Unterm Strich: Not macht erfinderisch

Es braucht gar keine Philosophen in dieser Frage, keine komplizierten Statistiken. Der Volksmund weiß doch längst Bescheid: Not macht erfinderisch. Die kleinen grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren, wenn der Mensch ein Problem erkennt und die Lösung sich geschickt getarnt hat. Das war so – und das bleibt so. Wen nach dem Zweiten Weltkrieg die Lust auf Kaffee packte, der behalf sich mit einem Ersatz aus Gerste, Malz, Roggen, Eicheln oder Bucheckern – geboren war der Muckefuck. Ein Mann namens Schetelig aus dem Ruhrpott erfand die Fanta, weil in den Kriegsjahren die Zutaten für die Coca-Cola-Produktion zur Neige gingen und die braune Brause von 1942 bis 1949 in Deutschland nicht mehr erhältlich war. Konrad Adenauer tüftelte am innen beleuchteten Stopfei – durchgesetzt hat es sich leider nie. Auch Corona beflügelt die Fantasie. Die Gretchenfrage des Jahres lautet: Wohin mit der Maske? Mal liegt sie zusammengeknüllt auf dem Schreibtisch (Keimschleuder), mal baumelt sie am Ohr (hält nicht gut), mal hängt sie am Handgelenk (modische Zumutung). Eine medizinische Notwendigkeit – aber eben auch eine ästhetische und eine hygienische Herausforderung ist das Stück Stoff. Den „Masken-Keeper“, ein kleines Etui für die Maske, hat deshalb der Rentner Rudolf Kuntz aus Senden erdacht. „Es ist so ziemlich der einzige Artikel bei mir, der im Moment etwas läuft“, sagt Kuntz dem Südwestrundfunk. Reinigen lässt sich das Mäppchen in der Spülmaschine. Was Virologen dazu sagen, ist nicht bekannt. Aber alle, die Ordnung lieben, werden jubeln. Hach, Corona.

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