking könne daran nicht viel ändern, so die Experten der Energy Watch Group (EWG). Dahinter verbirgt sich ein Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Träger ist die Ludwig-Bölkow-Stiftung in Ottobrunn – und Initiator der unterfränkische Grünen-Politiker Hans-Josef Fell. Eine Jubelarie auf Öl und Gas darf man da sicher nicht erwarten.

Dennoch: Es ist längst unumstritten, dass konventionell gefördertes Erdöl auf Sicht knapper wird. „Peak Oil“ nennt man in der schwarzen Branche dieses Überschreiten des Fördermaximums. Nur dachte man bislang – mit Techniken wie dem Fracking – diesen Punkt noch hinauszögern zu können. Denn auch in der Öl- und Gasbranche mit ihren Milliardengewinnen schaut man auf die Kosten. Und erst bei einem aktuellen Ölpreis von an die 100 Dollar lohnen sich auch aufwendigere Fördermethoden.

Doch diese Methoden sind nicht nur sehr teuer; sie sind auch riskant. Das zeigte die Katastrophe auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ vor drei Jahren – sie wurde zum Öko-desaster. Und was Fracking mit dem Boden auf Dauer anstellt, weiß auch noch niemand. In den USA interessiert das aber derzeit niemanden. Zu sehr verlockt die Vorstellung, unabhängig von Importen zu sein.

Was das alles für uns bedeutet, es lässt sich leicht erahnen: Energie wird wohl bald noch teurer. Schon ist von zwei Euro pro Liter Benzin die Rede – allzu weit ist der Schritt ja nicht mehr. Auch Gaskunden werden auf lange Sicht mit weiter steigenden Preisen zu rechnen haben.

Der Ausweg aus dem Energiedilemma ist verschlungen. Künftig nur auf erneuerbare Energien zu setzen, das wird nicht reichen. Weltweit weniger verbrauchen, das ist ohne Zweifel der beste Ansatz. Doch ob es damit etwas wird, ist fraglich: Der globale Energiehunger wächst unaufhaltsam weiter – egal, welche Studie gerade vorgelegt wird.

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