FULDA

Bischöfe enttäuschen Basisgruppen

Übergabe: Die Hammelburger (von links) Maria Heckmann, Marion Baron und Reinhard Beichel überreichten dem Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, die Unterschriften.
Foto: Angelika Silberbach | Übergabe: Die Hammelburger (von links) Maria Heckmann, Marion Baron und Reinhard Beichel überreichten dem Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, die Unterschriften.

Genau 11 850 Unterschriften für die Erneuerung in der katholischen Kirche übergaben die Vertreter des Hammelburger Aktionskreises „Kirche in Bewegung“ (KiB) bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda. Bundesweit hatte der Aktionskreis Unterstützer gesucht, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Es geht um die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern und einen besseren Umgang der Katholischen Kirche mit Wiederverheirateten.

„Wir waren überrascht von der großen Resonanz über Deutschland hinaus“, sagte Marion Baron, Pressesprecherin von KiB. „Wir hoffen, dass unsere Petition auf offene Ohren und Herzen trifft“, bekräftigte die 42-jährige Hammelburgerin ihre Absicht, mit der Kirche zusammenzuarbeiten und nicht zu spalten. Der Sekretär der Bischofskonferenz, der Jesuit Pater Hans Langendörfer, nahm die Unterschriften in Empfang und versicherte, die Listen und das Anliegen an die Bischöfe zu übermitteln.

Seit die Hammelburger wegen des Zölibats im Oktober 2009 ihren Stadtpfarrer Michael Sell verloren hatten, der sich zu Freundin und Kind bekannt hatte, treffen sie sich jede Woche zum Donnerstagsgebet und formulieren ihr Bedürfnis nach Reformen in der katholischen Kirche. Am gestrigen Donnerstag traf sich der Aktionskreis aus gegebenem Anlass auf den Stufen vor dem Hohen Dom in Fulda, wo die Bischöfe etwa zur gleichen Zeit den Abschlussgottesdienst feierten.

Es war nur der Schlusspunkt einer Herbstvollversammlung, die mit problematischen Themen „gesegnet“ war. Schon im Vorfeld hatte die reformkatholische Bewegung „Wir sind Kirche“, mit denen die Hammelburger zusammenarbeiten, hohe Erwartungen an die Bischöfe formuliert, wie mit dem Zölibat und der Entschädigung von Missbrauchsopfern umgegangen werden solle. „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner hatte kritisiert, die Bischöfe seien sich offenbar des Ernstes der Lage nicht bewusst. Weisner äußerte sich enttäuscht, als bekannt wurde, dass die Bischofskonferenz ihren Beschluss über die finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern erneut vertagt hat. Auch Vertreter von Opfergruppen äußerten Enttäuschung darüber, dass vom Treffen in Fulda kein klares Signal ausgeht. Weisner: „Das ist bisher nur ein Gerippe. Da fehlt das Fleisch.“

Erst in der nächsten Woche zum Treffen des runden Tisches mit der Bundesregierung wollen die Bischöfe einen konkreten Vorschlag machen. „Wir setzen uns für eine abgestimmte Lösung ein“, sagte DBK-Vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch.

Zollitsch betonte, die Opfer bräuchten nicht nur Geld, sondern „gesamtmenschliche Hilfen“ und Anerkennung des erlittenen Unrechts: „Die Zahl derer, die auch finanzielle Entschädigung verlangen, ist ausgesprochen gering. (...) Wir wehren uns dagegen, dass alles auf die finanzielle Komponente gesetzt wird.“

Die DBK beschloss in Fulda eine kirchliche Rahmenordnung zum Schutz vor Kindesmissbrauch. Die „soll helfen, dass sexuelle Übergriffe vermieden werden“, sagte der Missbrauchsbeauftragte Bischof Stephan Ackermann (Trier). Die Bistümer sind nun verpflichtet, ihren Mitarbeitern klare Verhaltensregeln zu geben, Beratungs- und Beschwerdewege zu schaffen und die Personalauswahl und Fortbildung zu verbessern. Jeder Bischof muss einen Missbrauchsbeauftragten ernennen, der die Präventionsarbeit der Diözese koordiniert.

Am Wochenende findet in Berlin ein Kongress von Opfern sexueller Gewalt – nicht nur im kirchlichen Milieu – statt, der Forderungen aus Sicht der Betroffenen formulieren will. Mit Material von dpa

Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (1)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!