In 20 Minuten wurde Würzburg zur menschenleeren Ruinenstadt

15.03.2013 Foto: Repro: MP

(rdf) Im Juli 1945 kehrte der 32-jährige Würzburger Herbert Kern aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Er hatte von den Schreckensminuten am Abend des 16. März gehört, von den rund 5000 Toten und den gigantischen Zerstörungen, doch als er die Trümmerlandschaft mit eigenen Augen sah und auf den Trampelpfaden über meterhohe Schuttberge ging, überwältigten ihn die Gefühle. Kern konnte sich nicht vorstellen, wie es mit dieser Stadt weitergehen sollte. Das schrieb er 1994, als seine Neffen Bernhard und Winfried Kern für ihre Firma Kern Dental Depot einen Kalender mit Zeichnungen Kerns herausbrachten, die dieser im Herbst 1945 geschaffen hatte. „Wo war mein Würzburg mit seinen barocken Häusern und Madonnen geblieben?“, fragte er im Kalender-Vorwort. Kern, der von 1935 bis 1938 an der Akademie für angewandte Künste in München studiert hatte, fand zunächst Arbeit beim Kirchenrestaurator und Maler Anton Menna. Dieser besorgte ihm bei der Militärregierung auch die Genehmigung, die Zerstörung zeichnerisch festzuhalten. Auf dem Titelblatt des Kalenders, das wir hier zeigen, ist von der Kirche Stift Haug aus kaum ein Zeichen von Wiederaufbau zu erkennen. Nur rechts von der Marienkapelle erhält ein Haus einen neuen hölzernen Dachstuhl. Der Dom (links im Bild) ist als Gebäude vollständig erhalten; lediglich das Dach ist verbrannt und man hat begonnen, einen Dachstuhl aus Stahl aufzurichten. Kaum war er fertig, brach das Hauptschiff des Gotteshauses im Februar 1946 zusammen. Herbert Kern kehrte als Lehrer an die Akademie in München zurück. Daneben schuf er als freier Künstler Bühnenbilder im In- und Ausland, Theaterplakate sowie Postwertzeichen und grafische Arbeiten. Kern starb im Jahr 1998. Seine Bilder hatte er zuvor der Kunstsammlung der Diözese übergeben.

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