Nüchterne Zahlen hinter den Prozenten

Zu Artikeln und Kommentaren über das Ergebnis der Europawahl:

Der Erfolg der Grünen, mit ihrem alles überragendem Thema Klimawandel, wird von den Medien gefeiert, als würde eine überwältigende Mehrheit der deutschen Wähler den Klimaschutz als eines der wichtigsten Ziele ansehen. Leider wird bei der Gewichtung der Prozentzahlen übersehen, dass hinter den Prozenten nüchterne Zahlenmengen stehen, die ein differenzierteres Bild des tatsächlichen Wählerverhaltens zeigen. Zur Europawahl 2019 waren in Deutschland 61,6 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen. Bei einer Wahlbeteiligung von 61,4 Prozent haben demnach „nur“ rund 37,4 Millionen Wähler (plus 400 000 ungültige Stimmen) tatsächlich ihre Stimme abgegeben. Die Grünen wurden mit 20,5 Prozent aus 37,4 Millionen gewählt, was in etwa 7,7 Millionen Wählern entspricht. Wenn man sich jetzt der Einfachheit halber eine Gruppe von 100 Wahlberechtigten vorstellt, sind gleich mal (gerundet) 38 nicht zur Wahl gegangen und haben damit auf ihr demokratisches Recht auf Mitbestimmung verzichtet. Aus 100 Wahlberechtigten haben also 13 Bürger die Grünen gewählt. Dass die Grünen das als gigantischen Sieg feiern, kann man verstehen und ist ja auch demokratisch legitimiert. Dass aber von 100 Wahlberechtigten 87 nicht die Grünen gewählt haben und damit auch deren Ziele nicht favorisieren, wird von den Medien gerne ignoriert. Wobei ich keineswegs die Wichtigkeit der Maßnahmen gegen den Klimawandel kleinreden möchte. Robert Habeck von den Grünen hat es sehr schön auf den Punkt gebracht: „Das Ergebnis (der Wahl) macht uns auch ganz schön demütig. Alle wissen, dass wir liefern müssen“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hermann Kneitz, 97209 Veitshöchheim

Seien wir doch ehrlich! Diese „Europawahl“ war eigentlich gar keine Europawahl. Dies stand nur auf den Plakaten der Parteien und auf dem Stimmzettel. In Wirklichkeit war es eine „Zwischenwahl“, die den Wählern als beste Gelegenheit erschien, der bisherigen Großen Koalition in der Regierung einen gehörigen Denkzettel zu verpassen. Es ist ja fast die Hälfte der Legislaturperiode in Deutschland vorbei – und was haben sie alles falsch gemacht, diese etablierten Parteien. Beispiele: Merkel verspricht eine Million E-Autos bis Ende 2020. 2019 sind jedoch nur 83 000 zugelassen; kein Tempolimit („Gegen jeden Menschenverstand“); Seehofersche 10H-Regelung (Ihre Zeitung titelt „Bau von Windrädern stagniert“); partikulare Interessen „Energiewende: Ja – Suedlink: Nein“ (Sie titeln „Wie eine Stromautobahn polarisiert“) und der Gesetzgeber greift nicht ein; Einführung einer gesamteuropäischen Finanztransaktionssteuer: abgelehnt von der GroKo; Absenkung der CO2-Grenzwerte: abgelehnt von der GroKo; Besteuerung von Google etc.: abgelehnt von der GroKo; Ende der Braunkohlenförderung erst 2038, wenn die Konzerne ihre satten Gewinne gemacht haben und vermutlich alle Braunkohlenflöze sowieso abgebaut sind. Dass die Grünen, denen Millionen Stimmen von der CDU/CSU und der SPD zugeflossen sind, alle diese Themen jetzt effektiv aufgreifen und die etablierten Parteien zwingen, notwendige Änderungen zugunsten unserer Welt in Zukunft mitzutragen, ist eigentlich unser aller Wunsch.

József Bogár, 97074 Würzburg

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