Zur Neutralität des Leseranwaltes zwischen zwei Stühlen, von denen einer dem Brötchengeber gehört

Freiheit der Medien gilt als Sicherung für die Freiheit der Menschen eines Landes. Dahinter steht nicht nur bei uns ein Grundrecht, das ich vergangene Woche als oberstes Prinzip für die Wahrnehmung meiner Aufgabe als Leseranwalt genannt habe. An der hatten sich zum Jahreswechsel einige skeptische Stimmen gerieben. Also habe ich begonnen, meine Funktion aktuell zu erklären. Das setze ich nun fort.

Ein Kritiker weist darauf hin, dass ich zwischen zwei Stühlen sitze und einer davon meinem „Brötchengeber“ gehört. Das stimmt. Folglich hat er als Leser im Sinne des anderen Stuhles gefragt, inwieweit „Neutralität und Unsubjektivität“ bei mir gewahrt sein können. Objektivität ist mir, um der Klarheit willen, lieber.

Ja, ich bin als Leseranwalt „ein redaktionelles Angebot der Mediengruppe Main-Post“ an Leser und zunehmend für Online-Nutzer. Es ist menschlich, dass ich nicht vor Irrtümern gefeit und wohl auch subjektiv bin, so sehr ich nach Objektivität strebe und mich bemühe, neutral zu sein. Ob Sie als Leser mir vertrauen, trotz Brötchengeber, liegt an Ihnen. Orientieren können Sie sich daran, ob meine Erklärungen und Kritiken verständlich sind. Zugrunde lege ich bekannte Kriterien, zu denen zuallererst auch mein „Brötchengeber“ steht. Er hat, in Ihrem Sinne als Leser, dafür unterzeichnet. Somit haben Sie gültige Maßstäbe in der Hand, die Sie an meine Beiträge und Leistungen der Redaktion anlegen können. Dazu zählen selbstverständlich gesetzliche Grenzen für Medien, häufiger aber ethische Werte, die im Kodex des Deutschen Presserates und in Leitlinien unserer Redaktionen festgeschrieben sind. Nachzulesen: mainpost.de (beim Impressum) und presserat.de. Es sind Regeln zur Verantwortung von Medien gegenüber Menschen in einer demokratischen Gesellschaft. Folglich wiegen die in meinen Texten oft schwerer als Einzelprobleme von Lesern. Wenn die mich, nach solcher Abwägung, nicht mehr als ihren Anwalt akzeptieren mögen, muss ich es zugunsten höherer Werte akzeptieren. Erfahrungen, aus denen ich lerne.

Zugegeben: Beim Ärger über so manchen Fehler, fragen Sie sich oft, welchen Grundsätzen (für Technik, Sprache, Darstellungsformen und Illustrationen) Redaktionen im Alltag gefolgt sind und welche Umstände eine Rolle spielen. Das möchte ich an Einzelfällen durchschaubar machen, oft mittels eigener Kritik an Inhalten. Dieser kommt die Redaktion zuweilen in ihrer täglichen Blattkritik zuvor. Nach Kenntnis begründeter Leserkritik fiele eben manche journalistische Entscheidung anders aus. Weitere Ziele des Leseranwalts folgen nächste Woche.

Rückblick

  1. Ein Leser, der sich bedroht fühlt
  2. Weischenberg: Zu wenige Journalisten aus unteren sozialen Schichten
  3. Auch Leugner haben das Wort
  4. Unbegründete Hoffnungen aus der Forschung und Panik-Gefahr
  5. Eine Beteiligte hat berichtet
  6. Vorbildfunktion in eigener Verantwortung
  7. Wichtig: Vor der Verbreitung von Kinderbildern
  8. Raser und ihre Fahrzeuge
  9. Gegen einen Nazi-Vergleich und eine Verschwörungstheorie
  10. Nebelschwaden im szenischen Einstieg
  11. Was nicht berichtet wurde
  12. Redaktioneller Transparenz nicht selbst im Wege stehen
  13. Fragezeichen in Schlagzeilen wohlüberlegt setzen
  14. Das Zittern und die Würde der Persönlichkeit
  15. Fotografierte Zeitgeschichte
  16. Sexueller Missbrauch: Bitte keine Details
  17. Persönlichkeitsschutz verletzt
  18. Empfehlung für mehr Transparenz
  19. Ein freches Foto und die Gürtellinie
  20. Wenn schaulustig nicht schmeichelhaft ist
  21. Wenn öffentliches Interesse schwerer wiegt als Vertraulichkeit
  22. Ein Fall für journalistische Verantwortung
  23. Niemand muss anonym informieren
  24. Öffentliches Interesse wiegt schwer
  25. Gestellte Wein- und Bierseligkeit
  26. Journalistische Wahrhaftigkeit und Gott
  27. Über den Opferschutz wacht der Presserat
  28. Die Straftat und der Verdacht
  29. Kräftige Worte von Marcel Reif
  30. Das war keine Würdigung
  31. Das Missverständnis mit der Zensur
  32. Im Kampf gegen falsche Nachrichten
  33. Meinungen ertragen lernen
  34. Keine Schablone über Redaktionen legen
  35. Ungenaue Führerscheinzahl: Wer stirbt, wird nicht gelöscht
  36. Konzeptionelles Nachdenken
  37. Amtsperson war früher
  38. Fußball kann man überblättern
  39. Kritik an Überschrift: Niederlage für Deutschland
  40. Falsche Tatsache im Leserbrief
  41. Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite
  42. Erkennbar bei öffentlicher Partei-Veranstaltung
  43. Geschmackssache: Foto von Merz
  44. Was hinter einer Polizei-Statistik steckt
  45. Ungleichgewicht in Zahlen
  46. Nachgeholte Berichtigungen
  47. Leserbriefschreiber nicht auf Fragen sitzen lassen
  48. Ein Plädoyer für Transparenz
  49. Verpixeln oder nicht?
  50. Heiße Tage und Nächte

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