London

Boris Johnson erholt sich auf Landsitz Chequers

Landsitz Chequers       -  Der englische Landsitz Chequers. Das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert nordwestlich von London ist seit etwa 100 Jahren der Landsitz des jeweils amtierenden Premiers.
Der englische Landsitz Chequers. Das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert nordwestlich von London ist seit etwa 100 Jahren der Landsitz des jeweils amtierenden Premiers. Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson erholt sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus von seiner schweren Corona-Erkrankung auf dem Landsitz Chequers.

Das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert nordwestlich von London ist seit etwa 100 Jahren der Landsitz des jeweiligen Premiers. Johnson werde auf Anraten seiner Ärzte nicht sofort arbeiten, sagte ein Regierungssprecher. Experten gehen von einer mehrwöchigen Pause aus.

Der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) habe sein Leben gerettet, twitterte Johnson. Von den Klinikmitarbeitern lobte er in einer emotionalen Videobotschaft besonders Jenny McGee aus Neuseeland und Luis Pitarma aus Portugal. „Sie standen 48 Stunden an meinen Bett, als die Dinge auch hätten anders ausgehen können.”

Johnsons schwangere Verlobte Carrie Symonds hält sich ebenfalls in dem Anwesen Chequers auf, das von einem großen Park umgeben ist. Die 32-Jährige hatte sich nach eigenen Angaben auch mit dem Erreger angesteckt, aber deutlich mildere Symptome als Johnson gezeigt.

Der Premier war zuvor eine Woche im St. Thomas' Hospital in London behandelt worden. Zwischendurch hatte sich sein Zustand so sehr verschlechtert, dass er für drei Nächte auf die Intensivstation kam. Am Sonntag konnt er die Klinik schließlich verlassen.

Johnson wird derzeit von Außenminister Dominic Raab vertreten. Die Befugnisse des Premierministers hat der ehrgeizige Politiker aber nicht. Großbritanniens ungeschriebene Verfassung sieht keine klare Regelung für den Fall vor, dass der Regierungschef ausfällt. Kritiker fürchten daher eine Art Machtvakuum bei wichtigen Entscheidungen.

Während Johnson das Schlimmste überstanden hat, steht dem Land der Höhepunkt der Pandemie noch bevor. Großbritannien könnte nach Einschätzung der Wellcome-Stiftung in der Bilanz der am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffene europäische Staat werden - die Todesrate könnte bald die höchste sein, sagte der Direktor der Stiftung, Jeremy Farrar, am Sonntag dem Sender BBC.

Nach dem jetzigen Ausbruch rechnet der Experte, der auch die britische Regierung berät, mit einer zweiten und dritten Welle. Er hoffe auf einen Impfstoff bis Herbst, dann müsse noch die Produktion für die Impfung vieler Millionen Menschen hochgefahren werden. „Ich würde hoffen, dass wir das in zwölf Monaten schaffen, aber das ist an sich schon ein beispielloser Ehrgeiz”, sagte Farrar weiter.

Gesundheitsminister Matt Hancock nannte den Ostersonntag einen „düsteren Tag” in Großbritannien, denn nach den offiziellen Statistiken übersprang die Zahl der Toten durch die Lungenkrankheit Covid-19 die 10 000er Marke. Am Montag wurde die Gesamtzahl der Toten mit 11 329 angegeben. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer; vor allem zahlreiche Opfer in Seniorenheimen sind noch nicht erfasst. Die meisten Todesfälle wurden in England registriert.

Es mangelt in Großbritannien an Tests, Klinikbetten, Beatmungsgeräten und Schutzausrüstungen. Angesichts der Lage wird nicht damit gerechnet, dass die seit drei Wochen geltenden Ausgangsbeschränkungen bald gelockert werden. Königin Elizabeth II. (93) sprach am Samstag in einer Audiobotschaft ihrem Volk Mut zu: „Wir wissen, dass uns das Coronavirus nicht bezwingen wird.”

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