LESERANWALT

Was Auszeichnungen und Fehler verbindet

100Gründe
Der Druck einer Zeitung ist noch immer faszinierend, ist aber als Sympolbild für Tageszeitungen alleine nicht mehr geeignete. Denn es gilt längst mehr Techniken zu beherrschen, vor allem auch in den Redaktionen. Das hat Folgen ... Foto: FOTO kba

Wenn alteingesessene Unterfranken lesen, dass in Mainbernheim am Main etwas passiert ist, dann werden sie stutzig, weil Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, dass der Name trügt. Der Ort liegt nicht am Main. Das sollte man in der Redaktion einer Regionalzeitung wissen. In der war aber jüngst in einer Meldung der Fluss dorthin verlegt worden. Eine andere Meldung hatte Willanzheim zum Vorort von Buchbrunn gemacht. Beide Orte liegen zwar im Kreis Kitzingen, dort aber etwa 15 km voneinander entfernt.

 

Das Schlechte und das Gute

Das war der schlechte Teil der Botschaft, die ich beschreiben möchte. Der gute konnte man am 21.11. lesen. Es gab gleich neun internationale Preise beim „European Newspaper Award“ für die Gestaltung von Veröffentlichungen und Fotoreportagen in der Main-Post. Einer der begehrten Preise war für das Konzept für regionale „Web-Videos“ bei mainpost.de.

Hier anklicken: "Main-Post mit neun internationalen Preisen ausgezeichnet"

 

Gewaltiger Veränderungsprozess

Was haben Fehler und Preise miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Aber man darf getrost einen Zusammenhang herstellen. Der findet sich im gewaltigen Veränderungsprozess, den sich Medien nicht erst seit gestern unterwerfen müssen. Die Rotationsmaschinen, wie die im Bild gezeigte, beeindrucken noch immer, sind aber längst nicht mehr alles was an Technik zu bewältigen ist. Hinzu kommt einiges mehr. Und das in den Redaktionen.

Die wirtschaftliche Basis für Tageszeitungen in der unaufhaltsam wachsenden Medienwelt verändert sich immer weiter. Das nicht nur zum Vorteil der Tageszeitungshäuser. So sind dort auch Kostenreduzierungen meist unausweichliche Folge. Sie bringen konzeptionelle Anforderungen mit sich, die gewaltige  Veränderungsprozesse nach sich ziehen.

 

Das ist eine Pflichtaufgabe

In vielen Medienhäusern spricht man gegenwärtig von einer Transformation. Denn redaktionelle Leistungen müssen sich wandeln, sich vor allem auf die Nutzung digitaler Möglichkeiten und Techniken einstellen. Hier sieht man eine Zukunft. Nicht zu vergessen: Über veränderte Anforderungen betrifft der Wandel Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der nimmt ihre Kapazitäten in hohem Maße in Anspruch.

Aber auch mit ihren gedruckten Zeitungen dürfen Medien nicht auf der Stelle treten, dürfen sie nicht vernachlässigen. Insgesamt gilt es, das Beste für die Menschen, die den Journalismus des Mediums nutzen, daraus zu machen. Gedruckt und digital. Das bleibt Pflichtaufgabe. Denn Pressefreiheit gilt als konstituierend für ein freiheitliches Staatswesen. Daran hat sich nichts geändert.

 

Ausgezeichnetes muss ankommen

Kurzum: Der Prozess führt zu personellen Wechseln und zu neuen Arbeitsabläufen. Die Unruhe, die er mit sich bringt, hat leider auch einen Preis. Da und dort werden Fehler gemacht, weil nach Veränderungen regionale Kompetenzen neu erworben werden müssen und weil nicht alles Neue gleich rund läuft.

Journalistische Konzentration, das sollten Leser und Nutzer auch wissen, gilt vorwiegend entscheidenden Themen und Ereignissen, solchen mit Tragweite, solchen, auf die sich öffentliches Interesse konzentriert und solchen, die mit Mitteln zu verbreiten sind, die man früher bei der Zeitung nicht nutzen konnte. Das ist viel mehr als die umfassende Darstellung gescheiterter Koalitionssondierungen. Das sind auch Ereignisse und Entwicklungen vor Ort. Und das sind die Inhalte der neun Auszeichnungen.

Auszeichnungen, das ist bekannt, mögen erfreuen und motivieren, entfalten allerdings nur Wirkung, wenn das Ausgezeichnete bei den Nutzern des Mediums ebenfalls gut ankommt.

Das war keine Klage, sondern die Ansage, dass es in der Redaktion ihrer Zeitung und darüber hinaus kein Stillstand herrscht. Jede Redakteurin, jeder Redakteur kann das alles noch besser erklären als ich....

Weitere Leseranwalt-Kolumnen zum Thema:

"Fehler in der Zeitung dürfen nicht zu unvermeidlichen Zeiterscheinungen werden" (2011)

"Fehler können die Glaubwürdigkeit eines Mediums aushöhlen" (2012)

"Wenn Schreibfehler Zweifel an der Seriosität der Journalismus aufkommen lassen" (2014)

Anton Sahlender, Leseranwalt, siehe auch www.vdmo.de

 

Rückblick

  1. Was nicht berichtet wurde
  2. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  3. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  4. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  5. Fotografierte Zeitgeschichte
  6. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  7. Persönlichkeitsschutz verletzt
  8. Empfehlung für mehr Transparenz
  9. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  10. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  11. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  12. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  13. Niemand muss anonym informieren
  14. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  15. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  16. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  17. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  18. Die Straftat und der Verdacht
  19. Kräftige Worte von Marcel Reif
  20. Das war keine Würdigung
  21. Das Missverständnis mit der Zensur
  22. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  23. Meinungen ertragen lernen
  24. Keine Schablone über Redaktionen legen
  25. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  26. Konzeptionelles Nachdenken
  27. Amtsperson war früher
  28. Fußball kann man überblättern
  29. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  30. Falsche Tatsache im Leserbrief
  31. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  32. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  33. Geschmackssache: Foto von Merz
  34. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  35. Ungleichgewicht in Zahlen
  36. Nachgeholte Berichtigungen
  37. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  38. Ein Plädoyer für Transparenz
  39. Verpixeln oder nicht?
  40. Heiße Tage und Nächte
  41. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  42. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  43. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  44. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  45. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  46. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  47. Aufgeklebte Werbung einer Partei
  48. Reichweite ist nicht alles
  49. Lehren für den Journalismus
  50. Kritikwürdiges Boulevardstück

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