Der Leseranwalt: Ein Christ, der Glaubensinhalte bibelkonform haben will

Mir gefallen die gehäuften, manchmal ganzseitigen antichristlichen Berichte nicht.“ Mit diesen Worten bestellt ein Leser die Zeitung ab. Nur manchmal werde in einer kleinen Ecke etwas über den Glauben verlautbart, fährt er fort, aber es komme vor, dass auch das nicht bibelkonform sei. Er wisse, dass wir in einer Demokratie mit Glaubensfreiheit leben, aber die Berichte dieser Zeitung über den christlichen Glauben seien mit zu viel Zeitgeist gefüllt und damit eindeutig zu antichristlich. Er könne als Christ eine solche Zeitung nicht akzeptieren.

Warum ist Zeitgeist antichristlich, frage ich mich und was macht unsere Redaktion falsch? Zumindest wird hier fast alles berichtet, was christliches und kirchliches Leben ausmacht, vor allem aus unserer Region. So viel, dass auch dagegen Kritik laut wird. Sie lesen über Kirchenjubiläen, Priesterweihen, Pfarrgemeinderatswahlen, kirchliche Feste, Kirchen-Renovierungen oder Worte des Bischofs. Diese Inhalte überwiegen in der Berichterstattung über die Kirchen. Die Redaktion missioniert dabei natürlich nicht. Sie lässt auch Zeitgeist gelten. Der ist eben Realität, ebenso wie unterschiedliche Bibelauslegungen.

Also erfahren Leser hier auch etwas über Kritiker der Kirchen und deren Anschauungen. Das heißt nicht, dass die Redaktion deren Meinungen teilt. So empfehle ich die Berichterstattung über andere Meinungen christlicher Toleranz.

Ich denke, wer sich mit Kritikern auseinandersetzt, der profitiert davon und entwickelt sich weiter. Das wissen die christlichen Kirchen, die im Guten und im Schlechten unbestritten Teil unserer Kultur sind. Freilich steht nicht jeder Gläubige und Würdenträger eine offene Haltung gegen Andersdenkende durch, wenn er seine Grundsätze angegriffen sieht.

Ich versuche das zu verstehen, stelle aber auch fest, dass Pressefreiheit bei allem Respekt auch gegenüber der Bibel gilt. Selbst den Inhalten dieses Buches der Bücher, ist kein Medium verpflichtet. Ich berufe mich ergänzend auf das Grundgesetz, auf Artikel 3, Absatz 3. Dort steht auch geschrieben, dass niemand wegen seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Oder ich erinnere an Artikel 4, der die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses als unverletzlich bezeichnet. Das alles gilt nicht nur für die christlichen Kirchen.

So toleriere ich die Abbestellung des Mannes. Sie regt zur Nachdenklichkeit an und zur Auseinandersetzung mit anderen Anschauungen oder mit der Arbeit einer Redaktion. Gelegenheit auch, dem Abbesteller, allen Christen und überhaupt allen Menschen, frohe Weihnachten und stetige Bereitschaft zur Versöhnung zu wünschen. Das meine ich ehrlich. Es ist nicht nur Zeitgeist.

Rückblick

  1. Eine Beteiligte hat berichtet
  2. Vorbildfunktion in eigener Verantwortung
  3. Wichtig: Vor der Verbreitung von Kinderbildern
  4. Raser und ihre Fahrzeuge
  5. Gegen einen Nazi-Vergleich und eine Verschwörungstheorie
  6. Nebelschwaden im szenischen Einstieg
  7. Was nicht berichtet wurde
  8. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  9. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  10. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  11. Fotografierte Zeitgeschichte
  12. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  13. Persönlichkeitsschutz verletzt
  14. Empfehlung für mehr Transparenz
  15. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  16. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  17. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  18. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  19. Niemand muss anonym informieren
  20. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  21. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  22. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  23. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  24. Die Straftat und der Verdacht
  25. Kräftige Worte von Marcel Reif
  26. Das war keine Würdigung
  27. Das Missverständnis mit der Zensur
  28. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  29. Meinungen ertragen lernen
  30. Keine Schablone über Redaktionen legen
  31. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  32. Konzeptionelles Nachdenken
  33. Amtsperson war früher
  34. Fußball kann man überblättern
  35. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  36. Falsche Tatsache im Leserbrief
  37. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  38. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  39. Geschmackssache: Foto von Merz
  40. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  41. Ungleichgewicht in Zahlen
  42. Nachgeholte Berichtigungen
  43. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  44. Ein Plädoyer für Transparenz
  45. Verpixeln oder nicht?
  46. Heiße Tage und Nächte
  47. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  48. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  49. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  50. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis

Schlagworte

  • Leseranwalt
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte vorher an.

Anmelden

Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich hier registrieren.