LESERANWALT

Disskussionsmüll vermeiden

Spamming
Spamming wird zum digitalen Diskussionsmüll

Ein Herr F. aus Würzburg, nach eigenen Angaben erst Zeitungleser, seit einem Jahr nur noch Nutzer von mainpost.de, stellt mir Fragen. Grund: Er ist von der Redaktion gesperrt worden, darf im Forum nicht mehr digital mitkommentieren. Das wurde ihm schon mitgeteilt. Zuvor hatte er, so seine eigene Beschreibung, als eifriger Schreiber oft täglich mindestens einen Kommentar dort hinterlassen. Das versucht er weiterhin. Nun ohne Erfolg. Als ich der Sache nachging, wurde ich auf ein weiteres Problem im Kommentar-Forum aufmerksam gemacht: Das "Spamming".

 

Auf dem Boden des Grundgesetzes

Zunächst zu Herrn F., der nach seiner Sperre von mir wissen will: „Hat es einen Zensurbeschluss für das Forum gegeben?“ Er selbst ordnet seine Kommentare, die zur Sperrung geführt haben, so ein: Ihr Tonfall sei oft etwas schärfer und er halte mit seiner klaren Meinung nicht hinterm Berg. Niemals habe er einen anderen Schreiber persönlich beleidigt oder diffamiert. Er meint, dass das leider bei „Nutzern aus der linksgrünen Ecke“ gelegentlich vorkomme und doch veröffentlicht werde. Er selbst habe sich immer auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt.

 

Zensurbeschlüsse gibt es nicht

Ich antworte, dass nicht erst zum schlimmsten Fall, einem Verstoß gegen Grundrechte kommen muss. Es gilt aber für Redaktionen ständig darauf zu achten, dass die Hygiene im Kommentarforum stimmt. Das kommt allen Diskussionsteilnehmern zugute. Zensurbeschlüsse gibt es keine und es hat nie welche gegeben. Was es aber schon frühzeitig gab, sind Regeln für die Hygiene, festgehalten in einer „Netiquette“ (siehe Anhang am Ende des Beitrages), die man nachlesen sollte, bevor man digital kommentiert. Dort wird um eine faire Diskussion sowie eine akzeptable und respektvolle Wortwahl gebeten. Untersagt sind rassistische Äußerungen, das Austragen persönlicher Streitigkeiten zwischen zwei oder mehreren Nutzern. Eine Regel, die auch für Leserbriefautoren gilt. Notwendiger sind die Regeln allerdings in der digitalen Welt, wo der Ton rauer ist, schon ob der Möglichkeit schnell mal etwas zu kommentieren. Das geschieht dann oft spontan, ohne sich lange mit Gedanken über die gebrauchten Worte aufzuhalten.

 

Andauernd ausländerfeindlich

Nach mehreren Verstößen und Vorwarnungen, wurde F. von den Verantwortlichen der Online-Redaktion gesperrt. Sie hielt die Kommentare von Herrn F., ob andauernder offensichtlicher Ausländerfeindlichkeit, im Sinne ihrer Netiquette für nicht mehr akzeptabel. Herr F. selbst meint dagegen, er habe “nie pauschal Ausländer verunglimpft“. Was er grundsätzlich sehr scharf verurteile sei „die seit 2015 stattfindende illegale massenhafte Einwanderung von zumeist völlig unqualifizierten Muslimen.“ Im Gegenzug habe er sich mehrfach „für ein vernünftiges Einwanderungssystem nach kanadischem oder australischem Vorbild“ ausgesprochen.

