Macht die Augen auf und schaut über den Tellerrand hinaus

Zum Artikel "Deponie im Wasserschutzgebiet?" (30.4.):

Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt und steigt, bis 2030 geht man von einem jährlichen Neubaubedarf von 230.000 Wohneinheiten aus. Jeder weiß: Bei Baumaßnahmen fallen nicht vermeidbarer Aushub und Bauabfälle an, die vor allem auf hierfür vorgesehenen DK1-Deponien (landläufig früher „Bauschuttdeponien“ genannt) umweltverträglich entsorgt werden müssen. Umweltverträglich? Die deutsche Deponieverordnung, die auf Vorgaben europäischen Rechts beruht, basiert auf einem Multibarrieren-System und einer Schadstoffbegrenzung für abzulagernde Abfälle, je nach Deponielasse. Für DK1-Deponien sind vorgeschrieben (von unten nach oben) eine geologische Barriere (z. B. tonige Schichten), eine Basisabdichtung mit Entwässerungsschicht, eine Oberflächenabdichtung mit Entwässerungsschicht und eine abschließende Rekultivierungsschicht. Sollen die angesprochenen Bauabfälle über große Entfernungen in andere Deponien transportiert werden, wo wir doch alle aufgerufen sind, vermeidbare Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren? Also, was wollt Ihr Kritiker eigentlich noch mehr?
 
Und für das Bauen braucht man vor allem mineralische Rohstoffe. Ein nachhaltiger Baustoff ist Gips, aus dem baubiologisch und bauphysikalisch besonders hochwertige Gipsprodukte, wie Gipsplatten und Gipsputze hergestellt werden. Der aus Klimaschutzgründen beschlossene Kohleausstieg bis 2038 führt bereits jetzt dazu, dass der bisher wichtigste Gipsrohstoff aus der Entschwefelung von Kohlekraftwerken, der sog. REA-Gips, mehr und mehr verschwindet. Anderseits steigt die Nachfrage nach Gipsprodukten. Woher sollen denn die Gips-Rohstoffe kommen? Sollen sie aus fernen Ländern über lange Transportketten, verbunden mit erheblichen klimaschädlichen Emissionen, importiert werden? Da ist doch der geplante, umweltschonende untertägige Abbau von heimischem Naturgips die wesentlich bessere Lösung.
 
Leute und Kritiker! Macht die Augen auf und schaut über den Tellerrand hinaus. Der Industriestandort Deutschland braucht Deponien und heimische Rohstoffe. In den Medien häufen sich Berichte, wie: „Sand und Kies werden knapp“, aber auch „Bürgerinitiativen gegen Kalkstein-, Gips- oder Kies- und Sandabbau“. Sicherlich gibt es hier Zielkonflikte zwischen Natur- und Trinkwasserschutz einerseits und dringend benötigtem Rohstoffabbau und Deponieraum andererseits. Aber die umfassenden umweltrechtlichen Anforderungen, denen Genehmigungen zum Abbau mineralischer Rohstoffe und zur Errichtung von Deponien zu Grunde liegen, müssen doch für beide Anliegen zu vernünftigen Kompromisslösungen führen können. Das Sankt-Florian-Prinzip hilft hier jedenfalls nicht weiter.
 
Jörg Demmich, 97084 Würzburg

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