WÜRZBURG

Bürger sollen Wasser sparen

Es ist trocken in Mainfranken – zu trocken. In weiten Bereichen der Region regnet es generell nur etwa halb so viel wie in Südbayern. Daher gibt es hier auch bayernweit die geringste Grundwasserneubildung. „Die Grundwasserstände in Unterfranken sind aktuell niedrig bis sehr niedrig“, erklärt Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Aschaffenburg. Durch drei trockene Winter in Folge konnten sich die Grundwasserstände nicht erholen. Mehrere Gemeinden haben sich nun an die Bürger gewandt und per amtlicher Anordnung zum Wasser sparen aufgerufen. Wasser ist unsere wichtigste Ressource. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Ohne Wasser wächst kein Obst, kein Gemüse und auch kein Wein. In Bad Königshofen (Lkr. Rhön-Grabfeld) und den umliegenden Gemeinden ist der Grundwasserpegel so niedrig, dass die Verwaltungsgemeinschaft handeln musste. Bereits seit April ist es dort verboten Trinkwasser zum Besprengen von Gärten oder Sportplätzen, zum Abspritzen von Fahrzeugen, zum Bewässern und zum Befüllen von privaten Schwimmbecken zu verwenden. „Es ist das erste Mal, dass wir solch eine Verordnung erlassen mussten“, sagt eine Sprecherin.Kinofilm, Serie und ein neues Buch: Seit drei Jahren schreibt Jan Weiler sehr treffend über sein Leben mit zwei Teenagern. Nun kommt „Das Pubertier“ ins Kino. Im Interview verrät der Bestsellerautor, warum er keine Ratgeber über die Pubertät braucht. Auch in Oberelsbach (Lkr. Rhön-Grabfeld) ist das Wasser knapp. Für die Trinkwasserversorgung gebe es zwar drei Brunnen und eine Quelle, doch die Quellschüttung, das heißt die Wassermenge, die aus der Quelle austritt, sei rückläufig, berichtet Birgit Erb, Bürgermeisterin von Oberelsbach. Per Posteinwurf wurden die Bürger dort aufgefordert, Wasser ab sofort zu sparen. Wer dort seinen Pool füllen möchte, muss sich Wasser mit einem Tankwagen zum Beispiel aus dem benachbarten Thüringen bringen lassen, dort sei Wasser noch nicht knapp. 70 Prozent des Wassers verbraucht die Landwirtschaft, 20 Prozent die Industrie und zehn Prozent Privathaushalte. Die Zahlen stammen von der Regierung von Unterfranken. Wäre es nicht sinnvoller, zunächst die Landwirte zum Wasser sparen aufzurufen? Schließlich werden Gemüse-, Obst- und Weinanbauflächen bei starker Trockenheit von den Landwirten bewässert. „Bereits bei den Genehmigungen werden den Landwirten Auflagen zum Wassersparen gemacht, zum Beispiel Tröpfchenbewässerung bei bestimmten Kulturen“, sagt Christian Guschker, Regierungsdirektor und Projektleiter der „Aktion Grundwasserschutz“. Es gebe auch die Auflage, nur in verdunstungsarmen Zeiten – also frühmorgens oder abends – zu bewässern. Im Notfall hätten die Landratsämter die Möglichkeit, über Anordnungen die Wasserentnahme bei den Landwirten zu begrenzen. „Von Israel können wir noch viel lernen“ Die Wasserknappheit wird für die Bauern in der Region zum Problem: „Einige Gemeinden haben die Landwirte bereits aufgefordert, nicht mehr Wasser als bisher üblich war zu entnehmen“, sagt Lena Stegmann, Pressesprecherin beim Bauernverband in Unterfranken. Bisher würden in der Region nur Sonderkulturen wie Gemüse oder stellenweise Wein über eine Tröpfchenbewässerung bewässert. Ackerkulturen wie Sommergerste oder Dinkel kommen noch ohne zusätzliches Wasser aus. „Der fehlende Niederschlag hat zu einer schnellen Abreife des Getreides geführt. In einigen Regionen Unterfrankens mussten bereits Wintergetreide gedroschen werden“, sagt Stegmann. Stefan Köhler, der unterfränkische Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, hat auf dem Deutschen Bauerntag Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) aufgefordert, noch mehr in die Forschung zum Thema Klimawandel und Trockenheit zu investieren. „Von trockenen Ländern die trotzdem erfolgreiche Landwirtschaft betreiben, wie zum Beispiel Israel können wir noch viel lernen und abschauen“, sagt Stefan Köhler. Das bayerische Umweltministerium bereitet sich auf häufigere und länger anhaltende Trockenheitsphasen in Folge des Klimawandels mit einem Bündel von Maßnahmen vor. „.Damit insbesondere der Norden Bayerns auch in Zukunft ausreichend mit Wasser versorgt wird, setzen wir auf das Jahrhundertprojekt Überleitung“, erklärt die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). In knapp 25 Jahren pumpte das System über drei Milliarden Kubikmeter Wasser in den Norden des Freistaates, das entspricht etwa dem Volumen des Starnberger Sees. Vor allem die Flüsse Rednitz, Regnitz und der Main werden dank der Überleitung in Trockenzeiten aufgefüllt. Bayern hat in der Vergangenheit rund 460 Millionen Euro für die Donau-Main-Überleitung investiert. „Der Betrieb der Überleitung ist mit sechs Millionen Euro pro Jahr langfristig gesichert“, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums weiter. Unterfranken ist außerdem Pilotregion für die Entwicklung von Managementplänen für Niedrigwasser. Das Umweltministerium hat das Projekt bei der Regierung von Unterfranken in Auftrag gegeben. Erste Managementpläne für Beispielregionen sollen noch 2017 fertiggestellt werden. „Es geht darum Nutzungskonflikte zum Beispiel zwischen landwirtschaftlicher Bewässerung und öffentlicher Trinkwasserversorgung rechtzeitig zu erkennen und Strategien für alle Wassernutzer zu entwickeln“, erklärt Guschker. „Die öffentliche Wasserversorgung hat dabei immer Vorrang.“ Foto: Karl Schönherr

