Es ist höchste Eisenbahn, mit naturgerechter Forstwirschaft in öffentlichen Wäldern zu beginnen

Zum Artikel „Wie können wir unseren Wald retten?“ (14.11.):

Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Schäden im Wald steigen, obwohl die Rehwildbestände wesentlich gesenkt worden sind. Und an allem soll das Rehwild schuld sein. Das hat nichts mit dem Problem der Zahl zu tun, also mit eventuell zu vielen Rehen auf einer bestimmten Flächeneinheit. Die Ursachen des sogenannten Rehwildproblems liegen in den Lebensumständen, die wir Menschen dem Wildtier heute zubilligen. „Wald ohne Wild ist Wald ohne Seele“. Eine Forstinventur brachte es an den Tag: Das Schalenwild verursacht 13 Prozent der gesamten Waldschäden. Die anderen 87 Prozent verteilen sich auf: Windbruch, Schneebruch, Rücke-schäden. Durch die schweren Forstmaschinen Harvester und Forwarder werden Tausende von Jungpflanzen vernichtet. Es gibt Einwirkungen von Borkenkäferfraß, Verbiss durch Mäuse und Grundwasserabsenkung. Es ist einfacher, einem Tier (Reh) die Schuld in die Schalen zu schieben. Besonders nachdem man den Lebensraum der Wildtiere zerstört hat. Mit den Aussagen von Ulrich Mergner wird im Forstbetrieb ein Feldzug gegen das heimische Reh geführt. „Zahl vor Wahl“. Das Rehwild hat seine Daseinsberechtigung, seine ökologische Funktion, und seine vollständige Vernichtung wäre mit den Zielen des Tier- und Artenschutzes sicher nicht vereinbar.

Toni Zembsch, 97453 Schonungen

In dem Artikel wird ein Gegensatz dargestellt. Dies ist nicht gut. Wir brauchen beide: den hervorragenden Förster mit zukunftsträchtigen Ideen und den engagierten Naturschützer unserer Heimat. Sie sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Vielleicht erweitern sie noch ihr Repertoire um Lebensräume wie Waldwiesen und Moore. Diese sind größere CO2-Speicher wie Wälder. Dann kann man auch mit dem „große Bäume pflanzen“ aufhören. Zum Teil auf nicht geeigneten Böden. Wir brauchen Pflanzengesellschaften, die an das jeweilige Klima angepasst sind. Diese kommen im Laufe der Jahre von ganz alleine. Die „Aktivisten“ auf diesem Gebiet sollten sich lieber um die abgeholzten Wälder rund ums Mittelmeer kümmern. Da wäre seit Jahrtausenden etwas zu tun. Oder in der Sahelzone die Ziegenbeweidung eindämmen. Diese trägt zur Vernichtung von Baumwachstum bei. Dann wäre auch die Botschaft von den zwei Teilnehmern am Streitgespräch angekommen.

Eckhard W. K. Beck, 97084 Würzburg

Das Streitgespräch zwischen dem Förster und Leiter des Staatsforstbetriebes Ebrach Ulrich Mergner und dem Biologen und Naturschützer Steffen Jodl ist sehr aufschlussreich. Dafür herzlichen Dank an die Redakteurin Angelika Kleinhenz. Ich möchte zu diesem Thema Dr. Hans Bibelriether, Förster, geborener Steigerwälder und 29 Jahre lang Leiter des ersten deutschen Nationalparks Bayerischer Wald zitieren: „Forstleute wollten den Wald nur nützen statt schützen. Holz machen, auf die Jagd gehen, aber nicht wachsen lassen. Ein psychologisches Problem, weil der Wald ohne sie wächst. Windwurf, Schneebruch und Borkenkäfer sind Methoden der Natur, aus einem instabilen Wirtschaftswald einen stabilen Naturwald zu machen. Ein dritter bayerischer Nationalpark im Steigerwald wäre von Vorteil für Franken und Bayern.“ Diesen Worten kann ich mich nur anschließen.

