Würzburg

Unterm Strich: Aldes und Neues Desdamend

Über Jahrhunderte lag die Heilige Schrift nicht in der Sprache des Volkes vor. Lange war die Bibel vor allem in Latein im Umlauf, teilweise verbot die Kirche Übersetzungen sogar. Inzwischen wurde die Bibel komplett in rund 700 Sprachen übersetzt. Und damit nicht genug: Bis Weihnachten 2023 will der „Arbeitskreis Mundart in der Kirche“ die Bibel ins Fränkische übertragen und sucht dafür noch mundartbewanderte Übersetzer.

Bleibt zu hoffen, dass die fränkische Bibel nicht gleich einer vatikanischen Zensur zum Opfer fällt. Denn ohne leichte inhaltliche Anpassungen kann das Projekt kaum umgesetzt werden. So müsste Moses natürlich den Mee und nicht das Rote Meer teilen, damit das auserwählte Volk trockenen Fußes nüber ans andere Ufer kommt. Noah würde die Sintflut entweder bei Veitshöchheim auf der „Alten Liebe“ oder im Landkreis Kitzingen auf der „Fähre Nordheim“ überleben. Dass die Bergpredigt auf dem Kreuzberg stattfinden müsste, ist ebenso klar, wie der Umstand, dass Jesus über den Ellertshäuser See, nicht über den See Genezareth ging. Außerdem würde Jesus Wasser in Frankenwein verwandeln – in der Hoffnung, dass die Gäste auf der Hochzeit zu Kana einen Unterschied schmecken. Und auch beim letzten Abendmahl – fränkisch: der letzten Brotzeit – würde man Silvaner trinken. Und Brödle brechen.

Knifflig wären dagegen andere Fragen: Wo auf den 6000 Hektar fränkischen Rebflächen liegt der Weinberg des Herrn? Wo das gelobte Land? Wo der Garten Eden? Und wo die Sündenstädte Sodom und Gomorrha? Egal wie die Antworten aussehen: Hauptsache die Botschaft bleibt froh.

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Benjamin Stahl
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