Unterm Strich: Glosse: Spaziergänger auf Abwegen

Komm, lass uns spazieren gehen!“ Wem lacht da nicht das Herz, wenn er von einem lieben Menschen dazu aufgefordert wird. Vor allem dann, wenn draußen die Sonne lacht und der Hund schwanzwedelnd und mit der Leine im Maul in der Tür steht. So ein unbeschwerter Spaziergang war zumindest bisher eine Art Synonym für die Leichtigkeit des Seins. Nicht umsonst sprechen wir davon, dass Dinge, die nicht einfach zu bewältigen sind, eben „kein Spaziergang“ sind. Seit diese Art der Fortbewegung an der frischen Luft von gewissen Kreisen für Proteste gegen die Corona-Politik instrumentalisiert wird, ist der gute alte Spaziergang gewissermaßen auf den Hund gekommen. Tatsächlich sind solche „Nachtwanderungen mit politischem Anliegen“, um es mal diplomatisch auszudrücken, alles andere als ein unbeschwertes Lustwandeln mit Freunden, um gemeinsam Löcher in die Luft zu gucken, sondern eine Art Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Das ist leider nicht annähernd so lustig wie das Spiel zwischen Katze und Maus in der Zeichentrickserie „Tom & Jerry“ – weshalb man, wenn man schon glaubt, dort mitmachen zu müssen, wenigstens Kinder und Hunde daheim lassen sollte. Wer diese Art der Freiluftbetätigung schätzt, sollte sich lieber auf das beinahe ausgestorbene „Fangerles“ besinnen. Das kann man prima mit Gleichgesinnten und ohne Polizei auf der Wiese oder in Hinterhöfen spielen. Einfach von 10 000 000 bis null rückwärts runterzählen und dann „Ich fang dich“ rufen. Vielleicht ist dann auch die Pandemie, die eben kein Spaziergang ist, halbwegs vorbei.

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Helmut Glauch
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