Ein Exzellenzstatus ist nicht alles

Zum Artikel "Uni Würzburg setzt auf Exzellenz und Frauen" (10.10.):

Endlich, nach fast einem Vierteljahr seit der Siegerverkündung des jüngsten Exzellenzwettbewerbs der deutschen Hochschulen, hat Würzburgs Uni-Präsident Alfred Forchel zu Beginn des neuen Semesters die Zukunftsdevise ausgegeben. Offenbar mussten auch hier noch Wunden geleckt, interne Abstimmungen erfolgen. War doch das Ergebnis eines Gremiums aus Wissenschaft und Politik für Würzburg zuletzt enttäuschend ausgefallen. Geht es doch beim Exzellenzstatus für nunmehr ein knappes Dutzend deutscher Standorte um einen prestigeträchtigen Titel, Ansehen von "Elite-Universitäten" und einigermaßen viel Geld, das nunmehr potenziell ohne zeitliche Begrenzung über sieben Jahre hinaus fließt. Dreiviertel der jährlich 148 Millionen Euro kommen dabei vom Bund, ein Viertel vom betreffenden Land. Würzburg hätte theoretisch bis zu 15 Millionen pro Jahr beanspruchen können.

"Sekt oder Selters" hieß es beispielsweise in Berlin vor der Entscheidung. Für die Verwirklichung ihrer neuen Strategiekonzepte, offiziell Cluster genannt, erhalten ab diesem ersten November elf Unis und Berlins Verbund dreier Hochschulen plus der Charité jährlich insgesamt 533 Euro. Während der ersten beiden Förderphasen 2006 bis 2017 erhielten die bisherigen Leuchttürme deutscher Wissenschaft bereits zusätzliche 4,6 Milliarden Euro. Würzburg ging dabei leer aus. Obwohl auch hier in einzelnen Disziplinen elitäre Spitzenforschung von weltweit anerkannten Wissenschaftlern betrieben wird. Aller Anlass also, die bisherige Vorgehensweise zu überdenken.

Die Initiative von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) pro Würzburg ist vor diesem Hintergrund zu sehen. Zusätzlich soll ein Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) entstehen. Die Schieflage in Bayern zeigt sich auch darin, dass sich 40 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen derzeit auf den Großraum München konzentrieren, nur elf im übrigen Bayern.

Allerdings galt zu meiner Zeit an der Bayerischen Julius-Maximilians-Universiät zumindest in beiden Fakultäten noch der unausgesprochene Grundsatz: Das einzige, was uns verbindet, ist die gemeinsame Zentralheizung. Heute dagegen gilt in der modernen Wissenschaft längst, dass die Zeit der genialen Einzelkönner unter den Professoren vorbei ist. Komplexe Probleme bedürfen zur Analyse und Erforschung eines funktionierenden Netzwerks von Experten aus verschiedenen Disziplinen. Beispielsweise in der Klimaforschung. Unzureichend ist die chronische Unterfinanzierung aller deutschen Universitäten nicht nur im Vergleich internationaler Spitzenhochschulen. Allein der fällige Sanierungsaufwand für Gebäude geht un die Milliarden. Die Grundmittel wurden über Jahre gekürzt.

Zwar können inzwischen nach amerikanischem Vorbild Drittmittel aus der Wirtschaft eingeworben werden. Allerdings mit Ablaufdatum und der Folge befristeter Verträge bei Mitarbeitern. Auch hierzu sollte Würzburgs Uni-Präsident einmal erwas sagen. Wie auch zum zahlenmäßigen Betreuungsverhältnis und zur Wohnsituation aller Studierenden.

Man sieht, ein Exzellenzstatus mag wichtig sein, ist aber nicht alles. Wenn nur das entgangene Geld nicht wäre. Immerhin fördert die Würzburger Alma Julia ihr internationales Ansehen durch mehr als 130 Partnerschaften weltweit. Hinzu kommen die Verbindungen von Fakultäten und Lehrstühlen, davon allein über 600 in Europa. Plus der Förderprogramme für Studenten. Darüber hören und lesen wir noch viel zu wenig.

Jochen Freihold, 14052 Berlin

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