LESERANWALT

Nachgeholte Berichtigungen

Laienspieler in Rimpar und eine "Prämiere"
Die dreifache "Prämiere". Ein Fehler, der bislang unberichtig blieb.

Unter „So ist´s richtig“ sind sie in der Zeitung hinterher nochmals nachzulesen: Fehler, die richtiggestellt werden müssen. Denn die Wiederholung dessen, was zuvor falsch gewesen ist, gehört dazu. Und auch nach digitalen Fehlern, sind in den Internetangeboten von Medien gut erkennbare Berichtigungen wichtig und Verpflichtung. Aber jede/r andere Versender/in von Informationen im Net sollte darin ebenfalls eine Verpflichtung für sich sehen.

 

Berichtigungen sind gefordert

Es gibt aber übersehene Fehler, die dann unberichtigt bleiben. Nicht so bei Zeitungsleserinnen und Lesern. Die übersehen kaum etwas. In diesen Fällen stößt mindestens eine/r mich darauf. Zuweilen hole ich sie dann nach, die fehlenden Berichtigungen. Denn die Rechtsprechung und der Kodex des Deutschen Presserates fordern sie. Sobald ein Fehler in der Redaktion bekannt wird, muss er richtiggestellt werden. Für Rechtschreibfehler gilt diese Vorschrift nur, wenn sie sinnentstellend sind.

 

In der Schlagzeile falsch zitiert

Heute hole ich zwei ganz unterschiedliche Berichtigungen nach. Die erste ist dringend notwendig, weil eine wesentliche Aussage der Leserschaft in der Zeitung falsch ins Auge springen musste. Ein interviewter Politikwissenschaftler wurde in der Überschrift zitiert: „Merkel wird versuchen, Merz als Nachfolger zu verhindern“ (30.10./S. 2, am Ende des Beitrages in Kopie). Auch in der Online-Darstellung blieb diese Überschrift allzu lange falsch und unberichtigt stehen. Ich hoffe, der Fehler bleibt bei niemanden hängen. Denn als wörtliche Aussage des Wissenschaftlers ist im Text zu lesen: „Schwieriger wäre es vermutlich, wenn wirklich Friedrich Merz der Nachfolger würde. Ich könnte mir vorstellen, dass Angela Merkel versuchen wird, das zu verhindern.“

 

Hoffentlich keine Sensationslust

Wer also das ganze Interview gelesen hat, dem wird sich erschließen, dass die Überschrift falsch ist. Wer nicht, bei dem könnte eine nicht korrekte Aussage hängen bleiben, eine, die ein „vermutlich“, ein „ich könnte mir vorstellen“ und ein „versuchen“ ignoriert. Die Schlagzeile stellt eine Tatsache her, von der im Interview so nicht die Rede war. Ich gehe davon aus, dass nicht Sensationslust die Verantwortlichen angetrieben hat. Vielleicht waren es zu hohe Belastung oder Nachlässigkeit, die aber auch nicht zur Rechtfertigung oder zum Dauerzustand werden dürfen.

 

Die "Prämiere"

Beim zweiten bislang nicht korrigierten Fehler in einer Lokalausgabe geht es „nur“ um falsche Rechtschreibung. Obwohl der Sinn in diesem Fall kaum entstellt wird, hätte der zumindest eine Erwähnung verdient gehabt. Denn wenn in einem kurzen Text über die Premiere einer Laienbühne daraus gleich dreimal eine „Prämiere“ gemacht wird, schließt sich ein Ausrutscher aus (siehe Kopie des Beitrages am Textbeginn). Einige Leser haben sich im Internet darüber amüsiert und gewundert. Deren Heiterkeit hätte man erklärend aufgreifen können, ist doch sogar ein mundartlicher Ursprung des Patzers denkbar. Ganz abgesehen vom Ursprung, gehören solche Erklärungen zur Tranparenz, zur Glaubwürdigkeit und nehmen Leser ernst.

 

Der Mangel

Aber wahr ist auch: In der Phase großer technischer und organisatorischer Veränderungen fehlt leider in der Redaktion oft die Zeit, alle Beiträge gründlich gegenzulesen. Und dieser Mangel trifft meist den Inhalt mit geringerer nachrichtlicher Tragweite. Das ist nicht gut, aber keine Herabwürdigung von Laiendarstellern.

Wie es die Main-Post-Leitlinien wollen, sage ich für beide Fälle nachträglich: „Entschuldigung“.

Eine Auswahl aus vielen Leseranwalt-Kolumnen zum richtigen und falschen Umgang mit Fehlern:

"Berichtigungen: Je schneller desto besser" (2017)

"Verschämtes Bekenntnis zu einem acht Jahre alten Nahles-Interview" (2016)

"Über die Folgen eines Schönheitsfehlers in einer emotionalen Sportreportage" (2012)

"Das Bekenntnis zu den Fehlern in der Zeitung" (2012)

"Wenn Schreibfehler Zweifel an der Seriosität des Journalismus aufkommen lassen" (2012)

 "Überschriftenfehler wie sie nicht einmal alle Allerheiligen vorkommen dürfen" (2014)

"Was Auszeichnungen und Fehler verbindet" (2017)

"Vorsicht, liebe Leser, wenn man Sie gratuliert, ist das auch in Franken ein Fehler" (2009)

"Fehler in der Zeitung dürfen nicht zu unvermeidlichen Zeiterscheinungen werden" (2014)

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

Die Kopie des Interviews vom 30.10. mit falscher Überschrift:

Falsch: Merkel wird versuchen .....
Die Überschrift und das tatsächliche Zitat im Text: Das passt nicht ....

 

 

 

 

Rückblick

  1. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  2. Niemand muss anonym informieren
  3. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  4. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  5. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  6. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  7. Die Straftat und der Verdacht
  8. Kräftige Worte von Marcel Reif
  9. Das war keine Würdigung
  10. Das Missverständnis mit der Zensur
  11. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  12. Meinungen ertragen lernen
  13. Keine Schablone über Redaktionen legen
  14. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  15. Konzeptionelles Nachdenken
  16. Amtsperson war früher
  17. Fußball kann man überblättern
  18. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  19. Falsche Tatsache im Leserbrief
  20. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  21. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  22. Geschmackssache: Foto von Merz
  23. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  24. Ungleichgewicht in Zahlen
  25. Nachgeholte Berichtigungen
  26. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  27. Ein Plädoyer für Transparenz
  28. Verpixeln oder nicht?
  29. Heiße Tage und Nächte
  30. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  31. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  32. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  33. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  34. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  35. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  36. Aufgeklebte Werbung einer Partei
  37. Reichweite ist nicht alles
  38. Lehren für den Journalismus
  39. Kritikwürdiges Boulevardstück
  40. Analysen sind Meinung
  41. Wer hat hier Kummer mit wem?
  42. Treffende Argumente statt zuspitzender Worte
  43. Die überflüssige Ohrfeige
  44. Wenn Söder im Bericht plötzlich ätzt
  45. Der verbrämte Nazi-Vergleich
  46. Worte an WM-Desinteressierte
  47. Herkunft von Nachrichten offenlegen
  48. Kreuzerlass: Vorwurf einer falschen Behauptung
  49. Versuchte Einschüchterung
  50. Keine mildernden Umstände für ängstlichen Leser

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