Würzburg

Kommentar: Ein Jahr Corona: Impfstoffe sind ein Grund zur Zuversicht

Die Bilanz ist bedrückend: Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie ist die Bevölkerung ausgelaugt und frustriert. Doch es gibt Hoffnung, dass das Ende der Krise naht.
Impfstoffe gegen das Coronavirus geben Anlass zur Hoffnung, dass die Pandemie bald eingedämmt werden kann.
Foto: Peter Kneffel, dpa | Impfstoffe gegen das Coronavirus geben Anlass zur Hoffnung, dass die Pandemie bald eingedämmt werden kann.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr meldete das Würzburger Gesundheitsamt die ersten beiden Corona-Fälle in der Region. Ein junges Pärchen, gerade aus Italien zurückgekehrt, trug das Virus in sich. Seitdem wirbelt Sars-CoV-2 unseren Alltag in einem Ausmaß durcheinander, wie es sich wohl niemand hatte vorstellen können. Das Coronavirus hat die westliche Welt in ihre größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt.

Die Pandemie-Bilanz ist bedrückend. Das Sterben ist mit Wucht zurück in unser Leben gekehrt. Allein in Unterfranken sind rund 1200 Menschen bislang an oder mit Corona gestorben. In Deutschland sind es etwa 70 000. Und das Sterben geht immer weiter, jeden Tag. Die nüchternen Opferzahlen werden mittlerweile ähnlich emotionslos zur Kenntnis genommen wie die Pegelstände des Mains bei Hochwasser.

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Der Gewöhnungseffekt lässt uns leicht vergessen, dass sich hinter der Statistik erschütternde Einzelschicksale verbergen: Es sind Mütter, Väter, Brüder, Schwestern, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen, die durch Covid-19 aus dem Leben gerissen werden. Deshalb ist die geplante öffentliche Trauerfeier für die Pandemie-Opfer am 14. April ein wichtiges Zeichen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam trauern und die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen.

Bundesgesundheitsminister Spahn: "Wir werden verzeihen müssen"

Die vielleicht bemerkenswerteste Erkenntnis des Corona-Jahres lieferte Gesundheitsminister Jens Spahn schon zu einem frühen Zeitpunkt der Krise: "Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen", prophezeite er im April vergangenen Jahres. Spahn sollte Recht behalten. Die Kritik an der Corona-Politik von Bund und Ländern wächst seit Wochen. Eine Mehrheit der Bundesbürger (59 Prozent) hält einer Umfrage zufolge die in dieser Woche beschlossenen Maßnahmen für verwirrend. Besonders die Impfstoff-Politik stößt in der Bevölkerung auf Kritik und Unverständnis.

Die Unzufriedenheit mit den politisch Verantwortlichen ist begründet. Doch es gibt mildernde Umstände. Weltweit stellt Sars-CoV-2 die Regierungen vor nie dagewesene Herausforderungen. Kein demokratisches Land hat bislang ein Rezept gefunden, um die Krise nachhaltig erfolgreich zu bekämpfen.

Basler Zeitung: "Das Hin und Her spaltete die Gesellschaft"

Die Probleme ähneln sich überall. Das zeigt zum Beispiel ein Blick in die Schweiz. Die "Basler Zeitung" bezeichnete 2020 als "das Jahr der gescheiterten Politik". Ein einheitliches Schutzkonzept für Senioren liege bis heute nicht vor. Die teure Contact-Tracing-App funktioniere nicht. Nach der ersten Welle habe der Bundesrat ein halbes Jahr Zeit gehabt, sich auf den Herbst vorzubereiten – nichts sei passiert. "Das ständige Hin und Her mit den Verschärfungen der Maßnahmen spaltete die Gesellschaft und ritzte an der Solidarität der Menschen, die genug haben von Corona."

Die gesundheitlichen, sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind derzeit allenfalls in groben Umrissen erkennbar. Wird das Ende der Pandemie für uns zu einem bösen Erwachen? Wie verändert sich die Gesellschaft? Werden wir mit Mut und Entschlossenheit die vor uns liegenden Probleme anpacken? Erleben wir einen kulturellen Wandel, der viele bisherige Gewissheiten verschwinden und Neues entstehen lässt?

Im Moment fehlt den meisten Menschen Fantasie und Energie, um sich intensiver mit solchen Fragen zu befassen. Sie sind desillusioniert, zermürbt und frustriert nach der langen Zeit der Einschränkungen. Nach wie vor gilt das Prinzip "Auf Sicht fahren". Doch es gibt Grund zur Zuversicht. Wir haben die Impfstoffe. Und damit eine realistische Chance, das Virus in den Griff zu bekommen. Ein paar Monate werden wir allerdings noch durchhalten müssen.

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