Es ist trocken in Mainfranken – zu trocken. In weiten Bereichen der Region regnet es generell nur etwa halb so viel wie in Südbayern. Daher gibt es hier auch bayernweit die geringste Grundwasserneubildung. „Die Grundwasserstände in Unterfranken sind aktuell niedrig bis sehr niedrig“, erklärt Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Aschaffenburg. Durch drei trockene Winter in Folge konnten sich die Grundwasserstände nicht erholen.

Ohne Wasser gibt es kein Leben

Mehrere Gemeinden haben sich nun an die Bürger gewandt und per amtlicher Anordnung zum Wasser sparen aufgerufen. Wasser ist unsere wichtigste Ressource. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Ohne Wasser wächst kein Obst, kein Gemüse und auch kein Wein. In Bad Königshofen (Lkr. Rhön-Grabfeld) und den umliegenden Gemeinden ist der Grundwasserpegel so niedrig, dass die Verwaltungsgemeinschaft handeln musste. Bereits seit April ist es dort verboten Trinkwasser zum Besprengen von Gärten oder Sportplätzen, zum Abspritzen von Fahrzeugen, zum Bewässern und zum Befüllen von privaten Schwimmbecken zu verwenden. „Es ist das erste Mal, dass wir solch eine Verordnung erlassen mussten“, sagt eine Sprecherin.

Kinofilm, Serie und ein neues Buch: Seit drei Jahren schreibt Jan Weiler sehr treffend über sein Leben mit zwei Teenagern. Nun kommt „Das Pubertier“ ins Kino. Im Interview verrät der Bestsellerautor, warum er keine Ratgeber über die Pubertät braucht.

Den Großteil des Wassers verbraucht die Landwirtschaft

Auch in Oberelsbach (Lkr. Rhön-Grabfeld) ist das Wasser knapp. Für die Trinkwasserversorgung gebe es zwar drei Brunnen und eine Quelle, doch die Quellschüttung, das heißt die Wassermenge, die aus der Quelle austritt, sei rückläufig, berichtet Birgit Erb, Bürgermeisterin von Oberelsbach. Per Posteinwurf wurden die Bürger dort aufgefordert, Wasser ab sofort zu sparen. Wer dort seinen Pool füllen möchte, muss sich Wasser mit einem Tankwagen zum Beispiel aus dem benachbarten Thüringen bringen lassen, dort sei Wasser noch nicht knapp.

70 Prozent des Wassers verbraucht die Landwirtschaft, 20 Prozent die Industrie und zehn Prozent Privathaushalte. Die Zahlen stammen von der Regierung von Unterfranken. Wäre es nicht sinnvoller, zunächst die Landwirte zum Wasser sparen aufzurufen? Schließlich werden Gemüse-, Obst- und Weinanbauflächen bei starker Trockenheit von den Landwirten bewässert.

„Bereits bei den Genehmigungen werden den Landwirten Auflagen zum Wassersparen gemacht, zum Beispiel Tröpfchenbewässerung bei bestimmten Kulturen“, sagt Christian Guschker, Regierungsdirektor und Projektleiter der „Aktion Grundwasserschutz“. Es gebe auch die Auflage, nur in verdunstungsarmen Zeiten – also frühmorgens oder abends – zu bewässern. Im Notfall hätten die Landratsämter die Möglichkeit, über Anordnungen die Wasserentnahme bei den Landwirten zu begrenzen.

