Unterm Strich: Der Impfstoff und der Frankenwein

Ich glaube nicht, dass sich die Leute früher groß Gedanken darüber gemacht haben, aus welchem Pharmaunternehmen der Impfstoff ist, mit dem sie sich gegen Zeckenbiss oder Grippe impfen ließen. Das ist jetzt anders, da wird genau darauf geschaut, aus welchem Labor der Saft für den Oberarm fließt. Da drängen sich fast Vergleiche mit dem geschätzten Frankenwein auf. Biontech-Geimpfte zeichnet eine zufriedene Gelassenheit aus, ganz als ob sie gerade mit einem 15-Euro-Bocksbeutel beschenkt worden wären. Moderna-Geimpfte genießen einen gewissen Exoten-Status. Etwa wie Weintrinker, die im Restaurant ganz genau wissen wollen, auf welchem Wengert der vergorene Traubensaft in ihrem Glas gewachsen ist. Moderna, da schwingt der Hauch des Besonderen mit, ein Flair, das man früher etwa als Pfeife rauchender Volvo-Fahrer genoss. Und dann gibt es noch Astrazeneca mit diesem Image von „Hausmarke“, das man halt nimmt, weil es grad sonst nix anderes zum Saufen gibt. „Rein und runter damit, aber hoffentlich gibt's danach keine Kopfschmerzen“, denken sich manche, für die Promille im Blut wichtiger ist als der Genuss, und sicher auch manche Astrazenecianer. Noch bitterer schmeckt der gemeine Impfneidling. Das eigene Glas ist noch leer, aber der vermeintlich jüngere und gesündere Nachbar bekommt schon einen eingeschenkt. Ein Gefühl wie beim Faschingszug, wenn einem die Kamellen zwar um die Ohren fliegen, aber in den Taschen der zweiten Reihe landen. Meine Empfehlung gegen den Neid: Ein Riesling verkürzt die Wartezeit, bis man ein Impfling wird.

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Helmut Glauch
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