LESERANWALT

Heiße Tage und Nächte

Gesamtergebnis Ufr. Landtagswahl 2018
Eine von 30 Grafiken zu den Wahlen in Unterfranken. Sie zeigt das Gesamtergebnis.

Sie war monatelang minutiös vorbereitet. Nur so konnte die Redaktion eine arbeitsintensive und demokratisch bedeutsame Woche zuverlässig für ihre Leserschaft und Nutzer hinter sich bringen. Deren bisheriges Ergebnis: Eine reich bebilderte und grafisch stark aufgearbeitete, umfassende und vielfältige Berichterstattung, samt Kommentierungen zur bayerischen Landtagswahl in Mainfranken. Dazu wurden auch die unterfränkischen Bezirkstags-Ergebnisse gut gespiegelt. Das gab Lob aus der Leserschaft, dem ich mich anschließe. Transparenz auch für diese journalistische Arbeit ist wichtig: Deshalb die folgenden Erklärungen.

 

Kleine Zeitfenster

Über Konzepte für Vorberichte während der Wahlkampfzeit habe ich hier schon geschrieben. Aber gerade das, was am Sonntag nach Schließung der Wahllokale und in Tagen danach folgte, das hat sich nicht aus dem Ärmel schütteln lassen. Die Zeitfenster, in denen man die Leserschaft schnellstmöglich und umfassend mit aktuellen Zahlen versorgte und am Ende mit amtlichen Ergebnissen, die waren klein. Viele Redaktionsmitglieder waren freilich bis weit über Mitternacht hinaus gefordert, um aktuellste Ergebnisse zu erfassen und zunächst digital zu verbreiten. Deshalb galt es für die nächste "Schicht" schon frühmorgens für deren Fortschreibungen anzutreten. Es ging heiß her: Zwischendurch ernährte man sich mit heißen Würstchen, traditionell als "Wahlwürste" bezeichnet.

 

Ostern ging es los

Eine Arbeitsgruppe startete bereits Ostern mit Vorbereitungen und Planungen. Zwei Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden danach geschult, um die Wahl bewältigen zu können. Sie wurden mit Arbeitsabläufen und Techniken, wie der eigenen Wahldatenbank (siehe wahl.mainpost.de) vertraut gemacht. Dort lässt sich noch immer alles abrufen, man erhält einen Gesamtüberblick.

Dorthin sind die Ergebnisse aus 4700 Wahlurnen und Briefwahlbezirken im Verbreitungsgebiet geflossen. Daraus wiederum entstanden für den Landtag 35 Ergebnis-Tabellen mit Erst- und Zweitstimmen für jene sieben Parteien, denen schon Umfragen den größten Erfolg eingeräumt hatten (Siehe Beispiel in Kopie). Die erschienen in den Lokalausgaben der Zeitung für alle Wahllokale zwischen Rhön und Taubertal, Spessart und Steigerwald. Sie erstreckten sich mit ihren Zahlen und Daten oft auf eine halbe Zeitungsseite. 30 vorbereitete Balken- und Tortengrafiken, aktuell bestückt mit der Stimmverteilung auf Parteien und Kandidaten auf 49 Portraits rundeten die Berichterstattung optisch ab.

Tabelle Landtag 18, Beispiel Wü-Land
Das Beispiel für eine von 35 Ergebnis-Tabellen. Sie nahm eine halbe Zeitungsseite in Anspruch
"Wenn der Abgeordnete Traktor fährt" - Main-Post vom 17. Oktober 2018
Beispiel für eine Berichterstattung mit Grafik und mit Porträts der gewählten Abegeordneten.

 

 

 

Demokratisches Ausrufezeichen

Der stets topaktuelle digitale Liveticker auf mainpost.de verdient besondere Erwähnung. Er registrierte in 24 Stunden 27.000 Zugriffe und in Tagen danach noch mehr als 5000. Dieses Interesse ist nicht alltäglich und durchaus auch als demokratisches Ausrufezeichen zu bewerten. Das sorgt dann für journalistsche Zufriedenheit in den Redaktionen, in denen man stets einen postitiven Reiz ausmachen kann, wenn es um die Bewältigung von Wahlen geht. Und es geht ja noch weiter, wenn man die nun folgenden Analysen und Konsequenzen in den Parteien bedenkt. Auch die Berichte darüber haben, digital gemessen, ungewöhnlich hohe Nutzungswerte.

 

Ein "Nochbesser" gibt es immer

Leserkritik gab es freilich auch, dafür, dass auf der Zeitungssonderseite („Was wollen Parteien?“) am Samstag, dem letzten Tag vor der Wahl, nur sieben Parteien inhaltlich vorgestellt gewesen sind, jene, die (siehe Umfragen) Chancen hatten, im Landtag vertreten zu sein (siehe Seitenkopie unten). Acht weitere Parteien, zuvor allesamt vor allem in den Lokalausgaben dargestellt, blieben am letzten Tag in der gedruckten Gesamtausgabe außen vor. Das ist eine Crux für Zeitungsmacher, die es schon immer gegeben hat. Das zeigt eine Presseratsentscheidung aus dem Jahr 1987, zu Parteien und Wahlberichterstattung (Akt.-Z.: B 5/87). Darüber, das verstehe ich, kann man sich ärgern. Immer gibt es ein „Nochbesser“. Doch für Gesamtbetrachtungen von 15 gemeldeten Parteien in der letzten Gesamtausgabe der Zeitung wurde eine platzgreifende Unübersichtlichkeit befürchtet. Dass das Wähler entscheidend beeinflusst hat, halte ich für unwahrscheinlich.

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch: www.vdmo.de

"Was wollen Parteien?" Main-Post vom 13. Oktober 2018
Sieben Parteien, dargestellt auf einer Sonderseite am Vortag der bayerischen Landtagswahl. Leser haben kritisiert, dass ...

 

Rückblick

  1. Fotografierte Zeitgeschichte
  2. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  3. Persönlichkeitsschutz verletzt
  4. Empfehlung für mehr Transparenz
  5. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  6. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  7. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  8. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  9. Niemand muss anonym informieren
  10. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  11. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  12. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  13. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  14. Die Straftat und der Verdacht
  15. Kräftige Worte von Marcel Reif
  16. Das war keine Würdigung
  17. Das Missverständnis mit der Zensur
  18. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  19. Meinungen ertragen lernen
  20. Keine Schablone über Redaktionen legen
  21. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  22. Konzeptionelles Nachdenken
  23. Amtsperson war früher
  24. Fußball kann man überblättern
  25. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  26. Falsche Tatsache im Leserbrief
  27. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  28. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  29. Geschmackssache: Foto von Merz
  30. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  31. Ungleichgewicht in Zahlen
  32. Nachgeholte Berichtigungen
  33. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  34. Ein Plädoyer für Transparenz
  35. Verpixeln oder nicht?
  36. Heiße Tage und Nächte
  37. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  38. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  39. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  40. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  41. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  42. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  43. Aufgeklebte Werbung einer Partei
  44. Reichweite ist nicht alles
  45. Lehren für den Journalismus
  46. Kritikwürdiges Boulevardstück
  47. Analysen sind Meinung
  48. Wer hat hier Kummer mit wem?
  49. Treffende Argumente statt zuspitzender Worte
  50. Die überflüssige Ohrfeige

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  • Landtagswahl, Abstimmung, Grafik, Tabellen, Demokratie, Berichterstattung
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