 

"... ein Messer im Bauch"

Erkennbar werden freilich andere Kommentare. Hier eine Auswahl: "Auch wenn ich nie Ihrer Meinung bin, so hoffe ich trotzdem für Sie, dass Sie niemals auf eine der in unseren Medien sogenannten 'Männergruppen' treffen werden. Da reicht nur ein schiefer Blick oder ein unbeabsichtigter Rempler und Sie haben ein Messer im Bauch. So ist das neue schöne bunte Deutschland." / "Der geballte Einschüchterungsdruck durch Merkel und ihre Blockparteien war wohl zu groß. Oder sie hatten Angst, dass ihnen irgendeine rote SA noch die Bude abfackelt." / "Danke, Frau Merkel, für die vielen "Fachkräfte" die Sie uns beschert haben." (Kommentar auf Vereitelung eines Anschlags in Berlin) / "Das Messer gehört zu Deutschland." (Kommentar zu Messerattacke eines 21-Jährigen ohne Nationalitätennennung) / "Im christlichen Abendland gab es das Zeitalter der Aufklärung, welches maßgeblich für unsere heutige kulturelle Prägung verantwortlich ist. Im Islam gab es das nicht. Die sind geistig größtenteils immer noch im Mittelalter." / "Der Täter kommt aus dem Niger, nur so zur Information." / "Seit 2015 sind neue dubiose Hilfsorganisationen wie die Pilze aus dem Boden geschossen. Kaum sitzen die Afrikaner und Araber in ihren Booten, schon werden sie 'gerettet' und nach Europa gebracht. Diesem Schlepperunwesen unter humanitärem Deckmantel sollte schnell ein Ende gesetzt werden."

 

Zerstörung der Diskussion

So meine ich, nach einer Gesamtbetrachtung der Kommentierungen von Herrn F., dass die Redaktion mit der Sperrung richtig entschieden hat. Erschwerend hinzu kommt, dass - wie bereits angekündigt - über Herrn F. eine weitere unangenehme Erscheinung erkennbar wird, die häufig auftritt, die aber kaum von links oder von Grün kommt: Das Spamming. Es treffen fünf bis zehn gleichlautende Kommentare am selben Tag ein, das zum Teil mehrfach unter dem gleichen Artikel. Damit trägt auch Herr F. zur Zerstörung jeder Form von Diskussion bei. Darauf wurde er mehrfach erfolglos hingewiesen.

Diese zerstörende Erscheinung, das Spamming, ist aber schon in der Netiquette angesprochen. Darin bezeichnet man so das massenhafte, die Diskussionsplattform blockierende Einstellen von Beiträgen. Auch das ist nicht erlaubt. Das schreckt andere Kommentatoren ab, müllt das Forum zu.

Herr F. kommentiert unbeeindruckt weiter. Ob das die Zeit seiner Sperrung verkürzt, wird auch daran zu messen sein.

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch: www.vdmo.de

HIER DIE NETIQUETTE FÜR MAINPOST.DE

Netiquette

  • mainpost.de bittet alle Verfasser von Kommentaren um eine faire Diskussion sowie eine akzeptable und respektvolle Wortwahl.
  • Nicht geduldet werden verbale Angriffe auf andere Benutzer sowie die Nennung oder die Dokumentation privater Details aus dem Leben anderer Nutzer.
  • Kommentare auf mainpost.de sind nicht von Gesetzen entbunden. Es darf weder zu Straftaten aufgerufen, noch dazu angeleitet werden.
  • Beim Kommentieren werden Pseudonyme, auch Nicknames genannt, akzeptiert. Allerdings gelten natürlich auch hier Regeln (keine ehrverletzenden, beleidigenden oder hetzerischen Nicknames).
  • Bitte veröffentlichen Sie keine privaten Telefonnummern oder Adressen in den Kommentaren. Derlei Infos können per E-Mail ausgetauscht werden.
  • Ironie oder ähnliche Stilmittel erhöhen die Gefahr eines Missverständnisses.
  • Auch im Internet gelten die Regeln der deutschen Rechtschreibung. Korrekte Interpunktion und Absätze erleichtern das Lesen eines Kommentars.
  • Kommentare sind nicht für die Verbreitung kommerzieller Werbung vorgesehen. Beiträge dieser Art werden von uns gelöscht.

