Unterm Strich: Ein Flughafen voller Schmetterlinge

Der silberfarbige Sprinklerkopf ist Schmetterling des Jahres 2020. Gedrungen von Gestalt, hängt er mit Vorliebe von Decken oder Wandvorsprüngen. Auch in gepflegten deutschen Vorgärten hat man ihn schon gesehen. Lange Zeit galt er als gefährdete Art – bis er in Berlin im Rahmen eines großen Feldversuchs neu angesiedelt wurde. Inzwischen leben dort wieder 78 000 Sprinklerköpfe. Dies alles ist natürlich kolossaler Quatsch. Doch wie anders als mit Humor soll man sich der Eröffnung des Berliner Großflughafens nähern? Nach einem Wimpernschlag von 24 Jahren Planungs- und Bauzeit soll dieses Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst Ende Oktober bereit zum Abflug sein. Das war es 2012 schon einmal, dann aber gab es ein paar „unerwünschte Verzögerungen“, wie die Architekten dieser Tage verlauten ließen – nun ja, nichts Dramatisches, ein paar Mängel eben, die es zu beheben galt. 17 500, um genau zu sein. Oder waren es 175 000? Egal, beim Brandschutz wurde nachgebessert – daher die vielen Tausend Sprinklerköpfe. Und nun? Fallen auf dem Gelände plötzlich die Vögel tot vom Himmel, wie man gerade in der Zeitung lesen konnte. Was das zu bedeuten hat? Das verriet der Artikel leider nicht. Vielleicht ist es langsam auch genug der düsteren Ahnungen. Vielleicht möchte man jetzt einfach mal abheben und dabei auch dem tief gesunkenen Bundesverkehrsminister einen kurzen Höhenflug gönnen. Dessen Millionengrab Maut relativiert sich angesichts der versenkten Milliarden beim Flughafen BER. Wenn es nichts wird mit der weiteren Karriere, kann Andreas Scheuer immer noch Sprinklerköpfe züchten.

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