Überflüssig und geschichtsvergessen

Zum Artikel „,Rasse' soll verschwinden“ (2.11.):

Im Zuge der „No Nations – No Borders“-Kampagne beeilt sich unsere Bundesregierung nunmehr, unser gutes altes Grundgesetz zu entrümpeln. Der Begriff „Rasse“ wird gestrichen und im Giftschrank der Geschichte entsorgt. Ich gehe fest davon aus, dass damit nun alle Probleme hinsichtlich Rassismus gelöst sind. Und ich schlage ähnliche Lösungansätze für Begriffe wie „Mord“, „Totschlag“ oder „Raub“ vor. Die Liste kann beliebig erweitert werden.

Dietmar Christ, 97080 Würzburg

Die Diskussion um die Streichung des Begriffs „Rasse“ aus Artikel 3 des Grundgesetzes ist so überflüssig wie geschichtsvergessen. Das Bundesverfassungsgericht hat hier längst Klarheit geschaffen. In einer Entscheidung vom 17. Januar 2017 hat es unmissverständlich deutlich gemacht: „Menschenwürde ist egalitär, sie gründet ausschließlich in der Zugehörigkeit zur menschlichen Gattung, unabhängig von Merkmalen wie Herkunft, Rasse, Lebensalter oder Geschlecht.“ (BVerfGE, 144) Mit dieser Definition von rechtlicher, sozialer und politischer Gleichheit in Bezug auf Artikel 1 GG wird jeder Möglichkeit, Rassen als real existierend zu interpretieren, ein Riegel vorgeschoben. Zudem wird die Stellung des Grundgesetzes als Gegenentwurf zu Totalitarismus des Nazi-Regimes hervorgehoben und gestärkt. Zudem ermöglicht es nach heutigem Wissensstand – anders als noch damaligen Mitgliedern des Parlamentarischen Rates – „Rasse“ als soziales Konstrukt zu verstehen. Damit bildet der Rassebegriff des Grundgesetzes im Tatbestand des Diskriminierungsverbots das Herzstück eines Rechts gegen Rassismus.

Rolf Köppen, 97218 Gerbrunn

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