Erich Helfrich, 97332 Volkach

Man fragt sich beim Lesen des Streitgesprächs zwischen BN-Jodl und BaySF-Mergner schon, wozu es so ein polarisierendes Interview braucht. Unsere Staatswälder in Bayern brauchen dringend beides, das Trittsteinkonzept in allen Forstbetrieben Bayerns (erst mit bayernweiter Reputation kann es ein Exportschlager werden) und große Schutzgebiete als ökologisches Reservoir, Vergleichsmöglichkeit und Refugium für seltene Tiere und Pflanzen. Die Vermutung von der wuchernden klimauntauglichen Buche, die die tüchtige Eiche verdrängen könnte, gehört ins Reich der Legenden. Realismus ist angesagt: ein Trittsteinkonzept und Großschutzgebiete. Es sollte für einen Naturpark normal werden, dass er einen Nationalpark als Kernzone enthält! Besser, wir hätten zehn Jahre früher damit angefangen. Nichtsdestoweniger wird es jetzt höchste Eisenbahn, dass wir mit naturgerechter Forstwirtschaft in unseren öffentlichen Wäldern beginnen.

Nico Brändlein, 97357 Prichsenstadt

Ist es sinnvoll, im Klimawandel den Wald stillzulegen? Stilllegen ist eher negativ besetzt und es hört sich nicht nach der Aufbruchstimmung an, die in der Klimakrise das notwendige Handeln einleiten könnte. Wäre es nicht besser, zu fragen, ob in der Klimakrise die forstliche Belastung des Waldes verringert werden sollte? Wo sonst als in den alten Laubwäldern könnte Deutschland seine Natur besser schützen? Sie sind der ursprünglichen Natur am nächsten, somit der Aufwand am geringsten. Gerade in Zeiten der Klimakrise brauchen wir Wälder, wo erforscht werden kann, wie die Natur sich selbst hilft. Man findet ja vertrocknete Bäume vor allem dort, wo durch Holzeinschlag, Rückegassen und Waldstraßen große Lücken im Kronendach klaffen. Bodenschäden durch schwere Maschinen verstärken den Wassermangel zusätzlich. Da wird einem klar, wenn es kaum noch seltene Arten, keine Biotopbäume und keine unentdeckten Winkel mehr im Wald gibt, dass ein paar Menschen weniger im Wald herumfuhrwerken sollten. Nutzungsfreier Wald ist nicht „still“gelegt. Im Gegenteil: Hier tummelt sich mehr Leben als im Wirtschaftswald. Wenn die heutige Forstwirtschaft mit ihren massiven Eingriffen stillgelegt wird, dann kommen die Wunder des Waldes zum Vorschein. Und die haben einen großen Nutzen. Auch wenn sie selbstverständlich erscheinen, sollten sie uns wichtiger sein als überzogene Renditeerwartungen. Das gilt besonders für unsere öffentlichen Wälder.

Nikolaus Rebhan, 97775 Burgsinn

Herr Jodl verneint, dass sich in selbst überlassenen Wäldern ein Gleichgewicht zwischen der Aufnahme von Kohlenstoff (C) aus der Luft und der Emission durch Verrottung einstellt. Herr Jodl liegt hier falsch! Denn wir müssen bei dieser Frage den Blick vom Waldbestand weg auf die Landschaftsebene lenken. Zyklen von Akkumulation und Zusammenbruch sind typisch für Waldwildnis-Landschaften, ihre  Biomasse ist kaum höher als die in unserem Wirtschaftswald und ihre Netto-C-Aufnahme geht mittelfristig gegen Null. Sehr alte Wälder kommen auch in unberührten Waldwildnis-Landschaften aufgrund der kumulativen Wahrscheinlichkeit von Störungen selten vor, nur wenn Störungen über Jahrhunderte ausbleiben, können sich sehr alte Wälder entwickeln. Schließlich sind ja auch 110-jährige Menschen die Ausnahme und nicht die Regel.  Wälder sind labile C-Speicher. Der Klimawandel wird dafür sorgen, dass Wälder ohne Nutzung viel Kohlenstoff wieder verlieren. Naturschutzwälder werden so zur Klimalast. Nachhaltige Holznutzung dagegen substituiert  fossile Energie bei stabilem Waldspeicher, das so vermiedene CO2 kann uns nie mehr auf die Füße fallen! Waldnaturschutz ist nötig, keine Frage. Aber er geht auf Kosten des Klimas.

Prof. a.D. Roland Irslinger, 72074 Tübingen

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