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Pro: Die Riester-Rente ist besser als ihr Ruf

Dr. Stephan Fasshauer, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, möchte die Riester-Rente attraktiver und durchsichtiger machen.
Für Frauen und Menschen mit niedrigem Einkommen hat die Riester-Rente auch Vorzüge, sagt Stephan Fasshauer, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund. Foto: Franziska Koark

Die Riester-Rente wird immer wieder kontrovers diskutiert. Kritiker bemängeln hohe Verwaltungskosten und fehlende Transparenz. Ich bin überzeugt: Die Riester-Rente ist viel besser als ihr Ruf. Vor allem für Sparer mit kleinem Budget bietet sie klare Vorteile gegenüber anderen Anlageformen.

Geringverdiener und Familien mit Kindern profitieren besonders

Die Riester-Rente ist besonders auf Menschen mit geringem Einkommen und auf Familien mit Kindern zugeschnitten. Alle anderen staatlichen Förderungen für die Altersvorsorge wirken vor allem über die steuerliche Freistellung der Beiträge. Nicht so die Riester-Rente: Hier zahlt der Staat Zulagen an die Sparer. Dabei reicht schon ein kleiner Beitrag aus, um von der staatlichen Förderung zu profitieren. Gerade das macht die Riester-Rente so attraktiv. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Eine Familie mit einem sehr geringen Einkommen und zwei Kindern zahlt einen monatlichen Beitrag von fünf Euro ein und bekommt fast 800 Euro Förderung im Jahr.

Unsere Zahlen belegen: Die Förderung kommt bei Menschen mit kleinem Einkommen auch tatsächlich an. Über 55 Prozent der Menschen, die die Riester-Förderung bekommen, haben ein Einkommen von unter 30.000 Euro im Jahr, fast 40 Prozent verdienen sogar weniger als 20.000 Euro. Zum Vergleich: Das entsprechende durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei rund 35.000 Euro. Was vielen auch nicht bekannt ist: Frauen profitieren besonders von der Riester-Rente, weil ihre Einkommen oft niedriger sind als die der Männer und sie mehr Kinderzulage bekommen. Allein in die Kinderzulage bei der Riester-Rente fließen pro Jahr über 1,4 Milliarden Euro.

Riestern ist einfach

Ein weiterer Vorteil: Riestern ist einfacher als viele denken. Denn für den Antrag auf die staatliche Förderung braucht es nur wenige Schritte. Sie entscheiden sich für ein Produkt – beispielsweise für einen Fondssparplan oder für eine Versicherung. Dann füllen Sie den Antrag für die staatliche Zulage aus. Alle weiteren Aufgaben übernehmen die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen und Ihr Anbieter. Zu Veränderungen kommt es nur, wenn sich die Voraussetzungen ändern, beispielsweise wenn jemand ein Kind bekommen hat und deshalb eine Kinderzulage gezahlt wird. Der Vorwurf, diese Form der Vorsorge sei bürokratisch und kompliziert, ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt.

Produkte entwickeln sich weiter

Um die Riester-Rente für Anleger attraktiver zu machen, ist in den vergangenen Jahren schon Einiges geschehen: Bereits im Jahr 2008 wurde die Kinderzulage von 185 auf 300 Euro angehoben. Im letzten Jahr ist die Grundzulage von 154 auf 175 Euro gestiegen. Ein echtes Plus hat es auch für Berufseinsteiger gegeben, 200 Euro bekommen sie zusätzlich zur Grundzulage als Bonus einmalig zum Berufsstart. Zudem wurde für die zusätzliche Altersvorsorge ein Freibetrag für die Menschen eingeführt, die Grundsicherung im Alter beziehen. Damit hat man auf den Einwand reagiert, dass sich die zusätzliche Altersvorsorge nicht lohne, weil die Leistungen nur den Anspruch auf die Grundsicherung mindern würden. Auch das ist eine echte Verbesserung.

Deutsche Rentenversicherung hilft bei der Auswahl

Viele Menschen fühlen sich überfordert, wenn es um die eigene Altersvorsorge geht. Hier setzen wir als Rentenversicherung an: Wir informieren Interessierte kostenlos und neutral über die verschiedenen Vorsorgeformen in der Alterssicherung. Gemeinsam klären wir Fragen und erläutern Vorsorgeformen. Um zukünftig noch mehr Menschen zu erreichen, bauen wir unseren Service weiter aus. Zudem nutzen wir verstärkt die Medien, um gerade auch über die Vorteile der Riester-Rente aufzuklären und zu informieren. Wir möchten für das Thema Altersvorsorge sensibilisieren und den Menschen die Informationen bieten, mit denen sie die für sie passende Vorsorgeform finden.

Stephan Fasshauer ist Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund. Er hat in Würzburg Volkswirtschaftslehre studiert. Foto: Thomas Obermeier
Stephan Fasshauer
Stephan Fasshauer, Jahrgang 1973, ist in Pfäffikon in der Schweiz geboren. Ab 1993 hat er in Würzburg Volkswirtschaftslehre studiert und 2003 promoviert. Ab 1999 war er bereits Referent beim Verband Deutscher Rentenversicherungsträger. 2010 wurde er stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg. Seit 2017 ist er Mitglied des Direktoriums bei der DRV Bund.

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