LESERANWALT

Transparenz für das redaktionelle Konzept

Zu einem Leseranwalt
Landtagswahl 18

Schwierig ist es, den Wahlkampf und die in der Zeitung angestrebte Gleichbehandlung der Parteien und Kandidaten, von denen es überdies inzwischen sehr viele gibt, nachzuvollziehen. Mindestens so schwierig, wie das bayerische Wahlsystem selbst. Immer wieder bedarf es für beides einer Erklärung. Dabei sollten redaktionelle Konzepte durchschaubar sein.

 

Kritik an der Auswahl

Die kritische Anfrage des Lesers H.B. aus dem Kreis Schweinfurt, gibt mir Gelegenheit zu ein wenig mehr Transparenz für das redaktionelle Konzept beizutragen. H.B. stört, dass auf der Seite „Das Thema“ vom 4. Oktober, nur die von der Main-Post ausgewählten "Spitzenkandidaten“ abgebildet und beschrieben seien: Barbara Stamm (CSU), mit sehr umfangreichem Artikel, deutlich kleiner Volkmar Halbleib (SPD), Kerstin Celina (Grüne), Gerald Pittner (Freie Wähler), Christian Klingen (AfD), Helmut Kaltenhauser (FDP) und Robert Striesow (Linke). Siehe auch Seitenfoto.

 

 

Die Unermüdliche , Main-Post vom 4.10.2018
Für die Auswahl und unterschiedliche Bewertung auf dieser Seite gibt es eine redaktionelle Erklärung.

 

 

Viel Raum für die Landtagspräsidentin

Warum gibt man der "Unermüdlichen" (so die Überschrift), der in die Jahre gekommenen Frau Stamm, achtfach größeren Raum zur Darstellung als sechs anderen Kandidaten? Das fragt wenig charmant H.B, aus dessen Zuschrift ich aus Gründen der Fairness einige Passagen weggelassen habe. Grundsätzlich will er wissen, ob die anderen Kandidaten weniger wert sind oder ob es Vorlieben der Redaktion gibt? Denn die AfD sei auf der Seite berücksichtigt, die ÖDP, die Herr H.B. lobt, aber nicht? Er wünscht Antwort.

 

Umfragen als Maßstab

Die Antwort aus der Redaktion fällt nüchtern und formal aus. Denn für Vorlieben darf es dort keinen Platz geben. Veröffentlicht waren auf jener Seite nämlich die Spitzenkandidaten der Parteien, die nach derzeitigen Umfrage-Werten Aussicht haben, in den Landtag zu kommen. Für den tragenden Beitrag wurde Barbara Stamm ausgewählt, weil sie seit 42 Jahren Abgeordnete ist und als Landtagspräsidentin in herausragender Position. Außerdem, weil im Gegensatz zu Stamm alle anderen Spitzenkandidaten in Stimmkreisen als Direktkandidaten antreten.

 

Große Porträts in den Lokalteilen

Den Direktkandidaten in den Stimmkreisen, denen hat die Redaktion in den einzelnen Lokalteilen große Porträts gewidmet: Volkmar Halbleib und Kerstin Celina in Würzburg, Gerald Pittner in Rhön-Grabfeld, Robert Striesow in Schweinfurt und Christian Klingen in Kitzingen und Gerolzhofen. Frau Stamm hat in diesen Lokalteilen nicht stattgefunden.

 

Eine Seite für die Kleinen

Die kleinen Parteien, die wenig Aussicht auf den Einzug in den Landtag haben (siehe Umfragewerte), sind nicht außen vor geblieben. Sie wurden bereits am 24. September auf einer Themenseite (Überschrift: „Bayern, Franken, Piraten und Veganer“) vorgestellt: Bayernpartei; Partei: Mensch, Umwelt, Tierschutz; Partei für Franken; ödp; Piraten-Partei; Mut; Die Partei und V-Partei. Siehe auch Seitenfoto.

Bayern, Franken, Piraten und Veganer. Main-Post vom 24.9.19
Auch die kleine Parteien bleiben nicht außen vor.

 

 

Darüber kann man streiten

Konzeptionelles Bemühen um gerechte Darstellungen, vorbereitet in langen redaktionellen Diskussionen, ist nie an nur einer Ausgabe zu ermessen. Aber man kann immer lange darüber streiten, ob Umfrage-Ergebnisse zur Grundlage einer Auswahl in der Berichterstattung gemacht werden können. Wenn der Platz nicht mehr ausreicht, dann ist aber irgendein Maßstab ist für die Zeitung notwendig, das schon angesichts der großen Zahl an Parteien und Kandidaten. Verständlich ist dann natürlich auch, dass man nicht den Interessen aller Wahlberechtigten gerecht werden kann.

Was zur Bayerischen Landtagswahl berichtet wurde, finden Sie gesammelt online auf  www.mainpost.de/Landtagswahl2018

Mehr Leseranwalt-Kolumnen zur Berichterstattung in Wahlkämpfen erreichen Sie über:

"Parteigänger und ihre Vorstellungen" (2018)

Anton Sahlender, Leseranwalt; Siehe auch www.vdmo.de

Rückblick

  1. Fotografierte Zeitgeschichte
  2. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  3. Persönlichkeitsschutz verletzt
  4. Empfehlung für mehr Transparenz
  5. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  6. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  7. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  8. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  9. Niemand muss anonym informieren
  10. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  11. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  12. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  13. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  14. Die Straftat und der Verdacht
  15. Kräftige Worte von Marcel Reif
  16. Das war keine Würdigung
  17. Das Missverständnis mit der Zensur
  18. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  19. Meinungen ertragen lernen
  20. Keine Schablone über Redaktionen legen
  21. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  22. Konzeptionelles Nachdenken
  23. Amtsperson war früher
  24. Fußball kann man überblättern
  25. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  26. Falsche Tatsache im Leserbrief
  27. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  28. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  29. Geschmackssache: Foto von Merz
  30. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  31. Ungleichgewicht in Zahlen
  32. Nachgeholte Berichtigungen
  33. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  34. Ein Plädoyer für Transparenz
  35. Verpixeln oder nicht?
  36. Heiße Tage und Nächte
  37. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  38. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  39. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  40. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  41. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  42. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  43. Aufgeklebte Werbung einer Partei
  44. Reichweite ist nicht alles
  45. Lehren für den Journalismus
  46. Kritikwürdiges Boulevardstück
  47. Analysen sind Meinung
  48. Wer hat hier Kummer mit wem?
  49. Treffende Argumente statt zuspitzender Worte
  50. Die überflüssige Ohrfeige

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