Würzburg

Mit den Fans kommt die Wende für die Wölfe

TuS Ferndorf - DJK Rimpar Wölfe, 26.05.2017       -  Rimpars Benjamin Herth (Mitte) wird von den Ferndorfern Michelin Celestin (links) und Tim Sartisson in die Zange genommen.
Foto: Reinhold Becher | Rimpars Benjamin Herth (Mitte) wird von den Ferndorfern Michelin Celestin (links) und Tim Sartisson in die Zange genommen.

Eines ist es in dieser Saison mit den Zweitliga-Handballern der DJK Rimpar Wölfe garantiert noch nie gewesen: langweilig. Zum Auftakt hatte die Mannschaft wegen einer Zugpanne ihren ersten Spielort Wilhelmshaven nicht erreicht; kurz vor Ende der Saison verhinderte ein verunfallter Bierlaster auf der A3, dass ihre Fans rechtzeitig zum Anpfiff des vorletzten Auswärtsspiels am Freitagabend beim TuS Ferndorf eintrafen.

Auch ohne anfängliche Unterstützung der 40 Anhänger gerieten die Wölfe beim Absteiger im Siegerland nicht unter die Räder: Sie landeten dank einer Aufholjagd nach der Pause einen 29:26 (12:16)-Pflichtsieg, zogen zumindest für eine Nacht wieder am TV Hüttenberg vorbei auf Rang zwei und haben damit im dramatischen Rennen um die Aufstiegsplätze hinter Meister TuS N-Lübbecke für diesen Moment die Pole Position inne.

Handball mit Herz nach der Pause

„Wir haben in der ersten Halbzeit zu viel gedacht“, sagte der nach dem Abpfiff völlig unter Strom stehende DJK-Chefcoach Matthias Obinger. „In solchen Spielen aber musst du einfach machen und mit Herz Handball spielen. Das ist uns zum Glück nach der Pause noch gelungen.“

Als der Rimparer Mannschaftsbus gegen 17.30 Uhr an der Dreifachhalle am Schulzentrum Kreuztal in Ferndorf ankam, stand der Fanbus noch auf der A3 bei Helmstadt. Ein Lkw vollgepackt mit Paulaner-Bierkisten hatte gegen 15.30 Uhr einen Großteil seiner prozentigen Fracht verloren und einen Stau ausgelöst, in den die Anhänger kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn geraten waren.

Eine unfreiwillige Pause

Bis die Feuerwehr eine Spur für den Verkehr wieder freimachen konnte, dauerte es rund zwei Stunden. Die in ihrer optimistischen Stimmung von nichts abzubringenden Anhänger nutzten die unfreiwillige Pause unter anderem, um ihrem Team via Facebook die besten Wünsche fürs Spiel zu senden. Um 17.43 Uhr passierte der Fanbus dann unter dem Jubel der Wolfsrudel-Nachhut die Unglücksstelle mit Tausenden Flaschen auf der Fahrbahn – da hatten sie noch 230 Kilometer vor sich. Na denn, Prost!

Es blieb aus Sicht der Rimparer zum Glück der einzige Unfall an diesem Freitagabend. Die Mannschaft fuhr beim Tabellendrittletzten einen lange umzitterten Erfolg ein. „Wir schauen, dass wir bis zur Halbzeit gut dabei sind und dann mit euch in der zweiten Hälfte durchstarten“, hatte Co-Trainer Josef Schömig kurz vor dem Anpfiff noch den Fans ausrichten lassen, die in der Pause in Ferndorf eintrafen. Da lagen ihre Wölfe mit 12:16 Toren zurück.

Saftige Kabinenpredigt

Wie schon in der vergangenen Saison, fast genau vor einem Jahr, erwischten die Unterfranken im Siegerland einen Fehlstart (3:6, 11.). Patrick Schmidt mit vier und Jan Schäffer mit zwei Treffer brachten ihre Mannschaft zunächst wieder in Schlagdistanz (7:8, 14.). In der 17. Minute nahm Obinger seine erste Auszeit. Er hätte seinen Spielern Zielwasser verbreichen sollen. Denn während fast jeder Ferndorfer Angriff mit einem Tor endete, scheiterten die Rimparer häufig an TuS-Keeper Lucas Puhl; er parierte in der ersten Halbzeit auch zwei Strafwürfe von Schmidt.

