Düsseldorf

Attackierter Innogy-Manager: Motiv im „beruflichen Umfeld”

Innogy-Manager Günther
Vom Anschlag gezeichnet: Bernhard Günther, Finanzvorstand des Ökostrom-Konzerns Innogy, während der Bilanz-Pressekonferenz. Foto: Federico Gambarini/dpa

Der bei einem Säure-Attentat schwer verletzte Innogy-Manager Bernhard Günther sieht das Motiv hinter der Tat im „beruflichen Umfeld”.

Er habe als Auftraggeber eine spezielle Person im Verdacht, sagte der 52-Jährige in einem Interview mit dem „Handelsblatt”. Ein Tatverdächtiger war Ende Oktober verhaftet und nach gut vier Wochen wieder frei gelassen worden.

Nach der Festnahme hatten bereits mehrere Medien über Verdachtsmomente gegen einen Konkurrenten berichtet. Günther sagte auf die Frage des „Handelsblatts”, ob er eine ganz spezielle Person in Verdacht habe: „Ja. Interessanterweise hat die Staatsanwaltschaft diesen Medienberichten ja auch nicht widersprochen. Offensichtlich hat die Justiz jedoch bisher nicht ausreichend Beweise vorliegen. Und zu Recht gilt bei uns der Grundsatz der Unschuldsvermutung.”

Günther verwies in dem Interview auf die Unruhe bei Innogy zur Zeit des Säure-Anschlags. Wäre er damals „aus dem Spiel genommen” worden, hätte es Platz im Vorstand gegeben. „Es wurden schon Verbrechen wegen geringerer Summen verübt”, sagte Günther dem „Handelsblatt”.

Der Manager geht nach eigenen Angaben davon aus, dass er durch den Anschlag erblinden sollte: „Wenn jemand scharf auf Ihren Job ist oder glaubt, dass Sie seiner Karriere im Wege stehen, dann wäre das schon eine sehr effektive Methode”, so Günther in dem Interview.

Der Innogy-Finanzchef wurde am 4. März 2018 nach dem Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf von Vermummten überfallen und mit hochkonzentrierter Säure übergossen.

Zu den gesundheitlichen Folgen sagte Günther dem „Handelsblatt”: „Ich habe immer noch einen langen Weg vor mir und natürlich werden immer sichtbare Spuren bleiben.” Abgesehen vom Ästhetischen machten ihm „nach wie vor die Augen Probleme”. Ob das „jemals wieder richtig gut wird, wird sich zeigen”, so Günther. Noch immer gebe es Orte und Aktivitäten, die er meide: „Wo mir das Risiko zu hoch erscheint, zum Beispiel alleine joggen.”

Der Innogy-Manager kritisierte erneut die Arbeit der Ermittlungs- und Justizbehörden. Auf die Spur des verdächtigen - und wieder freigelassenen - Mannes war die Polizei durch Hinweise von Anwälten und Privatdetektiven gebracht worden, die Günther engagiert hatte. „Nachdem der Tatverdächtige identifiziert worden war, brauchte die Polizei mehr als fünf Monate, bis mir entsprechende Bilder vorgelegt wurden, auf denen ich den Mann identifizieren sollte”, so Günther in dem Interview.

Von der Freilassung des Verdächtigen habe er über eine Presseanfrage und nicht vom Gericht erfahren: „Das mag ja formell alles korrekt abgelaufen sein. Aber es zeigt einen eklatanten Mangel an Einfühlungsvermögen und Mitgefühl für das Opfer.”

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte der Deutschen Presse-Agentur zu Günthers Vorwürfen, dass er bereits Fotos des Verdächtigen gesehen habe, bevor die Polizei ihm welche zeigen konnte. Den Wert der Identifizierung des Verdächtigen über Fotos bei der Polizei hatte das Gericht angezweifelt - und unter anderem deshalb den Verdächtigen freigelassen.

Laut Staatsanwaltschaft gehen die Ermittlungen unterdessen weiter. Der Freigelassene gelte nach wie vor als Verdächtiger. Auch gegen weitere Personen werde ermittelt. Ob darunter tatsächlich ein Konkurrent Günthers ist, wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

Der Manager schließt nicht aus, dass der Fall niemals aufgeklärt wird. „Aber wenn die Theorie stimmt, die derzeit im Mittelpunkt steht, gibt es zumindest etwas Tröstliches für mich: Das Tatmotiv ist nicht mehr gegeben. Meinen Job als Finanzvorstand wird es bald nicht mehr geben”, sagte Günther. Die Firma Innogy wird von Eon übernommen.

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