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Leitartikel: Telekom will Wettbewerbsvorteil

Leitartikel: Ein Riss in der katholischen Kirche

Drosselkom – so lautet in den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook der Spottname für eines der größten deutschen Unternehmen, die Telekom. Er spielt auf die Ankündigung an, 2016 die Leitungsgeschwindigkeit für Internetsurfer ab einem bestimmten Datenvolumen zu drosseln. Wer für seinen Vertrag zuviel surft, wird auf eine Geschwindigkeit ausgebremst, die für moderne Online-Nutzung unbrauchbar ist. Der Bonner Konzern beschließt damit faktisch das Ende der sogenannten Internet-Flatrates.

Der Spott und die Empörung darüber ist verständlich und gerechtfertigt. Unerhört und an den Haaren herbeigezogen klingen die Argumente des Konzerns, die Verbraucher künftig auszubremsen. In den kommenden Jahren werde sich die Datenmenge in den Netzen vervierfachen, was einen Ausbau der Datenanschlüsse zur Folge habe. Und dieser Ausbau sei nicht zum Nulltarif zu erhalten, so die Argumentation des Konzerns.

Stimmt. Aber! Schon heute erhalten Kommunen, die noch nicht an ein Breitbandnetz angeschlossen sind, nur dann eine Chance auf schnelles Internet, wenn sich genügend Haushalte finden, die einen Anschluss bei dem entsprechenden Telekommunikations-Dienstleister nutzen möchten. Sind es zu wenige, muss die Kommune einen Teil der der Erschließung aus eigener Tasche finanzieren. Der Bund unterstützt diese Teilfinanzierung zusätzlich mit Fördergeldern. Gut für die Kommune, aber auch gut für die Telekom. Der Netzausbau wird also längst von den Menschen im Land bezahlt.

Zudem mahnen Branchenkenner seit Jahren die Telekommunikationsunternehmen, mehr in den Breitbandausbau zu investieren. Geschehen ist zu wenig. Deutschland hinkt in Sachen schnelles Internet anderen Industrienationen hinterher. Rendite war wichtiger als Investition in die Zukunft. Wenn jetzt die Leitungen knapp werden, ist das ein hausgemachtes Problem. Zu schade, dies auf dem Rücken der Verbraucher auszutragen, ist sich der Konzern leider nicht.

Ärgerlich ist die Argumentation des Unternehmens aber vor allem, weil es den wirklichen Grund für die Datendrosselung verschweigt. Mit dem Start ins Online-Zeitalter ist die Telekom ja nicht nur Anbieter von Datenleitungen. Über ihre Angebote wie T-Entertain verdient das Unternehmen längst als Lieferant von Inhalten Geld. Mit T-Entertain können Nutzer etwa fernsehen, Videos kaufen und leihen oder Fußball-Bundesliga schauen. Filme und Sendungen gelangen selbstverständlich digital, also über die gleichen Leitungen wie die Inhalte aus dem Internet in die Haushalte. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, seien ihre eigenen Angebote jedoch nicht von der Datendrosselung betroffen.

Mit anderen Worten: Während es für iTunes, Youtube oder Digital-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender (um nur einige Beispiele zu nennen) künftig eine Datenbegrenzung gibt, flimmern die Filme, die man bei der Telekom kauft, ungebremst durch die Leitungen. Damit verschafft sich der Konzern einen klaren Wettbewerbsvorteil. Wer einen T-DSL-Anschluss bucht, bucht künftig auch sein TV- oder Video-Programm in Bonn. Vor diesem Hintergrund wird auch klar, warum der Konzern nicht einfach die Preise erhöht. Wenn es nur um die Kosten für den Netzausbau ginge, wäre das ja eine Alternative gewesen.

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