Die Gastgeber verwandelten im ersten Abschnitt indes alle ihre sechs Würfe vom Punkt – allein die Anzahl spricht gegen die Abwehr der DJK, die sich im Angriff zwölf Fehlwürfe bis zur Pause leistete. Die Gäste blieben knapp acht Minuten lang ohne Treffer, ehe Dominik Schömig zum 8:10 traf. Eine Überzahlsituation verloren die Wölfe anschließend 1:2. In der Folge gerieten sie mit 9:15 (28.) in Rückstand. Böse Erinnerungen an den 13. Mai 2016 wurden wach.

Doch mit den Fans kam die Wende. Und nach einer saftigen Kabinenpredigt von Obinger. „Wir haben Tacheles geredet“, berichtete Kapitän Stefan Schmitt – „allen voran unser Trainer.“ Nach dem Seitenwechsel verkürzten die Grün-Weißen den Abstand zunächst auf zwei Treffer, in der 41. Minute stellte Julian Bötsch mit einem Treffer ins verwaiste Ferndorfer Gehäuse den ersten Ausgleich seit Spielbeginn her: 18:18. Kurz darauf gelang dem bestens aufgelegten Lukas Böhm in Unterzahl die erste Führung. 21:20 (44.).

Showdown gegen Hüttenberg am Samstag

In der Schlussviertelstunde drückten die Rimparer vorne endgültig aufs Gas und bremsten hinten die Ferndorfer viel besser aus, obwohl diese mit dem siebten Feldspieler agierten. Auch Rimpars Keeper Max Brustmann parierte wichtige Bälle. Als Steffen Kaufmann zum 24:21 getroffen hatte (51.), stimmten die DJK-Anhänger ihr Lieblingslied an: „Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende für die erste Liga, DJK!“ Bei ihnen bedankte sich die Mannschaft umgehend und noch minutenlang nach dem Abpfiff. „Diesen Sieg scheibe ich unseren Fans zu“, sagte Leitwolf Schmitt.

Nächsten Samstag (18 Uhr, s.Oliver Arena) empfangen die Rimparer den TV Hüttenberg, der an diesem Samstag im direkten Duell an der Spitze die SG BBM Bietigheim zu Gast hat. Für den mit Spannung erwarteten Showdown, der im glücklichsten aller Fälle schon mit dem Aufstieg für die Wölfe enden könnte, scheint zumindest eines garantiert zu sein: Langweilig wird?s nicht.

TuS Ferndorf –

DJK Rimpar Wölfe 26:29 (16:12)

Ferndorf: Puhl (1.-40.), Rottschaefer (41.-60.) – John 2, L. Sorg 4, M. Sorg, Celestin 5, Michel 3, Bettig, Neuteboom, Volentics 2, Schneider 7/6, Barwitzki 3, Kastening, Sartisson.

Rimpar: Brustmann (1.- 60., 1 Tor), Wieser (n.e.) – Kraus 1, Schmitt 1, Schömig 1, Böhm 3, Bötsch 1, Schäffer 4, Schmidt 6/1, Kaufmann 6, Siegler, Brielmeier 3, Herth 1, Sauer 1.

Spielfilm: 2:0 (3.), 6:3 (11.), 10:7 (18.), 13:9 (25.), 15:9 (28.), 15:11 (29.), 16:12 (HZ), 16:14 (32.), 18:18 (41.), 20:21 (44.), 20;23 (47.), 21:25 (52.), 24:27 (56.), 26:29 (Endstand).

Siebenmeter: 7/6 – 3/1.

Zeitstrafen: 3:2.

Schiedsrichter: Fabian vom Dorff/Christian vom Dorff (Kaarst).

Zuschauer: 687.

Themen & Autoren / Autorinnen
Würzburg
Rimpar
Natalie Greß
Jörg Rieger
DJK Rimpar Wölfe
Herz
Kaufmann
TV 05/07 Hüttenberg
TuS N-Lübbecke
Wölfe
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!