Es gibt mittlerweile einen neuen Schuldigen: die Natur selbst

Zum Artikel "Mehr Einsatz für die Natur" (12.1.):

In dem Beitrag spricht sich unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel für 30 Prozent der Erde unter Schutz aus. Dieser Forderung kann ich mich nur anschließen. Als glaubwürdiger würde ich die Forderung einschätzen, wenn Deutschland mit gutem Beispiel voranginge und einen Nationalpark vor unserer Haustüre im Steigerwald ausweisen würde. Aber wenn es um viel Geld geht, wie bei der Holznutzung, sind beim Schönrechnen, Schönreden, bei Ausreden, unbewiesenen Behauptungen, Fehlinformationen, Verdrehungen und beim auf den Kopf- Stellen von Wahrheit und Wirklichkeit keine Grenzen gesetzt. Die Profiteure der Holzwirtschaft versuchen mit absurden Behauptungen die Nutzung der Wälder als Schutz des Waldes darzustellen. Nach den Grundsätzen der Werbung werden die von der ökologischen Wissenschaft widerlegten Behauptungen stets in der Öffentlichkeit wiederholt, was allerdings den fehlenden Wahrheitsgehalt nicht erhöht. Trotzdem wird weiter getäuscht, werden Wahrheiten erfunden, wird Ökologie mit Ökonomie durchmischt und von den eigenen Taten, nämlich von dem derzeitigen massiven Einschlag im Buchen- Staatswald des Steigerwaldes abgelenkt.

Und es gibt mittlerweile einen neuen Schuldigen: die Natur selbst. Die Forstlobby publiziert, dass die Natur durch Hitze und Trockenheit die Staatsforste zum Einschlag der mächtigen Buchen zwingt. Dass der Wald vom Menschen umgebaut werden muss, weil die Natur mit den Mitteln von massenhaft auftretenden Schadinsekten und immer stärker werdenden Stürmen die auf ungeeigneten Standorten und Waldböden angepflanzten Monokulturen von Fichten- und Kiefernforsten vernichtet. Darüber hinaus spült die Natur durch Starkregen den Humus weg, der wegen der schwersten Holzernte- Maschinen massiv verdichtet ist und deshalb kaum mehr Wasser speichern kann. Ferner trägt die Natur neben den Fäll- und Auflichtungsarbeiten der Forstbetriebe dazu bei, die Kronendächer der Buchenwälder durch absterbende Bäume stark aufzulichten. Es ist unverzeihlich, dass die Natur sich zersetzende Bäume mit einer Verbesserung des humosen Waldbodens belohnt, dagegen beim Verbrennen von Holz nicht verhindert, dass ungesunde Schadstoffe und eine Menge von krankmachendem Feinstaub sofort in die Luft abgegeben werden und die Atmosphäre verschmutzt bzw. aufgeheizt wird.

Dabei hat man sich schöngerechnet, dass das Verbrennen von Holz klimaneutral sei, weil für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt und somit ein ewiger Kreislauf eingeleitet würde, der allerdings viel Zeit benötigt, die die Natur nicht mehr bereit ist, zu gewähren. Nicht zu vergessen: Die Natur hat vor Jahrzehnten viele Bäume absterben lassen, weil die Kraftwerke eine große Menge an schwefelhaltigen Schadstoffen in die Luft gepustet haben und das Ozonloch mit unseren FCKW Mitteln forciert wurde. Die Natur hat sich erst vom Waldsterben abbringen lassen, nachdem der Schwefel durch Filter gebunden wurde und weltweit FCKW haltige Mittel verboten wurden. Macht es Sinn, bei einer solchen Natur die Wälder sich selbst zu überlassen? Diese Frage stellt allen Ernstes die Forstlobby. Ein ihr nahe stehender Politiker setzt sogar noch einen drauf: „Die Natur muss vor sich selbst geschützt werden“. Natürlich geht es heute ohne den Menschen nicht mehr, obwohl es etwa 300 Millionen Jahre Wälder, etwa 300 Tausend Jahre Menschen und etwa 300 Jahre Förster gibt. Das Motto der Forstlobby ist einfach und gut zu verstehen: Natur ist etwas Wunderbares, solange sie uns nicht beim Geldverdienen und Eigeninteresse stört. Die Natur muss sich in Euro und Cent rechnen und ihren Beitrag zum Bayerischen Haushalt leisten, auch wenn er noch so gering ausfällt. Nur- wir Menschen sind ein Teil der Natur. Die Natur braucht uns nicht. Und der Wald?

Der Waldexperte Dr. Hans Bibelriether bringt es auf den Punkt: „ Forstleute wollten den Wald nur nützen statt schützen. Holz machen, auf die Jagd gehen, aber nicht wachsen lassen. Ein psychologisches Problem, weil der Wald ohne sie wächst“. Nach Auffassung des Bundesamtes für Naturschutz sind deutsche Wälder ökologisch nicht vorbildlich, sondern zum größten Teil naturferne Kunstforste, was auch die letzte Bundeswaldinventur zeigt: „54 Prozent sind standortfremde Nadelbäume. Meist in Monokultur auf 80 Prozent der Waldfläche wächst nicht die dort natürliche Waldvegetation“. Und der Anteil der Buchen in Deutschland, die älter als 140 Jahre sind, beträgt nur noch etwa 0,7 Prozent und der Anteil der Buchen, die älter als 160 Jahre sind, macht nur noch 0,27 Prozent aus. Alte und dicke Bäume, Biotopbäume und Biotopholz (Totholz) sind in den Wirtschaftwäldern absolut rar. Bevor wir den ökologischen Blick weit über unsere Grenzen schweifen lassen, sollten wir unsere eigenen ökologisch motivierten Hausaufgaben machen.

Erich Helfrich, 97332 Volkach

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