Berlin/Amsterdam/London

Extinction Rebellion startet Protest in Berlin

Polizeieinsatz in Berlin
Polizisten tragen einen Aktivisten der Klimabewegung Extinction Rebellion am Potsdamer Platz weg. Foto: Paul Zinken/dpa

Mit Straßenblockaden in Berlin haben etwa 3000 Aktivisten von Extinction Rebellion für mehr Klimaschutz demonstriert. Die Auswirkungen der Aktionen an der Siegessäule und am Potsdamer Platz blieben zu Beginn der Demonstrationswoche der Gruppe überschaubar.

Im Aufruf von Extinction Rebellion zum gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Klimakrise hatte es geheißen: „Wir blockieren Berlin, Paris, New York, Amsterdam, London.” Das große Verkehrschaos blieb in Berlin jedoch aus. Trotzdem gab es Kritik vom Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und aus dem Kanzleramt.

Die Berliner Polizei ließ die Aktivisten zunächst gewähren - obwohl die Demo an der Siegessäule mit etwa tausend Teilnehmern nicht angemeldet war. Durch die Sperrungen hätten Autofahrer auf den Umfahrungen bis zu 20 Minuten länger gebraucht, hieß es aus der Verkehrsinformationszentrale. In der Stadt sind gerade Schulferien, dadurch sind weniger Autos unterwegs als üblich.

Am frühen Abend begann die Polizei am Potsdamer Platz damit, die Kundgebung der Klimaaktivisten zu räumen. Nachdem die Beamten zunächst Möbel von der Straße entfernten, die die Demonstranten zuvor aufgebaut hatten, wurden die ersten Aktivisten fortgetragen. Anschließend überprüften die Beamten deren Personalien.

An der Siegessäule wollten Aktivisten übernachten, wie eine Sprecherin von Extinction Rebellion ankündigte. Dort legten sich Menschen am frühen Abend nebeneinander und steckten ihre Arme in Plastikrohre, um sich so miteinander zu verbinden.

In London und Amsterdam gab es am Montag zahlreiche Festnahmen. Die Aktivisten hatten in der britischen Hauptstadt etliche Straßen und auch mehrere Themse-Brücken blockiert. Es wurden mindestens 217 Menschen festgenommen. Extinction Rebellion (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien. Nach eigenen Angaben gibt es die Gruppe seit November vorigen Jahres auch in Deutschland. Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen.

Scheuer nannte die Straßenblockaden „unsäglich”. „Sie blockieren frühmorgens Leute, die zu ihrer Arbeit fahren und die dafür sorgen, dass jeden Tag in Deutschland Wohlstand erwirtschaftet wird”, sagte der CSU-Politiker im niederbayerischen Bad Birnbach. Kritisch äußerte sich auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Es sei in Ordnung, für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. „Aber wenn man gefährliche Angriffe in den Straßenverkehr ankündigt, das geht natürlich gar nicht”, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin”.

Die AfD forderte ein „konsequentes Durchgreifen” der Polizei gegen die Klima-Aktivisten, die die ganze Woche protestieren wollen. „Zehntausende Autofahrer standen heute Morgen im Stau, weil eine wirre Endzeitsekte sich selbst ermächtigt hat, Verkehrsknotenpunkte in Berlin zu besetzen”, erklärte Vize-Parteichef Georg Pazderski. Das sei Nötigung und habe mit Recht auf Versammlungsfreiheit nichts zu tun.

Die Amsterdamer Polizei nahm etwa 50 Demonstranten bei einer Blockade-Aktion in Gewahrsam. Die Demonstranten hatten am frühen Montagmorgen eine wichtige Durchgangsstraße versperrt und Dutzende kleine Zelte aufgestellt. Die Stadt hatte die Protestaktion aber an dieser Stelle verboten.

Auch in Paris blockierten Aktivisten einen Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt. Sie hätten rund um den Place du Châtelet nahe der Seine Strohballen aufgestellt und sich auf die Straße gesetzt, wie die Zeitung „Le Parisien” berichtete. Auch in Australien und Neuseeland demonstrierten Hunderte Aktivisten, Dutzende wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. In Madrid besetzten rund 300 zumeist junge Aktivisten eine wichtige Brücke über der Prachtavenue Paseo de la Castellana. Die Polizei löste die Verkehrsblockade relativ schnell und ohne größere Probleme auf.

