BERLIN

Wie wichtig ist den Bürgern Freiheit?

Die Deutschen fühlen sich freier als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig steigt aber auch die Angst vor Terror und das Misstrauen in Politiker. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des John-Stuart-Mill-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach und der Medienagentur MCT.

Seit sieben Jahren untersuchen die Forscher durch Befragung von rund 1500 Bürgern, welchen Stellenwert Freiheit in der deutschen Gesellschaft hat. Der sogenannte Freiheitsindex zeigt, dass den Deutschen der Wert Freiheit wichtiger als Gleichheit, Gerechtigkeit und Sicherheit ist. Dennoch steigt der Studie zufolge auch die Angst vor Terrorismus und extremistischen Gruppen.

Für die Herausgeberin der Studie, Ulrike Ackermann, ist das Ergebnis grundsätzlich erfreulich: „Die Idee von Freiheit gewinnt in Deutschland wieder stärker an Boden.“ Der Befund zeige, dass sich die Stimmungslage nach der Finanzkrise, der europäischen Schuldenkrise und der Flüchtlingskrise in den vergangenen Jahren nun wieder normalisiert habe. Ackermann sagt: „Zu Alarmismus und Hysterie besteht kein Anlass mehr.“

Im vergangenen Jahr sorgte die Studie für Aufregung, weil ein großer Teil (57 Prozent) der Befragten der Meinung war, seine politische Meinung nicht mehr frei äußern zu können. „Wir haben eine beunruhigende Abwärtstendenz verzeichnet mit einem Tiefpunkt während der Flüchtlingskrise“, erklärt Ackermann. Es sei daher erfreulich, dass der Anteil derer, die sagen, man könne seine politische Meinung in Deutschland frei äußern, heute bei 68 Prozent liegt.

Doch dieser Wert hat auch eine Schattenseite. Zwar sei es gut, dass man in Deutschland auch eine kritische Meinung haben dürfe, doch: „Die Verächtlichmachung der Politik ist bedenklich“, sagt Ackermann. So sind 39 Prozent der Befragten der Meinung, sie könnten Politik besser machen als die Gewählten. Bei Anhängern der AfD glauben das sogar 64 Prozent.

Das Misstrauen setzt sich fort in den Zweifeln an der Bereitschaft der Politiker, die Interessen ihrer Wähler zu vertreten. 43 Prozent unterstellen, dass Politiker eher ihre eigenen Interessen oder die bestimmter Gruppen vertreten. Lediglich Spitzenkräften der Wirtschaft wird noch weniger Vertrauen entgegengebracht: Nur elf Prozent vertrauen ihnen.

In besonderer Weise widmet sich die Studie in diesem Jahr dem Thema Populismus. „Der populistische Zeitgeist, wie ihn Pegida und die AfD verkörpern, ist auf dem Rückzug“, stellt Ackermann fest. Die Bevölkerung sehe in der AfD keine normale Partei, sondern eine kleine isolierte Minderheit. Lediglich 18 Prozent der Befragten halten die Partei für demokratisch.

Rückblickend könne man sagen, dass die AfD in ihrer Hochphase besonders von der Unzufriedenheit über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung profitierte. Nun habe sich die Stimmungslage der Bürger im Hinblick auf den Zustand der Demokratie jedoch wieder beruhigt und stabilisiert.

Dennoch hat die Bevölkerung ein waches Bewusstsein für die aktuellen Bedrohungen der Freiheit. An erster Stelle nennen die Befragten den internationalen Terrorismus, gefolgt von extremistischen Gruppen. Als weitere Bedrohungen werden die wachsende Ungleichheit und der Islam genannt. Im Vergleich zu den Ergebnissen der vergangenen Jahre hat das Bedrohungsgefühl insgesamt aber abgenommen.

Die Studie zeigt eine interessante Entwicklung: Die zunehmende Überwachung hat für die Befragten keine große Auswirkung auf deren Freiheitsgefühl. Ackermann: „Zugunsten größerer Sicherheit nehmen die Bürger ganz offensichtlich staatliche Einschränkungen ihrer privaten Freiheit in Kauf.“

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