„Von Israel können wir noch viel lernen“

Die Wasserknappheit wird für die Bauern in der Region zum Problem: „Einige Gemeinden haben die Landwirte bereits aufgefordert, nicht mehr Wasser als bisher üblich war zu entnehmen“, sagt Lena Stegmann, Pressesprecherin beim Bauernverband in Unterfranken. Bisher würden in der Region nur Sonderkulturen wie Gemüse oder stellenweise Wein über eine Tröpfchenbewässerung bewässert. Ackerkulturen wie Sommergerste oder Dinkel kommen noch ohne zusätzliches Wasser aus. „Der fehlende Niederschlag hat zu einer schnellen Abreife des Getreides geführt. In einigen Regionen Unterfrankens mussten bereits Wintergetreide gedroschen werden“, sagt Stegmann.

Stefan Köhler, der unterfränkische Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, hat auf dem Deutschen Bauerntag Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) aufgefordert, noch mehr in die Forschung zum Thema Klimawandel und Trockenheit zu investieren. „Von trockenen Ländern die trotzdem erfolgreiche Landwirtschaft betreiben, wie zum Beispiel Israel können wir noch viel lernen und abschauen“, sagt Stefan Köhler.

Unterfranken ist Pilotregion für Niedrigwassermanagement

Das bayerische Umweltministerium bereitet sich auf häufigere und länger anhaltende Trockenheitsphasen in Folge des Klimawandels mit einem Bündel von Maßnahmen vor. „.Damit insbesondere der Norden Bayerns auch in Zukunft ausreichend mit Wasser versorgt wird, setzen wir auf das Jahrhundertprojekt Überleitung“, erklärt die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). In knapp 25 Jahren pumpte das System über drei Milliarden Kubikmeter Wasser in den Norden des Freistaates, das entspricht etwa dem Volumen des Starnberger Sees. Vor allem die Flüsse Rednitz, Regnitz und der Main werden dank der Überleitung in Trockenzeiten aufgefüllt. Bayern hat in der Vergangenheit rund 460 Millionen Euro für die Donau-Main-Überleitung investiert. „Der Betrieb der Überleitung ist mit sechs Millionen Euro pro Jahr langfristig gesichert“, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums weiter.

Unterfranken ist außerdem Pilotregion für die Entwicklung von Managementplänen für Niedrigwasser. Das Umweltministerium hat das Projekt bei der Regierung von Unterfranken in Auftrag gegeben. Erste Managementpläne für Beispielregionen sollen noch 2017 fertiggestellt werden. „Es geht darum Nutzungskonflikte zum Beispiel zwischen landwirtschaftlicher Bewässerung und öffentlicher Trinkwasserversorgung rechtzeitig zu erkennen und Strategien für alle Wassernutzer zu entwickeln“, erklärt Guschker. „Die öffentliche Wasserversorgung hat dabei immer Vorrang.“

Wann Wasser aus Flüssen entnommen werden darf

Im Bayerischen Wassergesetz ist geregelt, ob und wie viel Wasser für den Gemeingebrauch entnommen werden darf: „Jede Person darf, soweit eine erhebliche Beeinträchtigung des Gewässers und seiner Ufer sowie der Tier- und Pflanzenwelt nicht zu erwarten ist, außerhalb von Schilf- und Röhrichtbeständen oberirdische Gewässer zum Baden, Waschen, Tränken, Schwemmen, Schöpfen mit Handgefäßen benutzen.“ Ohne Genehmigung erlaubt ist auch „das Entnehmen von Wasser in geringen Mengen für das Tränken von Vieh und den häuslichen Bedarf der Landwirtschaft“.

Entnahmen aus Oberflächengewässern, die über diesen Gemeingebrauch hinausgehen, bedürfen einer wasserrechtlichen Genehmigung der jeweils zuständigen Kreisverwaltungsbehörde (KVB). Der Bewässerungsbedarf der einzelnen Kulturen wird vom zuständigen Amt für Landwirtschaft und Forsten geprüft. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) beurteilt aus fachlicher Sicht, ob und unter welchen Bedingungen eine Entnahme möglich ist. Größere Entnahmen zur Bewässerung sind aus fachlicher Sicht nur am Main möglich. Die kleineren Nebengewässer des Mains führen dagegen im Regelfall nicht ausreichend Wasser, um größere Entnahmen für die Bewässerung zu erlauben.

In den Wasserrechtsbescheiden ist häufig die Auflage enthalten, dass die Entnahme bei Unterschreitung eines bestimmten Pegelstands („Wasserstand im Gewässer“) einzustellen ist. Des Weiteren werden im Regelfall Vorgaben gemacht, dass die Bewässerung nur zu bestimmten Tageszeiten erfolgen darf (Minimierung der Verdunstung). Soweit möglich sind wassersparende Bewässerungstechniken (z. B. Tröpfchenbewässerung im Weinbau) einzusetzen.

Auch der Abfluss im Main unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen (größere Wasserführung im Winter, geringere im Sommer/Herbst). Daher wird künftig bei bedeutenden Bewässerungsvorhaben die Anlage von Wasserspeichern erforderlich sein, um auch in den Sommermonaten ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben. clk

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