WÜRZBURG/MÜNCHEN

Viel Lärm um einen stillen Tag

Ein stiller Feiertag sorgt für lautstarke Diskussionen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat die Zulassung von Halloween-Partys bis in die frühen Morgenstunden in Nürnberg für rechtswidrig erklärt, ein Musik-Event in München für problematisch. In Würzburg dürfen schon seit dem vergangenen Jahr keine Feiern dieser Art mehr genehmigt werden.

Noch im November werde er die Kirchen und Kommunen einladen, damit sich solche Fälle nicht wiederholten, so Herrmann. „In den Gesprächen solle der ernste Charakter des Feiertages deutlich gemacht werden“, erklärte Karl Michael Scheufele, Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Ausnahmeregelungen seien mit entsprechender Begründung im Einzelfall möglich. „Wirtschaftliche Aspekte sind aber zukünftig kein Grund mehr“, so Scheufele. Dem Innenministerium ginge es nicht um die Aushöhlung des „importierten“ Halloweenfestes, vielmehr um den Schutz von Allerheiligen, betonte er.

Nach dem bayerischen Feiertagsgesetz beginnt der Schutz stiller Tage, zu denen auch Allerheiligen zählt, um Mitternacht. In Würzburg sei man bereits im vergangenen Jahr schriftlich angemahnt worden, Partys über Mitternacht hinaus nicht mehr zu genehmigen, hieß es seitens des städtischen Ordnungsamtes. Das Ordnungsamt habe in diesem Jahr darauf hingewiesen, dass in Nürnberg oder München Feiern genehmigt würden, in der Hoffnung, in Würzburg die Regel aufweichen zu dürfen. Offensichtlich ohne Erfolg.

Die Kirchen, darunter die bayerische evangelische Landeskirche, unterstützen die Bemühungen der CSU. Halloween sei jedoch nicht der Grund, dass die Bedeutung von Allerheiligen im Bewusstsein der Menschen weniger präsent sei, glaubt Pfarrer Erhard Kroth, Dekan des Dekanats Würzburg Stadt: „Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist heutzutage rückläufig. Wir müssen uns grundsätzlich überlegen, wie Kirche attraktiver gestaltet werden kann“, sagte er.

Der evangelische Dekan von Würzburg, Günter Breitenbach, betonte, es sei sinnvoll Halloween kritisch zu hinterfragen. Den Reformationstag, zum Gedenken an Martin Luther, der 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen angeschlagen hat, sähe er jedoch nicht gestört. Die Stadt Nürnberg hält an den genehmigten 15 Halloween-Partys fest. Aus Rücksicht auf die Veranstalter könne eine Zusage nicht kurzfristig zurückgezogen werden, hieß es.

•Pro&Kontra Seite 2

Im Blickpunkt

Stiller Feiertag „Stille Feiertage“ sind in den Bundesländern jeweils verschieden. Immer gelten Einschränkungen. Unter anderem in Bayern sind an Allerheiligen Tanz und laute Musik verboten.

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