LESERANWALT

Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen

Zeitungsleser auf der Main-Post
Zeitungsleser sollten nicht auf unbeantworteten Fragen sitzen bleiben. Diese symbolische Collage entstand mit einer Gesc...

Auch Zeitungen sollten keine Ei  nbahnstraßen bleiben, ist doch die digitale Medienwelt zu großen Teilen eine Interaktion zwischen Sendern und Empfängern geworden. Da müssen die wenigen Chancen genutzt werden, die sich den gedruckten Medien zu mehr Kommunikation mit der Leserschaft bieten.

 

Frage zum Wahlgeheimnis

Wenn etwa ein veröffentlichter Leserbrief mit einer nachvollziehbaren Frage endet, kann nicht nur der Absender von der Redaktion eine Antwort erwarten. Es gibt gewiss mehr interessierte Leser.

Beispiel: Am 16.10. berichtete diese Zeitung, dass eine Untersuchung des Statistischen Landesamtes zur Landtagswahl ergeben habe, dass die Altersgruppe 60 Jahre und älter die meisten ungültigen Stimmzettel abgebe (Siehe Kopie am Ende des Textes). Am 19.10. fragt auf der Leserbriefseite Leser P.H., wie diese Untersuchung möglich sei, ohne das Wahlgeheimnis zu verletzen (Kopie am Textende). Seine Frage blieb von der Redaktion unbeantwortet. Das ist schlecht.

 

Stimmzettel mit Unterscheidungsaufdruck

So habe mir nun die Mühe gemacht nachzufragen, was auch auf der Internetseite des Landesamtes nachzulesen ist. Dass nämlich die altersbezogenen Stimmen, die es nach der aktuellen Wahl zu lesen gab, noch aus der repräsentativen Statistik zu den Landtagswahlen 2013 stammen. Zu diesem Zweck wurden damals 373 Urnenstimmbezirke (2,8 %) als Stichprobenbezirke ausgewertet. Dort wurden den Wählern Stimmzettel ausgehändigt, die mit einem Unterscheidungsaufdruck versehen waren (z.B. A.Mann 1989 - 1995). Die Stichprobenbezirke umfassten 2013 mit 301.544 Stimmberechtigten 3,2 % aller Stimmberechtigten. Diese Größenordnung gilt auch auf Landesebene als repräsentativ.

 

 

Keine Anhaltspunkte auf die Einzelperson

Da aber zu jeder Altersgruppe zahlreiche Personen gehören, können aus den Unterscheidungsaufdrucken auf den sonst anonymen Wahlzetteln keinerlei Anhaltspunkte für die Stimmabgabe einer Einzelperson gewonnen werden. So wertete das Landesamt (örtlich und zeitlich getrennt vom Wahllokal) das Wahlverhalten nach Geschlecht und Altersgruppe aus, ohne das Wahlgeheimnis zu verletzen. Genauo soll für 2018 wieder geschehen. Ausführliche Erklärung über das Landesamt für Statistik hier anklicken.

 

 

Ausgebliebene Erklärung

Zurück zu Leserfragen: Unbeantwortet blieb auch eine Leserbriefkritik (30.10.) an Härringers Spottschau vom 20.10. Leser S.O. hält es für inakzeptabel, dass der Karikaturist darin eine Parallele zwischen der als peinlich empfundenen Pressekonferenz des FC Bayern und dem grausamen Mord an Jamal Khashoggi in der Türkei herstellt. S.O. versteht nicht, „dass dieses Machwerk bei einer internen Kontrolle nicht auffällt“ (Siehe Kopie am Textende). So schwierig und umstritten Beurteilungen von Satiren auch sein können: Man kann erwarten, dass Redakteure, die sich für diese Satire entschieden haben, begründeter Kritik mit einer Erklärung begegnen. Die blieb aus.

 

Die Hoffnung

Nun gibt es Hoffnung für Zeitungsleser und für Leserbriefautoren. Ich erfahre aktuell aus der Redaktion, dass vereinbart ist, künftig mindestens jene Leserbriefe, die die Redaktion direkt ansprechen, mit einem Hinweis zu beantworten.

Wie bisher gibt es dann in hartnäckigen Fällen auch noch mich ...

Weitere Leseranwalt-Kolumne zu diesem Thema:

"Ein Eingeständnis wäre gut gewesen" (2017)

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

Leider sind bei Smartphones-Darstellungen die Kopien der Artikel nicht immer sichtbar.

Ungültige Stimmzettel: Main-Post vom 16.10.18
Zu diesem Bericht in der Zeitung vom 16.10. hat ein Leser im Leserbriefteil am 18.10. nach dem Wahlgeheimnis gefragt. Er...
Leserbrief mit Frage
Der Leserbrief vom 19.10., der ohne Antwort aus der Redaktion blieb... Der Absender ist der Redaktion bekannt, lediglich...
Absolut inakzeptael - Härringers Spottschau
Eine Frage, die am 30.10. in der Zeitung erschienen ist. Eine Erklärung der Redaktion hätte gewiss viele Leser interessi...

  

 

Rückblick

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  2. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
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  50. Die überflüssige Ohrfeige

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