In Berlin erhielten die Aktivisten Unterstützung von Carola Rackete, der als Flüchtlingsretterin bekannt gewordenen Kapitänin. „Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und den ökologischen Notstand ausruft”, forderte Rackete bei ihrer umjubelten Rede an der Siegessäule. Sie sei froh, dass sich Extinction Rebellion dazu entschlossen habe, „die ganze Woche hier zu bleiben, um Berlin Tag und Nacht zu blockieren”. Luisa Neubauer von Fridays for Future sprach am Potsdamer Platz. „Wir brauchen Menschen, die in Massen, in nie dagewesenen Massen auf die Straßen gehen und anfangen, Teil der Lösung zu werden.”

Aktionen sollte es unter anderem auch New York und Buenos Aires geben. Anders als andere Bewegungen wie Greta Thunbergs Fridays for Future, sind die Aktivisten von Extinction Rebellion nach eigenen Angaben bereit, Gesetze zu brechen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Blockade in Berlin
Aktivisten der Klimabewegung Extinction Rebellion besetzen die Fahrbahn am Großen Stern um die Berliner Siegessäule. Foto: Carsten Koall/dpa
Klimaprotest in Berlin
Blockade der Klimabewegung „Extinction Rebellion”: Die Aktionswoche „Berlin blockieren” führte mitten in den Schulferien allerdings kaum zu Staus. Foto: Christoph Soeder/dpa
Tanz um die Siegessäule
Extinction-Rebellion-Aktivisten tanzen um die Siegessäule in Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa
Carola Rackete in Berlin
Die Aktivistin Carola Rackete beim Extinction-Rebellion-Protest in Berlin. Sie war als Seenotretterin von Flüchtlingen bekannt geworden. Foto: Christophe Gateau/dpa
Protest in London
Ein Polizist spricht in London mit einer mit Müll bedeckten Klima-Aktivistin, die neben einem Plakat mit der Aufschrift „We don't need more of your rubbish” (Wir brauchen nicht mehr von eurem Müll) sitzt. Foto: Ray Tang/XinHua/dpa
In Dublin
Demonstration mit Boot vor dem irischen Parlament in Dublin. Foto: Niall Carson/PA Wire/dpa
Proteste in Paris
In Paris blockieren Aktivisten einen Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt. Rund um den Place du Châtelet nahe der Seine stellten sie Strohballen auf und setzten sich auf die Straße. Foto: Francois Mori/AP/dpa
Blockade in Wien
Aktivisten werden in Wien von Polizisten weggetragen. Foto: Helmut Fohringer/APA/dpa
Extinction-Rebellion-Protest in Berlin
Die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion will in Berlin und anderen Großstädten in aller Welt auf eine drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. Foto: Paul Zinken/dpa
Isländischer Gletscher Okjökull
Links: Luftaufnahme des damals noch existierenden Okjökull-Gletschers aus dem Jahr 1986. Rechts: Vom geschrumpften Gletscher ist im August 2019 nur ein kleiner Fleck aus Eis übrig. Foto: AP/dpa
Für tot erklärt
Der 700 Jahre alte isländische Gletscher Okjökull gilt formell nicht mehr als solcher. Mit nur noch 15 Metern Eisdicke ist er zu leicht geworden, um sich vorwärts zu schieben. Foto: Felipe Dana/AP/dpa
Eisbär
Wie lange hält das Eis noch? Ein Eisbär in der Meerenge Victoria Strait im nördlichen Kanada. Foto: David Goldman/AP/dpa
Flut in Tuvalu
Kinder spielen auf einem vom Meerwasser überfluteten Platz in Funafuti, der Hauptstadt des pazifischen Inselstaats Tuvalu. Foto: Kyodo/epa/dpa
Wiederaufforstung
Ein Schüler befestigt beim Start für das Wiederbewaldungsprojekt „Berlingerode” im Forstamt Leinefelde eine Aufwuchshülse an einer frisch gepflanzten Buche. Foto: Swen Pförtner/dpa
Sand für den Küstenschutz
Ein Schiff mit Sand zur Erhöhung der Warften wird am Anleger der Hallig Hooge entladen. Foto: Carsten Rehder/dpa
Mont Blanc
Teile des gewaltigen Planpinceux-Gletschers am Mont Blanc drohen auf italienischer Seite wegen steigender Temperaturen abzustürzen. Foto: Comune di Courmayeur/Fondazione Montagna Sicura/AP/dpa
Extinction Rebellion in Berlin
Aktivisten von Extinction Rebellion gehen in roten Gewändern und mit weiß angemalten Gesichtern über den Potsdamer Platz in Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa

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