Nicht erlaubt sind insbesondere:
  • beleidigende und verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Beiträge
  • Aufrufe zu Gewalt
  • rassistische Äußerungen
  • pornographische Äußerungen
  • die Verbreitung von Inhalten, mit denen zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufgerufen wird oder mit denen Propaganda für eine verfassungsfeindliche Organisation betrieben wird
  • sonstige gegen die guten Sitten verstoßende und andere rechtsverletzende Äußerungen
  • die Störung des Diskussionsfriedens, z. B. durch Schaffen von Feindseligkeiten
  • das Austragen persönlicher Streitigkeiten zwischen zwei oder mehreren Nutzern
  • die Verletzungen des Urheberrechts, z. B. durch Einstellen urheberrechtlich geschützter Werke ohne Zustimmung des Urhebers
  • die Nutzung des Forums zu kommerziellen Zwecken
  • Spamming, d. h. das massenhafte, die Diskussionsplattform blockierende Einstellen von Beiträgen
  • Kommentare, die nichts mehr mit dem eigentlichen Thema des jeweiligen Beitrags zu tun haben

In den Kommentaren dürfen Links gesetzt werden, um auf andere Websites zu verweisen. Es darf allerdings nicht auf Seiten verwiesen werden, die gegen bestehende Gesetze verstoßen, insbesondere rassistischer, gewaltverherrlichender, beleidigender, ruf- und/oder geschäftsschädigender, pornographischer oder gegen die guten Sitten verstoßender Art sind oder die andere Nutzer oder die Main-Post schädigen können, z. B. durch Viren.

ENDE

Rückblick

  1. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  2. Ein Plädoyer für Transparenz
  3. Verpixeln oder nicht?
  4. Heiße Tage und Nächte
  5. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  6. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  7. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  8. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  9. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  10. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  11. Aufgeklebte Werbung einer Partei
  12. Reichweite ist nicht alles
  13. Lehren für den Journalismus
  14. Kritikwürdiges Boulevardstück
  15. Analysen sind Meinung
  16. Wer hat hier Kummer mit wem?
  17. Treffende Argumente statt zuspitzender Worte
  18. Die überflüssige Ohrfeige
  19. Wenn Söder im Bericht plötzlich ätzt
  20. Der verbrämte Nazi-Vergleich
  21. Worte an WM-Desinteressierte
  22. Herkunft von Nachrichten offenlegen
  23. Kreuzerlass: Vorwurf einer falschen Behauptung
  24. Versuchte Einschüchterung
  25. Keine mildernden Umstände für ängstlichen Leser
  26. Disskussionsmüll vermeiden
  27. Wider höfliche Antwort-Phrasen
  28. Trotz Kürzung: Kern der Nachricht blieb
  29. Fragen und Antworten, die Fragen aufwerfen
  30. Die "Kastelruther Spatzen" und die Banalität
  31. Es ist sinnvoll, in öffentlichen Veranstaltungen Medienvertreter zu begrüßen
  32. Liefern Journalisten nur das, was Konsumenten haben wollen?
  33. Leserbriefe stärken den demokratischen Diskurs
  34. Ausweis für die besondere Rolle in der Demokratie
  35. Beiträge über Dorothee Bär gefährden keine Überparteilichkeit
  36. Pause zur Entspannung
  37. Technologische Risiken und Nebenwirkungen für das Gemeinwesen
  38. Quellenangaben gegen Fakes
  39. Unfall: Verharmlosende oder spaßige Überschrift vermeiden
  40. Die neue Lebensgefährtin ist nun als Nachricht durch
  41. Enttäuschung und Erwartung am Jahresende 2017
  42. Der Leseranwalt: Journalisten sollten nicht nur zu Ihnen reden, sondern auch mit Ihnen
  43. Zeit für Gespräche mit dem Publikum nehmen
  44. Journalistischer Respekt vor demokratischer Entscheidung
  45. Die Herausforderung: Vom Streit zum Dialog
  46. Rathaus kann Leserkritik nicht aushebeln
  47. Vertrauen einer Leserin enttäuscht
  48. Am Ende der Warteschleife ist Empathie gefragt
  49. Was Auszeichnungen und Fehler verbindet
  50. Transparenz: Baustein für Glaubwürdigkeit

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