LESERANWALT

Was nicht berichtet wurde

Klimawandel19
Darum geht es oft im Journalismus. Auch beim Thema Klimawandel ...

Es gibt Quellen, auf die sich seriös arbeitende Redaktionen verlassen können und andere, bei denen mehr als Skepsis am Platze ist. Deshalb stellt sich Leser M.H. in einer Zuschrift etwas vor, was nicht wunschgemäß erfüllbar ist. Denn das könnte bedeuten, einer Person, die menschengemachte Klima-Veränderungen nicht anerkennt, einen Artikel dazu zu gewähren. Er bezieht sich dabei auf den Leseranwalt-Beitrag "Fragezeichen wohlüberlegt setzen" (siehe unten). Darin ging es auch um ein überflüssiges Fragezeichen zum Klimawandel.

 

Widerlegte Leugner

Leser M.H. bat nun, einem Professor von „EIKE“ (Europäisches Institut für Klima & Energie) die Möglichkeit zu eröffnen, seine Meinung darzulegen. M.H., ein Medienkritiker, unterstellt jedoch gleich: „Aber in unseren Mainstream Medien - viele Zeitungen und öffentlich-rechtliches Fernsehen - werden Wissenschaftler mit anderer Meinung einfach totgeschwiegen.“

Totgeschwiegen soll nichts werden. Speziell in politischen Berichterstattungen findet sich oft, dass Menschen die Ursachen von Klimaveränderungen leugnen. Diese Leute, etwa der US-Präsident, sind vielfach widerlegt.

Aber: An eine Veröffentlichung dieser Zeitung über „EIKE“ kann ich mich nicht erinnern, vermochte auch keine zu finden. Dafür gibt es Gründe.

 

Zentrum der Klimaleugnerszene

Zu den Gründen: Entgegen seinem Namen handelt es sich bei EIKE um kein wissenschaftliches Institut, sondern um einen kleinen Verein, wohl mit weniger als 50 Mitgliedern. Der lehnt den wissenschaftlichen Konsens darüber ab, dass die globale Erwärmung menschengemacht ist. Von unabhängigen Stimmen aus Wissenschaft und Presse wird er als Zentrum der politisch aktiven und organisierten Klimaleugnerszene in Deutschland beschrieben. Sein Ziel sei es, den systematischen Angriff auf die Befunde der Klimawissenschaft zu betreiben. Diese Einordnung, die sich häufiger finden lässt, habe ich Wikipedia entnommen.

 

Falsche Ziele

Festzuhalten ist, Skepsis muss möglich sein. Auch in Berichterstattungen und Kommentierungen. Es geht in der Konsequenz bei dem was EIKE vertritt, aber nicht nur um Skepsis oder eine andere Meinung, sondern um richtig und falsch. Und nach alledem was wir aus der Wissenschaft sicher wissen, liegt der Verein mit seinen Zielen grundsätzlich falsch, selbst wenn sich gewiss über Details diskutieren lässt. Hier Beiträge aus  Planet Wissen...       und aus CO²-Online, "Die Ursachen ..." Das liest man in ZEIT-online: "Dass der Mensch die Erderwärmung beschleunigt, gilt als wissenschaftlich gesichert. Strittig ist unter Forscherinnen und Forschern, wie schnell sich der Planet aufheizt und wo genau welche Folgen zu erwarten sind."

Hinzuzufügen ist auf jeden Fall, dass auch Redaktionen beim Klimawandel umgekehrt nicht nicht über das Ziel hinausschießen sollten, sondern bei sicherem Wissen bleiben. Das heißt, es muss nicht hinter jedem Gewitter und jeder ungewöhnlichen Wetterlage gleich der Klimawandel gesehen werden. Metereologen haben dafür meist sehr einleuchtende andere Erklärungen (Siehe "Fragezeichen ...).

 

Vertrauenswürdige Quellen

Weil selbst kein Klima-Experte, gehe ich nicht weiter auf den Verein und seine Thesen ein. Festzuhalten ist jedoch, dass er wohl selten zu den Quellen gehören wird, auf die sich seriöse Medien stützen. Die halten sich beim Klimawandel an unabhängige und vertrauenswürdige Wissenschaftler, darunter jenen aus einer Reihe von Universtäten, die aus dem Potsdamer Institut für Klimaforschung.

Das liest man bei Vice unter der Überschrift: "Die acht größten Mythen zum Klimawandel und was die Wissenschaft dazu sagt": " <..> Die heutige Erderwärmung läuft dagegen mit einem atemberaubenden Tempo seit Beginn der Industrialisierung ab etwa 1850 ab, was die Ökosysteme unter Stress setzt. Die einzig logische Erklärung dafür ist das Modell des menschengemachten Ausstoßes von Treibhausgasen. Da sind sich führende Institutionen wie die Max-Planck-Gesellschaft und das Potsdam-Institut für Klimaforschung einig."

 

Der blinde Fleck

Hier soll es nun aber um journalistische Transparenz gehen. Die erfordert auch, Lesern und Nutzern zu erklären, über was nicht berichtet wird. „Diese andere Seite der Nachrichtenauswahl“ sei bei Journalisten ein „blinder Fleck“, schreibt Silke Fürst (Medienforschung der Uni Fribourg/CH) beim Europäischen Journalismus Observatorium unter dem Titel, "Die Nicht-Themen zum Thema machen". Bei Transparenz würden Journalisten automatisch nur an veröffentlichte Beiträge denken.

Empfohlen habe ich deshalb der Redaktion, zu recherchieren und erklärend zu begründen, warum Mitteilungen des genannten Vereins keine Nachrichten waren.

Vorausgehende Leseranwalt-Kolumne mit Links zum Thema "Transparenz":

"Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen" (2019)

"Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen". (2019)

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de

Rückblick

  1. Raser und ihre Fahrzeuge
  2. Gegen einen Nazi-Vergleich und eine Verschwörungstheorie
  3. Nebelschwaden im szenischen Einstieg
  4. Was nicht berichtet wurde
  5. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  6. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  7. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  8. Fotografierte Zeitgeschichte
  9. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  10. Persönlichkeitsschutz verletzt
  11. Empfehlung für mehr Transparenz
  12. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  13. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  14. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  15. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  16. Niemand muss anonym informieren
  17. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  18. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  19. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  20. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  21. Die Straftat und der Verdacht
  22. Kräftige Worte von Marcel Reif
  23. Das war keine Würdigung
  24. Das Missverständnis mit der Zensur
  25. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  26. Meinungen ertragen lernen
  27. Keine Schablone über Redaktionen legen
  28. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  29. Konzeptionelles Nachdenken
  30. Amtsperson war früher
  31. Fußball kann man überblättern
  32. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  33. Falsche Tatsache im Leserbrief
  34. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  35. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  36. Geschmackssache: Foto von Merz
  37. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  38. Ungleichgewicht in Zahlen
  39. Nachgeholte Berichtigungen
  40. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  41. Ein Plädoyer für Transparenz
  42. Verpixeln oder nicht?
  43. Heiße Tage und Nächte
  44. Vorteile von Kooperationen der Tageszeitungen
  45. Transparenz für das redaktionelle Konzept
  46. Die Größe des Dirk Nowitzki in der Zeitung
  47. Mehr als ein nach Dresden modern gewordenes Verständnis
  48. Parteigänger und ihre Vorstellungen
  49. Wider den Vorwurf, Redaktionen würden Meinungsfreiheit einschränken
  50. Aufgeklebte Werbung einer Partei

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