Unterm Strich: Ein Gate kommt selten allein

Eine Sprachwissenschaftler-Jury hat die Silbe „gate“, die etwa im Wort Handygate – dem Skandal um das abgehörte Mobiltelefon der Bundeskanzlerin – auftaucht, zum Anglizismus des Jahres gekürt. Seit dem Watergate-Skandal, der US-Präsident Richard Nixon 1974 zum Rücktritt zwang, wird das Anhängsel „gate“ gern benutzt, um Affären sprachlich aufzupeppen oder um Nichtigkeiten zum Skandal aufzublasen. So gab es in den USA nach Watergate etwa Monicagate oder Nipplegate. Wer in Deutschland an vorderster Front mitschmarren möchte, greift solchen Schmarrn natürlich ganz hingerissen auf und erfindet Begriffe wie Waterkantgate, Täschligate, Schrippengate, Teppichgate, Eierlikörgate, Dirndlgate oder – es ist ja nichts zu blöd – Mopsgate, wenn von einem Loriot-Denkmal eine Mopsfigur verschwindet. Die Jury, die den Anglizismus des Jahres wählte, ist von diesen Wortkombinationen begeistert, weil sie „eine neue Phase in der Entlehnungsgeschichte zwischen dem Deutschen und dem Englischen“ einleiten. Geht's noch? Oder gates noch? Droht bald ein Colgate-Gate? Oder ein schwedisches Heiratsdrama namens Kattegat-Gatten-Gate? Gate heißt übrigens übersetzt Tor, und so entspricht es vielleicht einer gewissen sprachlichen Logik, dass Wörter wie Eierlikörgate, Dirndlgate oder Mopsgate vornehmlich von Toren in die Welt gesetzt werden. Vor Jahren wurde bereits über ein Vollidiotengate diskutiert. Vollidiotengate: ein Begriff, der diese neue Phase in der Entlehnungsgeschichte zwischen dem Deutschen und dem Englischen beziehungsweise das Gate-Phänomen in toto am treffendsten umschreibt.

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