LESERANWALT

Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung

Parteiveranstaltung mit Presse
Öffentliche Veranstaltung. Merke: Die Presse ist dabei ... nur mal schnell skizziert...

Aus aktuellem Anlass und nicht zum ersten Mal der wichtige Hinweis: Wer sich auf eine öffentliche Veranstaltung begibt, noch dazu eine öffentliche politische Versammlung, muss damit rechnen, dass er von der Presse und anderen Medien in diesem Zusammenhang aufgenommen und im Bild veröffentlicht wird. Das gilt somit sogar bereits vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung und geht zurück auf Paragraph 23, Abs. 1 und 3 des Gesetzes betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie, kurz KUG.

 

Paragraph 23 KUG

Im Paragraph 23 des KUG steht: Ohne Einwilligung "dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden, Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte" (Abs.1) "und Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben" (Abs. 2). Dieser Paragraph zeigt die Ausnahmen von Paragraph 22 auf, der grundsätzlich für den Alltag festhält: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“

 

Unangenehme Bilder

An die genannten Paragraphen erinnere ich, weil es nicht selten vorkommt, dass Leute zum Beispiel im direkten Umfeld von öffentlichen Partei-Veranstaltungen medial sichtbar und erkennbar sind. Das ist nicht jeder abgebildeten Person auch angenehm. Mehrfach habe ich das registrieren müssen, speziell als es um die AfD ging. Belastend wirkt das gerade dann, wenn Betroffene von Dritten kritisch darauf angesprochen werden oder es gar zu Anfeindungen kommt, wie es ein Leser bei mir beklagt hat.

 

Informationsbesucher

Dabei kann man bekanntlich öffentliche Partei-Ereignisse doch auch dann besuchen, wenn man sich nur mal informieren will. Dazu muss man nicht die Gesinnung der veranstaltenden Gruppierung teilen. Das sollten alle die bedenken, die meinen, den abgebildeten Personen zu nahe treten und sie zur Reden stellen zu müssen.

Andererseits sollte jede/r Besucher/in parteipolischer oder polarisierender Veranstaltungen lernen, mit ihrer/seiner Identifizierbarkeit umzugehen. Fotografisch darf die nur in einem nachvollziehbaren Kontext mit der Veranstaltung auftreten, nicht etwa als einfach irgendwie mal individuell herausgepickte Person. Und wer nicht prominent ist und nicht als Redner oder aus anderem Grund im Mittelpunkt steht, der muss sich auch die Nennung seines Namens nicht gefallen lassen.

 

Zeitgeschichte

Kein Zweifel besteht darüber, dass öffentliche Veranstaltungen politischer Parteien Zeitgeschichte darstellen, mindestens lokale. Das rechtfertigt deren Darstellung in lokalen Medien, aber nicht unbedingt immer eine komplette digitale Verbreitung, die sie gleich weltweit zugänglich macht. Das ist ist dann zuweilen in dieser Dimension mit öffentlichem Intersse nur schwer vereinbar. Dieser Punkt ist gemäß in den  Leitlinien für die Redaktionen dieser Zeitung unter anderem sinngemäß auch als Anmerkung festgehalten. Denn eine gedruckte Lokalausgabe ist nur eingeschränkt zugänglich. Ganz anders die digitale.

Frühere ähnliche Leseranwalt-Kolumnen:

"Das geht zu weit: Kräftiger Polizist erkennbar im Bild" (2008)

"Achtung: Menschen können auch mit verpixelten Gesichtern noch erkennbar bleiben" (2016)

"Warum Polizeibeamte von der Redaktion unkenntlich gemacht wurden" (2015)

"Sagen Sie es Journalisten, wenn Sie in deren Berichterstattung nicht erkennbar sein wollen" (2013)

"Auch Unfall-Gaffer haben ein Recht am eigenen Bild" (2017)

"Es ist sinnvoll, bei öffentlichen Veranstaltungen Medien-Vertreter zu begrüßen" (2018)

"Informationen für Leute, die ihr Bild nicht in der Zeitung sehen wollen" (2009)

 "Feuerwehrleute am Grab, die dort nicht gezeigt werden durften" (2017)

"Kenntlich und unkenntlich, wissend und unwissend" (2017)

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch: www.vdmo.de

Rückblick

  1. Auch Leugner haben das Wort
  2. Unbegründete Hoffnungen aus der Forschung und Panik-Gefahr
  3. Eine Beteiligte hat berichtet
  4. Vorbildfunktion in eigener Verantwortung
  5. Wichtig: Vor der Verbreitung von Kinderbildern
  6. Raser und ihre Fahrzeuge
  7. Gegen einen Nazi-Vergleich und eine Verschwörungstheorie
  8. Nebelschwaden im szenischen Einstieg
  9. Was nicht berichtet wurde
  10. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  11. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  12. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  13. Fotografierte Zeitgeschichte
  14. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  15. Persönlichkeitsschutz verletzt
  16. Empfehlung für mehr Transparenz
  17. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  18. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  19. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  20. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  21. Niemand muss anonym informieren
  22. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  23. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  24. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  25. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  26. Die Straftat und der Verdacht
  27. Kräftige Worte von Marcel Reif
  28. Das war keine Würdigung
  29. Das Missverständnis mit der Zensur
  30. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  31. Meinungen ertragen lernen
  32. Keine Schablone über Redaktionen legen
  33. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  34. Konzeptionelles Nachdenken
  35. Amtsperson war früher
  36. Fußball kann man überblättern
  37. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  38. Falsche Tatsache im Leserbrief
  39. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  40. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  41. Geschmackssache: Foto von Merz
  42. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  43. Ungleichgewicht in Zahlen
  44. Nachgeholte Berichtigungen
  45. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  46. Ein Plädoyer für Transparenz
  47. Verpixeln oder nicht?
  48. Heiße Tage und Nächte
  49. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  50. Transparenz für das redaktionelle Konzept

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