VATIKAN

Unterm Strich: Lateinische Verhütung

Latein gilt gemeinhin als tote Sprache. Obwohl sie wie eine Untote auch heutigen Schülern noch eine sehr lebendige Tortur (übrigens ein lateinisches Wort) sein kann. Wer mit Begriffen wie „Ablativus absolutus“ oder der Abkürzung AcI für „Accusativus cum Infinitivo“ etwas anfangen kann, wird sich erinnern. Statt auf dem Friedhof der Sprachgeschichte also in Vergessenheit zu geraten, ist Latein auch im 21. Jahrhundert noch quietschfidel.

Das Narrativ (noch so ein lateinisches Wort) von der toten Sprache gehört ins Reich der Legenden (das Wort kommt auch aus dem Lateinischen). Und als wäre die Sprache der alten Römer nicht schon wortreich genug, vermehrt sich der lateinische Wortschatz sogar noch: Eine vatikanische Kommission erfindet nämlich Vokabeln für die Neuzeit. So könnten die alten Römer heute in einer Taverne (kommt aus dem Lateinischen) den Barkeeper – tabernae potoriae minister – rufen und einen Heringssalat – acetaria aringorum – bestellen. Und bevor der Papst seine tägliche Twitter-Botschaft auf Latein schreibt, könnte er den Römern erklären, dass er dazu an sein instrumentum computatorium geht.

15 000 Wortneuschöpfungen haben die vatikanischen Sprachakrobaten (Überraschung: „Akrobat“ kommt aus dem Griechischen) schon ersonnen. Darunter auch Begriffe für „Glühbirne“ (lampada electrica), „Gewerkschaft“ (opificium collegium) und gleich zwei für „Kondom“: praeservativum und tutamentum. Trotz dieser doppelten Verhütung scheint eine Geburtenkontrolle neuer Latein-Vokabeln aber nicht gewährleistet zu sein.

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Benjamin Stahl
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