WASHINGTON/BERLIN

Gefährlicher Tanz auf dem Vulkan

Bundestag 100. Sitzung       -  Omid Nouripour ist Iran-Experte der Grünen.
Omid Nouripour ist Iran-Experte der Grünen. Foto: Britta Pedersen, dpa

„Es riecht stark nach Krieg.“ Der Iran-Kenner Omid Nouripour lässt seinen Worten eine kurze Pause folgen. Diesen Satz habe ihm ein ranghoher Politiker bei seinem Besuch in Teheran gesagt, berichtet Nouripour. Der Grünen-Abgeordnete hat Mitte der Woche zahlreiche vertrauliche Gespräche in dem Land geführt, auf das die Welt mit Sorgen blickt. Der Iran und die Vereinigten Staaten von Amerika liefern sich einen gefährlichen Tanz auf dem Vulkan, der jederzeit in einem Ausbruch enden kann. Beinahe wäre es dazu gekommen. Im letzten Moment brach US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend einen Luftangriff ab. „Zehn Minuten vor dem Schlag habe ich ihn gestoppt“, erklärte Trump.

Nouripour ist in Teheran geboren und kam als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Deutschland. Er blickt wegen seiner frischen Eindrücke skeptisch auf die Lage am Golf: Der Frieden sei in ernster Gefahr. „Die Wahrscheinlichkeit dass es nicht zum Krieg kommt, ist kleiner“, mahnt der 44-Jährige. Von der Bundesregierung und ihren europäischen Verbündeten verlangt er, dass sie mehr tun müssten, um einen Waffengang im fragilen Nahen Osten zu vermeiden. In Deutschland sei noch nicht verstanden, was ein Krieg für die eigene Sicherheit bedeute. „Am Ende eines solchen Konfliktes steht eine Nuklearisierung des Nahen Ostens“, warnte Nouripour. Er ist sich sicher, dass dann nicht nur der Iran über die Atombombe verfügen will, sondern auch Saudi-Arabien.

Konkret forderte der Parlamentarier, dass die Europäer das eigens zur Umgehung der US-Wirtschaftssanktionen aufgesetzte Zahlungsvehikel mit mehr Geld ausstatten müssten, damit der Iran an lebenswichtige Einfuhren wie Medikamente kommt. Bisher liegen auf den Konten laut Nouripour lediglich drei Millionen Euro bereit. Damit ließe sich nicht einmal eine Charge an Medikamenten zahlen. Potenzial sieht er auch im deutschen Know-how beim Umwelt- und Klimaschutz, das man mit den Mullahs teilen könnte. Das Land erlebt seit vielen Jahren lange Dürren.

Der Iran hat das Potenzial, schweren Schaden anzurichten

Trotz einer schweren Wirtschaftskrise in Folge der amerikanischen Strafmaßnahmen hat der Iran das Potenzial, großen Schaden anzurichten, sollte sich das Regime durch Präsident Trump in die Ecke gedrängt sehen. Eine Blockade des Persischen Golfes würde den Ölpreis in die Höhe schießen lassen. Mit seinen Milizen könnte Teheran Syrien und Afghanistan zusätzlich destabilisieren und den Europäern mehr Flüchtlinge bescheren. Verdeckte Angriffe der Revolutionsgarden auf das Touristenzentrum Dubai würden für Angst und Schrecken sorgen.

Damit es nicht dazu kommt, müssen die Europäer aus Sicht Nouripours Gespräche zwischen den USA und dem Iran unterstützen. Zum Beispiel, indem sie sich für eine Kommission einsetzen, auf der beide Parteien auf niedrigerer Ebene im Gespräch bleiben können.

Bei seinem jüngsten Besuch hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) offenbar nichts dergleichen im Gepäck. Er pochte auf das Atomabkommen, das aber wegen des Ausstiegs der USA wertlos geworden ist. Ungeachtet anderslautender Versprechen haben es Maas und seine europäischen Amtskollegen nicht geschafft, das Joch der US-Strafmaßnahmen zu lockern. Wirtschaftlich steht der Iran mit dem Rücken zur Wand, was von Trump auch so gewollt ist.

Als Antwort darauf beschwört die iranische Führung den Widerstandsgeist der Iraner. Zum 30. Todestag von Revolutionsführer Ayatollah Khomeini Anfang Juni war der Widerstand das zentrale Motiv in der Rede seines Nachfolgers an der Spitze des Irans, Ali Khamenei. Das Land habe niemals vor den USA kapituliert. Das Regime ist bereit, sich zu wehren. Kanzlerin Angela Merkel erklärte zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel, es handele sich um eine „sehr angespannte Situation“, die auf diplomatische und politische Weise gelöst werden müsse.

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