Am „Bienen“-Volksbegehren scheiden sich die Geister

Zu Artikeln und Kommentaren über das Volksbegehren „Rettet die Bienen“:

Viel Polemik, Stimmungsmache und Halbwahrheiten, aber auch mahnende Stimmen, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen. Das hat den Beginn des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ geprägt. Was mir dabei auffällt, ist die polarisierende Haltung der Lobbyvertretung Bauernverband. Auch ich bin „Bauer“ – „Wald- und Obstbauer“. Und als solcher fühle ich mich vom Bauernverband in dieser Diskussion nicht vertreten. Statt zu jammern, dass die Bauern wieder der „Buhmann“ der Nation sind, sollten sich die Lobbyisten (auf allen Seiten!) lieber mal mit ihrer Außenwirkung auseinandersetzen. Als Waldbauer weiß ich: So wie ich auf der einen Seite in den Wald hinein rufe, kommt es auf der anderen Seite auch wieder raus. Die Verbraucher sind ja nicht dumm. Sie wissen sehr wohl, dass das, was auf ihrem Teller liegt, von unseren Bauern kommt. Wo auch immer die Meinungsmache und -bildung die nächsten Tage hingeht, ich würde mir wünschen – und das würde allen Protagonisten dieser Causa guttun: Lassen wir die Polemik und die Emotionen raus und konzentrieren uns auf die Fakten einerseits und die Ziele dieses Volksbegehrens andererseits. Sollte die notwendige Anzahl an Unterschriften zusammenkommen, so wäre zumindest eines sichergestellt: Wir hätten weiterhin eine intensive Diskussion zu diesem wichtigen Thema innerhalb von Gesellschaft und Politik.

Joachim Koberstein, 97782 Gräfendorf

Mir fällt besonders auf, dass gerade Banken das Volksbegehren unterstützen. Ist ja auch klar, denn jeder Landwirt, der auf Bio umstellt, braucht erst mal ein Darlehen, um das finanzieren zu können. Daran verdienen die Banken ja. Im Übrigen sagt nicht nur der Bayerische Bauernverband ein deutliches „Nein“. Ich bin mit verschiedenen Bio-Landwirten in Kontakt – auch diese sind gegen das Volksbegehren, weil damit der Markt für Bio kaputtgemacht wird. Ich lehne es auch ab, weil es nur auf Landwirtschaft abzielt und die Verbraucher nicht in die Pflicht genommen werden: Jeder, der unterschreibt, müsste sich auch verpflichten, dann Bio aus Bayern einzukaufen – auch wenn im Regal ein kostengünstigeres Produkt liegt. Wir Bauern leben vom Verkauf unserer Produkte und nicht von den Wünschen der Verbraucher.

Maria Hoßmann, 97776 Eußenheim

Es ist wie im Klassenzimmer, wenn abgestimmt wird, wer den Ordnungsdienst leisten soll. Einer wird ausgedeutet, und alle anderen sind ihrer Mitverantwortung entledigt. Der Dumme ist ja gefunden. So soll es auch beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gehen. Die Landwirtschaft ist ausgewählt, allein die Verantwortung für den Artenschwund zu tragen. Sie soll blühende Randstreifen schaffen, Wiesen umwandeln, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern und den Ökolandbau steigern. Genau das passiert seit 1990. Damals bin ich noch als junger Landwirt auf die Straße gegangen gegen die Agrarreform, die uns ab dieser Zeit Flächenstilllegungen in erheblichem Umfang vorgeschrieben hat. Seit dieser Zeit hat sich der Ökolandbau immer weiter entwickelt, wir legen Blühflächen an, betreiben Vertragsnaturschutz, säen Wildpflanzenmischungen an. Zusammengefasst: Machen – freiwillig –, was wir können. Und wenn ich an die Pflanzenschutzmittel von damals denke, haben wir auch hier große Fortschritte gemacht. Komischerweise hat sich nach der Krefelder Studie, die die Diskussion über das Artensterben maßgeblich ausgelöst hat, trotz allem ein extremer Insektenschwund eingestellt. Haben wir mit den Maßnahmen alles falsch gemacht? Ich glaube nicht. Andere Einflüsse haben mit Sicherheit auch ihren erheblichen Anteil am Artenschwund zu verantworten. Und deshalb ist es nicht richtig, allein die Landwirte als Sündenbock in die Ecke zu stellen. Es ist richtig, dass wir Landwirte durch die Flächenbewirtschaftung weiter mit verschiedenen Maßnahmen für mehr Artenvielfalt arbeiten können. Aber genauso wichtig ist es, andere Einflüsse auf die Natur mit zu betrachten: Klimawandel, Mobilfunk, Lichtverschmutzung, übermäßiger Einsatz von Streusalz, zu viel Autoverkehr, kaum noch naturnahe Gärten. Aber mit meinem Kreuz beim Volksbegehren kann ich ja alle Verantwortung von mir abwenden.

