Leitartikel: Parteitag gibt Mitt Romney Schwung

Leitartikel: Iran-Abkommen als historische Chance

Der innerparteiliche Richtungsstreit ist beendet, Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten nominiert – jetzt zeigt er seine Qualitäten: In einem Parteitagsfinale, das auf keine Rivalen mehr Rücksicht zu nehmen brauchte, hat sich Romney in eigener Sache als der Krisenmanager bewährt, der er Zeit seines Berufslebens war. Er hat nicht nur jene Fehler abgestellt, die ihn bisher den Wählern entfremdet hatten, sondern auch einen Parteitag orchestriert, der trotz wetterbedingter Verkürzung kaum besser hätte laufen können. In dieser Form sind die Republikaner für Präsident Barack Obama hochgefährlich.

Zur besten Sendezeit haben nicht nur Parteigrößen, sondern Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Glaubensbrüder, Nachbarn, Familienmitglieder und andere Wegbegleiter Seiten enthüllt, die bisher allenfalls Leser der wenigen Biografien kannten. Neben die gierige Heuschrecke, die die Kampagne des Amtsinhabers seit Monaten zeichnet, tritt nun das Bild eines warmherzigen Privatmanns, Seelsorgers und Familienvaters.

Romneys Pläne, die er in seiner Grundsatzrede vorstellte, waren wenig detailliert, aber seine Bilanz allein dürfte vielen Amerikanern Hoffnung einflößen. Obendrein hat er Obamas bisherige Strategie gegen den Amtsinhaber gewendet: Seit Monaten attackiere ihn die Kampagne des Präsidenten wegen seiner Erfolge, sagte Romney. „Ist es ein Wunder, dass jemand, der Erfolg bekämpft, die langsamste Erholung seit der Großen Depression anführt?“

Der Parteitag hat alle denkbaren Wählergruppen umgarnt. Vor allem aber hat der Kandidat an sich und seiner Partei gearbeitet. Der sonst oft unbeholfen und hölzern wirkende Romney absolvierte nicht nur eine eindrückliche Rede. Er hat sich auch das entschuldigende Lächeln abgewöhnt, mit dem er bislang selbst ernsthafte Äußerungen begleitete. Und er zeigte Gefühl: In den Passagen über seine Familie schrammte er an einer Träne entlang, am Ende gelang ihm so etwas wie Leidenschaft.

Romneys Vize, der junge Kongressabgeordnete Paul Ryan, hatte in einer dynamischen Rede bereits das Etikett der Konzeptpartei für die Republikaner reklamiert: Verantwortungsvolle Politik müsse harte Wahrheiten vermitteln, statt das System durch unbezahlbare Versprechungen vor die Wand zu fahren. Kommentatoren monierten, dass weder Romney noch Ryan es mit der Wahrheit überall genau nahmen. Das dürfte aber der Wirkung dieser TV-Übertragung kaum Abbruch tun.

Aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Präsidenten ist in Umfragen bereits ein Vorsprung für Romney geworden. Kommenden Dienstag beginnt in North Carolina der Parteitag der Demokraten. Viel wird davon abhängen, was Präsident Obama der Kritik entgegensetzt, zwischen seinen vollmundigen Versprechungen und der Realität klaffe ein allzu großes Loch. Noch wichtiger wird sein, wie bedrohlich die US-Bürger die Wirtschaftsentwicklung in den Wochen bis zur Wahl empfinden.

Selbst Romneys Wahlkampfhelfer geben zu, dass es schwer wird, die emotionale Bindung zwischen Obamas Wählern und dem Idol von 2008 zu lösen. Ein Wirtschaftszauberer, der sich nicht ständig selbst im Weg steht, sondern souverän und sogar sympathisch wirkt, wäre aber eine weit größere Versuchung als der Romney bisher.

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