LESERANWALT

Zum Kickers-Fan will ich Herrn R. aus der Rhön nicht machen

Kickers Zeitungstitel-Bild 22.8.16
Der Hype um die Würzburger Kickers in der 2. Bundesliga ist groß. Aber der Umfang von Berichterstattung und Bildern wird nicht von allen Lesern gut geheißen. Hier das Titelbild der Zeitung vom Montag, 22.8.2016

Zum Fan der Würzburger Kickers will ich Herrn R. aus Bad Neustadt nicht machen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich kann nur versuchen, das zu erklären, was der Rhöner für übertrieben hält. Grundsätzlich lässt er die Redaktion wissen, was er meint, „was Leser darüber so denken, auch die, die nicht in Würzburg wohnen und leben, aber Stadt und Einwohner trotzdem gut kennen.“


Das hält er für übertrieben

Herr R. versteht,

dass „der (Fußball-) Sport für einige Leute eine große Rolle spielt, <...> nachdem die Kickers in der 2.Liga spielen (dürfen). Aber müssen die Berichte und Fotos(!) so übergroß <..> sein? Müssen wir wirklich jeden Montag über die persönlichen Befindlichkeiten von allen Spielern und dem Trainer berichtet bekommen?“ Er hält das für übertrieben.

Kickers Bericht vom 22.8.2016
Die Berichterstattung über das Pokalspiel der Würzburger Kickers gegen Eintracht Braunschweig, veröffentlicht am 22.8.16. Ein Leser fragt, ob die persönlichen Beurteilungen auf dieser Seite wirklich sein müssen.



Herr R. hat Recht, wenn er noch feststellt, dass es aus Würzburg und Umgebung mehr zu berichten gibt als nur Fußball. Ich habe ihm empfohlen, wenn er Wichtiges vermisse, solle er sich melden. Erklären will ich nun das, was er für übertrieben hält.
 

Der Hype hält an

Manches von dem, was im Sport berichtet wird, wollen nur wenige Leser wissen. Das liegt an ihrer Ferne zur Sportart oder zum Schauplatz. Vor fünf bis sechs Jahren war auch mit den Kickers kaum Staat zu machen. Erst ihr ungewöhnlicher Weg nach oben wurde zum Medien-Ereignis. Die Beachtung war bundesweit. Da kommt dann eine Regionalzeitung am wenigsten daran vorbei. Und der Hype, der über Würzburg hinaus entstanden ist, hält an,  damit viel Begeisterung bei Lesern und Nutzern der Main-Post Angebot für Berichte und Bilder, die manche, so wie Herr R. in der Rhön, in der Zeitung auch für übertrieben halten. 
 

Nachholbedarf wird gedeckt

Fußball und Bundesliga sind Magnete für Massen. Das ist nichts Neues. Auch nicht, dass ihnen Medien entsprechende Aufmerksamkeit schenken und damit zu ihrer anhaltenden Popularität beitragen. Das gilt hier nun umso mehr, weil Unterfranken jahrzehntelang im Fußball keine Rolle gespielt hat. Nachholbedarf wird gedeckt. Leute werden Fans, die sonst vielleicht mal bei der WM im TV Fußball geguckt haben.
 

Spieler genießen Promistatus

In der Region Unterfranken gibt es kaum andere regionale Sport-Ereignisse, die ähnlich viele Besucher anziehen. Zum ersten Zweitliga-Heimspiel kamen mehr als 12.000 Zuschauer ins Kickers-Stadion und zum Pokalmatch mehr als 6000. Und - man mag es bedauern - in der Bundesliga genießen Spieler Promistatus. Das heißt: Individuelle Beurteilungen stoßen auf ein Interesse, das bis in den Lebenslauf hineinreichen kann. Die Nutzung der Beiträge lässt das erkennen. Alles zusammen führt zu umfangreichen Darstellungen und Illustrationen.
Selbst Werbekunden nutzen die erhöhte Aufmerksamkeit für die Umgebung der Berichterstattung über die Kickers gerne. Das zeigt der Sonderteil "mainKicker" in der Samstagausgabe der Zeitung vom 20. August 2016, der journalistisch eine umfangreiche Vorschau auf die Pokalbegegnung mit Braunschweig enthält. Dieses vierseitige Teil gab es allerdings nur im südlichen Unterfranken zu lesen. Die Fotos hier zeigen die redaktionelle Berichterstattung dazu.

mainKicker20.8.S.1
So beginnt die Vorschau auf die Pokalbegegnung der Kickers im mainKicker vom 20.8.16
mainKickerSeite2 20.8.16
mainKicker vom 20.8.16: Seite 2
mainKicker20.8.16 Seite 3
mainKicker 20.8.16, Seite 3
mainKicker20.8.16 Seite 4
mainKicker vom 20.8.16, Seite 4. (hier ohne die Werbung)
 











Der Realist

Herr R. aus der Rhön ist Realist. Vorausschauend hat er nämlich geschrieben, dass er keine Veränderung erwartet. Zumindest da muss ihn nicht enttäuschen. Wiederholt sei aber in seinem Sinne, was ich schon am 13. Juni 2016 in der Zeitung und hier auf mainpost.de veröffentlicht habe:

„Sportliche Erfolgswelle erfasst Würzburg – Doch vor Fan-Journalismus wird gewarnt“.


Anton Sahlender, Leseranwalt

Rückblick

  1. Erkennen Sie, was Nachrichten mit ihrem Gehirn machen
  2. Wer die Verantwortung trägt, entscheidet
  3. Redaktionelle Entscheidungen überprüfen
  4. Vorsicht bei Meldungen aus fremden Quellen
  5. Ein Leser, der sich bedroht fühlt
  6. Weischenberg: Zu wenige Journalisten aus unteren sozialen Schichten
  7. Auch Leugner haben das Wort
  8. Unbegründete Hoffnungen aus der Forschung und Panik-Gefahr
  9. Eine Beteiligte hat berichtet
  10. Vorbildfunktion in eigener Verantwortung
  11. Wichtig: Vor der Verbreitung von Kinderbildern
  12. Raser und ihre Fahrzeuge
  13. Gegen einen Nazi-Vergleich und eine Verschwörungstheorie
  14. Nebelschwaden im szenischen Einstieg
  15. Was nicht berichtet wurde
  16. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  17. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  18. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  19. Fotografierte Zeitgeschichte
  20. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  21. Persönlichkeitsschutz verletzt
  22. Empfehlung für mehr Transparenz
  23. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  24. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  25. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  26. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  27. Niemand muss anonym informieren
  28. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  29. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  30. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  31. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  32. Die Straftat und der Verdacht
  33. Kräftige Worte von Marcel Reif
  34. Das war keine Würdigung
  35. Das Missverständnis mit der Zensur
  36. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  37. Meinungen ertragen lernen
  38. Keine Schablone über Redaktionen legen
  39. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  40. Konzeptionelles Nachdenken
  41. Amtsperson war früher
  42. Fußball kann man überblättern
  43. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  44. Falsche Tatsache im Leserbrief
  45. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  46. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  47. Geschmackssache: Foto von Merz
  48. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  49. Ungleichgewicht in Zahlen
  50. Nachgeholte Berichtigungen

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