ARNSTEIN/KARLSTADT

BI: Die B26n könnte trojanisches Pferd werden

Schwerlastverkehr in der Arnsteiner Marktstraße: Mit dem Bau der B 26n soll damit Schluss sein. Foto: Günter Roth

Am 2. Dezember hat der Bundestag den Bundesverkehrswegeplan gebilligt. Darauf hatte man in Bayern offenbar hingefiebert. Denn schon ist das Staatliche Bauamt Würzburg mit der konkreten Planung für die B 26n zwischen Arnstein und Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) beauftragt.

Arnstein frohlockt, weil sich damit ein Ende der massiven Verkehrsbelastung im Stadtkern abzeichnet. Dagegen prophezeit die Bürgerinitiative gegen die Westumgehung Würzburg/B 26n, dass Karlstadt zu einem „neuen Arnstein“ wird.

In dem Werntalstädtchen quälen sich Lastwagen in Richtung Schweinfurt durch die enge Marktstraße. An der engsten Stelle ist nur auf einer Seite ein schmaler Gehsteig. Aus Richtung Schweinfurt fährt der Schwerlastverkehr den abschüssigen Schützenberg hinunter. Daher feiert Bürgermeisterin Anna Stolz den jetzigen Schritt als Riesenerfolg. Jahrelang hatte die Stadt bei Behörden und Politikern die Verkehrsentlastung angemahnt und zuletzt damit gedroht, den Schützenberg für den überörtlichen Schwerlastverkehr zu sperren.

Die Bürgerinitiative (BI) warnt, mit der Beseitigung des Flaschenhalses Arnstein werde die Strecke attraktiver. Sie werde erheblich mehr Schwerlastverkehr anlocken. Der stellvertretende Sprecher Armin Beck (Karlstadt) kritisiert, es sei bislang nicht geklärt, wie der Verkehr in Karlstadt abfließt. Auch gebe es keine Verkehrsuntersuchungen zur jetzt vorgesehenen zweispurigen Variante. „Wir hatten es nicht für möglich gehalten, dass eine Trasse mit so wenig fachlicher Grundlage in den Bundesverkehrswegeplan kommt.“

Auch die BI begrüße eine Entlastung von Arnstein und des Werntals mit einer zweispurigen Höhentrasse. Beck: „Aber diese darf nicht das trojanische Pferd für eine spätere Autobahn sein.“

Beck sieht Indizien, dass sie aber genau das ist: Die Trasse ist nach wie vor als Verbindung zwischen dem Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und der A 3 bei Waldbrunn im Landkreis Würzburg vorgesehen – bis Karlstadt im „vordringlichen Bedarf“ und bis Waldbrunn im „weiteren Bedarf“. So ist auch weiterhin der Zubringer hinter dem Berg „Saupurzel“ vorgesehen, wo der Flugplatz des Luftsport-Clubs ist. Besser fände es Beck, sie würde nördlich von Karlstadt an die B 27 – die wichtige Verbindungsachse von Würzburg über Hammelburg nach Fulda – angebunden werden. Das sieht auch Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck so.

Dramatisch für den Lärmschutz sei, dass die zweispurige Variante ohne Tunnel am Karlstadter Kalvarienberg gebaut werden kann, betont BI-Sprecher Armin Beck. „Wenn sie dann später auf vier Fahrspuren ausgebaut wird, wird man sich diesen sparen, weil die Einkerbung ja schon vorhanden ist.“

Für den Verkehrswegeplan angemeldet waren sowohl der autobahnartige als auch der zweispurige Ausbau mit Überholmöglichkeiten. Weil nun die schmalere Variante zum Tragen kommt, seien engere Radien möglich, sagt Michael Fuchs, Bereichsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt. Er bestätigt auf Anfrage, dass die Straße später autobahnartig aufgerüstet werden könnte.

Man werde zwischen Arnstein und Karlstadt wohl zwei Bauabschnitte bilden. Fuchs räumt ein, dass die Auswirkungen auf das nachgeordnete Straßennetz noch zu untersuchen seien. Die technische Planung werde nun circa ein Jahr dauern. Wann im Planfeststellungsverfahren Baurecht geschaffen werden kann, hänge von den Widerständen ab.

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