Chance einer neuen Weltordnung

Zum Artikel "Schlauer Schachzug oder Dilettantismus?" (25.10.):

Keine Frage, das politische Durcheinander im Nahen Osten ist auch eine Folge verworrener amerikanischer Außenpolitik. Nicht erst seit Donald Trump ist deren zunehmend chaotisches Prinzip, keinen Plan zu haben. Auch dessen bei uns als Visionär verklärter Vorgänger Barack Obama verliert bei näherer Betrachtung einiges von seinem Glanz. Seine Entschlusslosigkeit ermöglichte erst das russische Eingreifen zur Rettung und Festigung des Terroregimes von Syriens Präsident Assad. Auch die Türkei und Saudi-Arabien haben sich inzwischen in ihrer unheilvollen Verstrickung in einen Dauerkonflikt verrannt. Die Situation wird lediglich noch einigermaßen stabilisiert durch die Existenz Israels als einzig funktionierender Demokratie in Nahost. Dank auch ihres faktisch unangreifbaren Status als Atommacht.

Russlands Präsident Wladimir Putin dürfte sich die Hände gerieben haben angesichts seines entschlossenen militärischen Eingreifens in Syrien und wachsenden Einflusses in der Region bis nach Ägypten und nunmehr auch ins Nato-Land Türkei. Irgendwie finden Autokraten immer zueinander, wenn es ihren Interessen dient. Hier sogar bis nach Teheran.

Jedoch dürfte sich der strategisch denkende Putin zunehmend darüber klar werden, dass er seine militärische Weltmacht und zugleich wirtschaftlich schwaches Russland mit zusätzlichen Ambitionen von der Krim bis in den Nahen Osten überfordert. China beobachtet das alles aus schlauer Distanz. Die Zeit spielt für den immer größeren Bruder im Fernen Osten. Russland leidet unter fehlendem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, maroder Infrastruktur und der lähmenden Korruption in Staat und Gesellschaft. Hinzu kommen die westlichen, vor allem einengend europäischen Sanktionen. Das alles eröffnet die Chance einer neuen Weltordnung wie zuletzt nach 1989.

Es könnten große Stunden der Diplomatie werden, Amerikas Rückzug zu akzeptieren und Russland in einem festen internationalen Gefüge auf die Beine zu helfen. Die Initiative der CDU-Vorsitzenden und gleichzeitigen Bundesvereidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer für eine Schutzzone als UN-Mission in Nordsyrien eröffnet hier zumindest eine völlig neue Denkungsart. Russland unter wachsendem Druck seiner inneren und äußeren Verfassung wieder zurück auf einen Pfad der Tugend zu helfen, auf dem es freilich nie war. Den Einfluss der Türkei zu begrenzen, die jüngst betrogenen Kurden abzusichern, die Schreckensherrschaft in Syrien einvernehmlich aufzulösen und den IS endgültig zu besiegen, ist die aktuelle diplomatische Herausforderung für Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Schließlich liegt es in unserem ureigensten Interesse. Sind unsere wirtschaftlichen Investitionen über kurz oder lang mehr denn je gefragt - im gesamten Nahen Osten wie im Riesenreich Russland. Auf deutsche Soldaten als Teil einer zunächst großen UN-Mission wird dabei niemand zu schießen wagen.

Jochen Freihold, 14052 Berlin

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