Plädoyer für einen freiwilligen, geschulten "Paten" für jeden Neuankömmling

Zum Artikel "Amberg sucht Normalität" (26.1.):

Ich kann die Angst der Menschen in Amberg und anderswo nach einem solchen Attentat gut verstehen. Das ist schlimm und verunsichert, macht etwas mit uns und oft auch mit unserer Einstellung zu fremd aussehenden Menschen. Dazu ein paar Gedanken: 1. Ich möchte uns alle in diesem Zusammenhang trotzdem um die Wahrung und Bemühung um eine möglichst objektive Haltung bitten. Es gibt so viele Anschläge durch radikalisierte Menschen auch aus unserem eigenen Land. 2. Ganz dringend sollten wir alle den Asylsuchenden in jedweder Weise zu helfen versuchen, sich bei uns besser zu integrieren, sich wohler zu fühlen. Viele kommen hier als traumatisierte Kriegsflüchtlinge an, nicht etwa aus freien Stücken, tun sich dann mit unserer Sprache schwer und stolpern von einem (viel zu hohen) bürokratischen Berg zum nächsten. Die Hürden unserer Bürokratie sind für die meisten gar nicht alleine zu bewältigen. Dann warten sie sich von einem Verfahren zum nächsten, ohne Arbeit (sie dürfen lange Zeit nicht), in schwierigen multikulturellen Wohnverhältnissen, brauchen sehr häufig Rechtsbeistand, den sie z.T. selbst finanzieren müssen, weil es ganz schnell passiert, dass man auf regulärem Weg in einer Sackgasse landet oder ungerechten Amts- bis hin zu Ablehnungsverfahren gegenüber steht. Davon hören und lesen wir nicht so oft. Das gehört aber auch gesagt. Und wenn man dann mal ein paar Einzelschicksale mitverfolgt, kann man sogar verstehen, wie es zu Agression und Gewalt kommen kann. So vieles läuft im Leben vieler dieser Menschen einfach nur belastend. Auf Dauer hält niemand solchen Belastungen unbeschadet stand. Auch bei uns nicht. Ich würde mir einen runden Tisch mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen wünschen - vom Politiker über den Anwalt, den kirchlichen Miarbeiter, den Lehrer, den Mitarbeiter vom Amt, den Arzt, den Psychologen und den ehrenamtlichen Begleiter, für Ideen zu einer gelingenden Integration. Und mein allererster konkreter Vorschlag: Einen freiwilligen, geschulten "Paten" für jeden Neuankömmling bis dieser es selbst schafft..Das setzt voraus, dass wir uns der vielschichtigen Problematik in allen Facetten erst einmal selbst bewusst werden. Und das würde uns allen helfen, gut tun; sicher zu mehr Frieden und Verstehen auf allen Seiten beitragen.

Irmela Kaiser, 97422 Schweinfurt

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