Standpunkt: Wo der Frankenrechen hängt

Schon den rot-weißen Rechen gehisst heute, am Mast vor dem Haus die Frankenfahne hochgezogen? Für alle, die es noch nicht gemerkt haben: Heute, 2. Juli, ist der Tag der Franken. Heute flattert der „Fränkische Rechen“ im Wind, heute wird gefeiert. Ja, wo flattert er denn? Und was feiern wir eigentlich? Worauf können wir stolz sein?

Die Partei für Franken ist ein sehr überschaubarer Haufen geblieben. Der Fränkische Bund gibt immer mal wieder eine Pressemitteilung heraus und wettert gen München, die Bayern und deren Zentralismus. Dann haben wir noch den Frankenbund, der sich eher geräuschlos der Geschichte Frankens widmet, seiner Kunst und Kultur. Und schließlich gibt es noch die Fränkische Arbeitsgemeinschaft, die sich für ein starkes Franken einsetzt, für „das Land der Vielfalt“.

Darauf dürfen wir in der Tat stolz sein: die Vielfalt der Dialekte, der Konfessionen, der Gemeinden, der Landschaften, der regionalen Küche, der Weine und Biere. Eine köstliche Vielfalt, in der auch der Grund für Frankens Schwäche liegt. Es gab ihn nie, den fränkischen Staat, den Separatisten gerne ausrufen möchten. Es gab allenfalls einen losen Bund von Herrschaftsgebieten in fränkischen Landen. Die politische, räumliche und konfessionelle Zersplitterung machte es den Bayern leicht, Franken zu okkupieren. Wir Franken haben uns nie wirklich gegen die Vereinnahmung zur Wehr gesetzt. Selbstkritische Menschen wissen warum: Wir hatten und haben dem bayerischen Mia-san-mia-Selbstbewusstsein nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Es gibt sie nämlich bis heute nicht, die fränkische Identität. Und schieben wir das bitte nicht den bösen Bayern in die Schuhe. Wir müssten das fränkische Gemeinschaftsgefühl, wenn wir es denn wollten, schon selber entwickeln. Wer sind wir Franken eigentlich und was wollen wir?

Dieses Identität stiftende Gefühl entsteht nicht durch das Hissen des Frankenrechens. Auch nicht dadurch, dass wir Papierdeckchen im weiß-blauen Rautenmuster von den Biertischgarnituren verbannen und das Fernsehen ausschalten, wenn es mal wieder „Dahoam is dahoam“ heißt. Fränkische Identität entstünde eher schon durch Interesse an und intensive Beschäftigung mit Fakten über Franken und dessen Rolle in der Geschichte. Die Gründung des Fränkischen Reichskreises am 2. Juli 1500 ist beileibe nicht das einzige wichtige Datum.

Irgendwie schade, dass das Wissen um Franken nicht gerade ausgeprägt ist – aber auch wiederum nicht so tragisch. Ebenso wenig wie das ständige Motzen über „die in München“, die den Oberbayern das Geld nur so hinterherwerfen, während sie uns, die treuen Franken, quasi am ausgestreckten Arm verhungern lassen.

Unerklärlich, aber irgendwie lieben wir sie dann doch, wenn auch nur heimlich. Wie sie die schönen Dirndl und Lederhosen, die man jetzt immer öfter auch auf dem Kiliani-Fest und beim Altstadtfest in Zeil am Main sieht, zum Exportschlager gemacht haben. Wie sie uns immer wieder zeigen, wo wir „dahoam“ sind. Hünd' sind's halt, die Bayern, gell. Ab und an zeigen wir es ihnen auch. Wenn schon nicht, wo der Hammer hängt, dann wenigstens, wo die Frankenharke weht: unterm weißblauen Himmel.

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