Ludwig Geis, 97640 Oberstreu

Die Grünen-Chefin Hagl will den Bauern die Angst nehmen. Voller Erwartung habe ich das Interview gelesen, ich suche immer noch die Stelle, die mir „die Sorge nimmt!“. Das Einzige, was ich gefunden habe, ist die Beschimpfung mit dem Pufferstreifen am Gewässerrand. Fakt ist, dass seit 2015 in Bayern insgesamt 5730 Hektar mit Schutzstreifen belegt sind. Sind die Bauern pauschal an allem schuld? Wer betreibt denn Artenschutz, Landschaftspflege? Wo stehen die Bienenvölker der Imker? In den Steingärten der Neubausiedlungen oder an den Rapsfeldern? Es ist einfach und billig auf andere zu deuten. Das macht aber noch lange keinen Artenschutz. Selber was machen, Blumenbeete im Garten ansäen, den Rasen mal blühen lassen und nicht auf zwei Zentmeter kürzen, Futterhäuschen für Vögel und Eichhörnchen aufstellen – und noch vieles mehr. Ganz einfache Sachen machen und nicht haarsträubende Gesetze. Damit wäre der Natur mehr geholfen.

Simone Krug, 97857 Urspringen

Es ist bekannt, dass der Bauernverband vor allem die Großbauern und die Agrarindustrie fördert. Warum also ist der Bauernverband gegen das Volksbegehren? Klar ist, wenn mehr Flächen ökologisch bewirtschaftet werden, wird gleichzeitig weniger Spritzmittel benötigt und Bayer/Monsanto macht weniger Umsatz. Lieber Bauernverband: Oder liege ich falsch? Die Landwirte selbst sind vielfach für das Volksbegehren. Dies wird dadurch bestätigt, dass die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft das Volksbegehren unterstützt. Denn die mit dem Volksbegehren vorgeschlagenen Maßnahmen sind dringend notwendig. Wer glaubt, mit Freiwilligkeit kommt man hier weiter, der irrt. Dazu ist die CSU viel zu sehr mit der Agrarlobby verflochten.

Stephan Zipf, 97072 Würzburg

Von Anfang an war ich fest entschlossen, am Volksbegehren teilzunehmen. Nun, wo es konkret wird, möchte ich doch nicht mehr daran teilnehmen. Warum? Mit Sicherheit gibt es viele Gründe, die Verantwortung für den Rückgang der Artenvielfalt in der Landwirtschaft zu suchen. Nun frage ich mich schon: Ist das alles? Liegt nicht da auch vieles an dem Klimawandel, dem wir doch alle nach wie vor viel zu wenig entgegenwirken? Wir erwarten von den Politikern Lösungen, den Klimawandel einzudämmen, bekommen dann meist auch die Antworten, wo andere als Verursacher ausgemacht werden. Ist ja so auch gut! Wir, die Wähler, tragen ja selbst keine Verantwortung, wenn wir nur für Abstellung von Missständen unterschreiben. Warum haben die Politiker nicht den Mut, uns klarzumachen, „Ihr müsst auf einiges verzichten“, wenn der Klimawandel eingedämmt werden soll? Würde ich zur Abstimmung gehen, würde ich zwölf Kilometer (mit dem Auto) fahren! Wenn ich meinen nächsten Urlaub mit einer Schiffsreise durchführen würde und erst zum Ort des Hafens fliegen würde, was ist dann meine Unterschrift wert?

Peter Ludwig, 97828 Marktheidenfeld

Das Volksbegehren hat den Bayerischen Bauernverband auf den Plan gerufen. „Stoppt das Bauernbashing!" poltert dieser. Sehr gerne möchte man natürlich Bienen und Bauern in Eintracht nebeneinander sehen können. Wenn allerdings die konkrete Frage gestellt würde „Bienen oder Bauern?“ Die Antwort müsste: „Bienen!“ lauten. Zwar wäre das erst einmal unkommod für die Bauern, aber vielleicht für diese ein Ansporn, sich durch Einfallsreichtum zukünftig ökologisch erträglicher neben die Bienen zu gesellen. Die Bienen nämlich, wären alle tot, bevor sie sich evolutionär an die aktuelle Landwirtschaft gewöhnt hätten. Und neulich sagte doch einer: „Erst sterben die Bienen und dann der Mensch!“

Thomas Klein, 97509 Kolitzheim

Angesichts der Umweltvernichtung, die der mündige Wohlstandsbürger in seiner Freizeit anrichtet, könnte diesen schon einmal das Gewissen plagen. Deshalb geht er ins Rathaus und macht sein Kreuzchen unter die „Bienenrettung“. Toll, für die nächsten Jahre kann er dann mit gutem Gewissen: Um die Welt fliegen, die Berge mit Schneekanonen und Blechlawinen überrollen, mit Kreuzfahrtschiffen die Umwelt vernichten und was dem Freizeitaktivisten sonst noch so einfällt. Jeder, der auf Flugurlaub, Kreuzfahrten, 150 PS Autos verzichtet, kann mit gutem Gewissen da sein verdientes Kreuzchen setzen. Weil das aber die wenigsten zutrifft, kann eigentlich auch kaum einer unterschreiben. Wir müssen uns aber trotzdem um die Insekten keine Sorgen machen, die haben schon viele Katastrophen überlebt, die werden sicher den Menschen auch überleben.

Franz Löser, 97265 Hettstadt

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