WÜRZBURG

Die Abkürzung für eine Nachrichten-Agentur genügt nicht immer der notwendigen Quellenklarheit

Was sagt Ihnen die Abkürzung KNA? Von einem KNA-Mitarbeiter war am 9. April ein Beitrag zum Laizismus, „Trennung von Staat und Kirche?“, veröffentlicht. Für deren klare Trennung steht Laizismus. Und der KNA-Mann hat von Stimmen in Parteien berichtet, die sie strikter vollzogen wissen wollen.

Gefehlt hat die Auflösung der Abkürzung. Steht KNA doch für Katholische Nachrichten-Agentur, einer etablierten katholischen Fachagentur (siehe: www.kna.de), die viele deutsche Medien nutzen, so auch diese Zeitung. KNA-Mehrheitsgesellschafter ist der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD). Anteile halten Verlage des Katholischen Medienverbandes und der Caritasverband.

Das Bemühen um Ausgewogenheit ist im Laizismus-Text erkennbar. Seiner Einordnung hätte es aber gedient, über die Abkürzung hinaus den Absender zu erfahren.

Die von Lesern vielfach kritisierte Illustration des Laizismus-Textes mit Bildern von Stalin, Hitler und Mao ist allerdings eine Entscheidung der Redaktion dieser Zeitung. Die wollte den KNA-Beitrag attraktiver präsentieren, brachte ihn dabei optisch in eine Schräglage. Die Konterfeis beziehen sich auf eine Aussage des SPD-Politikers Wolfgang Thierse, der mit Hinweis auf die drei Verbrecher festgestellt hat, dass Religionslosigkeit auch gefährlich sein könne. Das war aber lediglich ein Randaspekt. Für oberflächliche Leser konnte über die Bilder jedoch der Eindruck entstehen, Laizismus solle gebrandmarkt werden. Folglich halte auch ich die Präsentation der Diktatoren zu diesem Text über die Laizismus-Debatte von Demokraten für unpassend.

Ebenfalls von Lesern kritisiert wurde – auch aus meiner Sicht zu Recht –, die Überschrift „Trennung von Staat und Kirche?“ Sie stellt infrage, was in Deutschland im Wesentlichen als vollzogen gilt und trifft nicht konkrete Inhalte der Debatte. Verantwortlich für den Titel ist ebenfalls nicht die KNA, sondern auch die Redaktion. – Es gibt viele aufmerksame Leser. Dennoch sollten Journalisten Unklarheiten nicht aufkommen lassen.

Der Vollständigkeit halber stelle ich hier noch fest, dass zu den von dieser Zeitung genutzten Agenturen auch der epd (Evangelischer Pressedienst) zählt, dessen Herausgeber das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, eine gemeinnützige GmbH, ist (siehe: www.epd.de). Die epd ist ebenfalls etabliert und wird von sehr vielen Medienhäusern bezogen.

KNA und epd stehen für journalistische Sorgfalt und Wahrhaftigkeit. Das Beispiel aber zeigt, das es manches Mal für Quellenklarheit mehr als einer Abkürzung bedarf.

Leseranwalt
Leseranwalt Anton Sahlender.

Rückblick

  1. Gegen einen Nazi-Vergleich und eine Verschwörungstheorie
  2. Nebelschwaden im szenischen Einstieg
  3. Was nicht berichtet wurde
  4. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  5. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  6. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  7. Fotografierte Zeitgeschichte
  8. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  9. Persönlichkeitsschutz verletzt
  10. Empfehlung für mehr Transparenz
  11. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  12. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  13. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  14. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  15. Niemand muss anonym informieren
  16. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  17. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  18. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  19. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  20. Die Straftat und der Verdacht
  21. Kräftige Worte von Marcel Reif
  22. Das war keine Würdigung
  23. Das Missverständnis mit der Zensur
  24. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  25. Meinungen ertragen lernen
  26. Keine Schablone über Redaktionen legen
  27. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  28. Konzeptionelles Nachdenken
  29. Amtsperson war früher
  30. Fußball kann man überblättern
  31. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  32. Falsche Tatsache im Leserbrief
  33. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  34. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  35. Geschmackssache: Foto von Merz
  36. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  37. Ungleichgewicht in Zahlen
  38. Nachgeholte Berichtigungen
  39. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  40. Ein Plädoyer für Transparenz
  41. Verpixeln oder nicht?
  42. Heiße Tage und Nächte
  43. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  44. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  45. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  46. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  47. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  48. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  49. Aufgeklebte Werbung einer Partei
  50. Reichweite ist nicht alles

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