Suche nach den christlichen Wahrheiten

Zum Artikel "Luthers Erbe" (28.10.):

Zwar ist richtig, dass die Thesen von Martin Luther und auch seine Bibel-Übersetzung eine neue Zeit eingeläutet haben und dramatische Veränderungen mit sich brachten. Allerdings schleppte Luther auch "Altlasten" der bis dahin allein herrschenden katholischen Kirche/Religion mit sich. So hat er das den zehn Geboten widersprechende Prinzip vom "gerechten Krieg als letztem legitimen Mittel der Auseinandersetzung" von dem sogenannten Kirchenvater Augustinus bzw. von der kath. Kirche übernommen. Von Christus, der stets der Feindesliebe, nicht aber der Waffenproduktion - und -Verteilung (zur Sicherung von Arbeitsplätzen) das Wort redete, stammt es jedenfalls nicht; es sollte somit augustinisch-lutherisch, jedoch keinesfalls christlich genannt werden. Christus kann für die Kriege der letzten 1700 Jahre, die unter christlichem Vorzeichen geführt wurden, keinesfalls verantwortlich gemacht werden.

Katholisch, protestantisch oder orthodox geprägte obrigkeitsgläubige Soldaten hatten häufig den Satz "Gott mit uns" beiderseits der Feindlinien auf ihren Gürteln. Die in den Kriegszentren gegenwärtigen Militärpfarrer legitimierten für die Soldaten, ja für die Offiziere die Kriegshandlungen, freilich manchmal unbewusst. Wenn die Männer dann gefallen oder verletzt und die Familien oft in größter Not allein gelassen waren, hieß es "Wie konnte Gott so etwas zulassen?"

In seinem Buch "Luther ohne Mythos" greift der Theologie-Professor Dr. Hubertus Mynarek auch die absolute Widersinnigkeit der Prädestinationslehre von Luther auf. Wenn - wie für Luther - das Schicksal bzw. Leben und die Position bei Gott nach dem Tode bereits vorher bestimmt ist und Christus alle Sünden der Menschen durch seinen Kreuzestod getilgt hätte, bräuchte der Mensch sich doch keine Mühe mehr bezüglich eines gottgefälligen Lebens zu geben. Über das Prinzip der Freiheit eines Christenmenschen, sich mit seinen Gedanken, seinem Handeln etc. entweder mehr zu Gott (bzw. zum Paradies) oder mehr zu seinem Widersacher zu entwickeln, bräuchte man dann nicht mehr zu reden. Dann wäre aber die nächste Frage: Warum befinden wir uns wohl auf dieser Erde und nicht bereits im Paradies oder in der sogenannten Hölle?"

Luthers These vom Glauben, der allein genüge (sola fide), ist ebenfalls absurd, widerspricht sie doch den 10 Geboten und der Bergpredigt in haarsträubender Weise. Christus hat so etwas niemals gesagt. Seine Worte waren vielmehr: "Wer diese meine Worte tut, der ist ein kluger Mann." So hat Luther nicht nur einen religiösen und gesellschaftlichen Aufbruch, sondern gleichzeitig viel Irritation unter die Menschen gebracht, so dass viele Gottsucher noch heute verzweifelt nach den christlichen Wahrheiten suchen; leider wurden diese häufig bis zur Unkenntlichkeit verdreht und verschüttet.

Regina Maria Leshel, 97839 Esselbach

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